Getrennt und doch gemeinsam

In der Musik haben wir die Komposition - das Grundthema - bei den Autoren heißt es Plot. Okay, klingt jetzt nicht ganz so schick, bedeutet aber das Gleiche. Der Autor formt seine Handlung, seine Figuren und deren Charaktere. Der Komponist bestimmt die Akkorde, Tonhöhen, Instrumentierung – kurz, die gesamte Struktur des Liedes oder der Operette. Der Autor schreibt Dialoge, der Komponist die Gesangseinlagen (z.B. bei einer Operette oder einer Oper). In beiden Strukturen geht es um den Erhalt der Spannung bzw. darum, die Zuschauer zu fesseln. Ich weiß, dass sich manche Opern langweilig anfühlen, wenn man vielleicht die Sprache nicht versteht. Übersetzt man deren Handlung jedoch in einem Buch, so erhält man oft einen berührenden Liebesroman oder sogar einen Thriller, wie es in Neudeutsch so schön heißt.

In der Musik wie bei den Autoren gibt es Genres (davon in der Literatur allerdings sehr viel mehr:-)). Hier ist der Komponist nicht so flexibel wie der Autor, zumal man in der Literatur noch unzählige Subgenres zu erfinden kann.

In der Musik heißt es Arrangement - bei den Autoren Ausarbeitung von Feinheiten in der Geschichte. Das Arrangement bestimmt die einzelnen Einsätze der Instrumente oder des Gesangs. Damit steht und fällt ein gutes Lied oder Konzert. Beim Autor sind die Details ebenfalls lebenswichtig für eine gute Geschichte. Sein Vorteil ist aber der Einsatz von Cliffhangern. Hier muss der Komponist passen, denn ein unfertiger Song wäre nicht denkbar.

In der Musik nennt man das, was aus spontanen Ideen resultiert, Improvisation. Autoren, die sich nicht streng an die neuen "DIN-Normen" des Creative Writing halten, kommen hier auf das gleiche Wort. Da wird aus dem geplanten Krimi plötzlich ein mörderisch guter Fantasyroman. Das habe ich selbst erlebt. Fazit: Improvisation bedingt ungebremsten Ideenreichtum und Kreativität.

Dann gibt es noch einen Begriff in der Musik: Das Transponieren. Damit ist das Umsetzen in andere Tonhöhen (für verschiedene Stimmlagen) gemeint. Bei den Autoren wäre Transkription das bessere Wort. Grob übersetzt bedeutet es, bereits Bestehendes umzuwandeln. So arbeite ich z. B. aus bestehenden Drehbüchern die Romanfassung heraus, was übrigens schwieriger ist als umgekehrt. Auf der anderen Seite kann man so seiner eigenen Phantasie mehr Freiraum geben.

Jede Kunstform hat einen gemeinsamen Nenner: Experimentieren - Die Lust, Neues auszuprobieren. Man stößt an Grenzen und überwindet sie. Auf diese Art und Weise erfinden sich bekannte Künstler ständig neu.

Viele Gemeinsamkeiten auch im Hintergrund

Der Musiker oder eine Band hat meist einen Manager, der Autor (wenn er Glück hat) einen Literaturagenten. Übrigens: Beide Berufsbezeichnungen sind nicht geschützt. Jeder kann sich daher Manager oder Agent nennen. Leider gibt es viele schwarze Schafe auf beiden Seiten. Hier müssen die Kreativen noch wachsamer werden und sich auch kaufmännisch und urheberrechtlich gut informieren oder einer Vereinigung beitreten, die sie entsprechend beraten kann.

Meiner Meinung nach sollten Buchverlage in Zukunft so eine Art A&R Abteilung wie bei den Musiklabeln einrichten. Teilweise suchen sich bekannte Verlage wie z.B. Droemer Knaur über die Plattform Neobooks ja schon Selfpublisher für eine Veröffentlichung aus, aber das Potential ist noch lange nicht ausgeschöpft.

 

Selbstbedienung bei Kreativen

Downloadpiraten sind die Schädlinge unserer Kultur und davon betroffen sind Musiker wie Autoren gleichermaßen. Piratenportale vernichten Existenzen von Autoren, Sprechern, Kleinverlagen, Vertrieben und glauben dabei noch, ihresgleichen oder der breiten Masse etwas Gutes zu tun! Obwohl es mehr als genug kostenlose Downloadmöglichkeiten auf seriösen Portalen gibt! Ein Grund, warum immer mehr kleine Verlage und Hörbuchlabel bereits aufgegeben haben und eines Tages nur noch die Konzerne das kulturelle Bild bestimmen. Und leider hat sich bisher gezeigt, dass die Politik auf Seiten der Konzer und nicht des kleinen Urhebers ist!

Werfen wir aber mal einen Blick in die Zukunft: Die gleichen Leute, die heute kreative Arbeiten kostenlos ins Netz stellen, werden sich eines Tages vielleicht wegen der mangelnden Vielfalt, dem sinkenden kulturellen Angebot beklagen und sich der Kulturdiktatur der "Großen" zwangsläufig unterwerfen müssen. Denn dann werden nur noch bekannte Namen und Konzerne diesen Markt beherrschen! Weniger bekannte, dafür vielleicht kreativere Urheber werden auf Dauer aus diesen Medien freiwillig aussteigen oder hinausgedrängt werden.

Fazit

Lassen wir unserer Kreativität - egal ob mit Musik oder mit Worten - weiterhin freien Lauf. Aber bleiben oder werden wir achtsam, wem wir diese Werke in die Hand geben. Viele Künstler kämpfen bereits jetzt ums Überleben, weil sie von ihrer Tätigkeit allein nicht leben können. So wie Musik und Worte perfekt zusammenpassen, müssen auch die Kreativen lernen, sich zusammen zu schließen und gemeinsam anstatt gegeneinander zu arbeiten.

 

Caro, am 11.06.2016
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Bildquelle:
W. Zeckai (Wie macht man eine Lesung erfolgreich?)
Mag.a Bernadette Maria Kaufmann (Peter Reutterer World Wide und auf der anderen Seite Gedichte mit G...)
Amazon Prime - Video, Film (Der Hundertjährige der aus dem Fenster stieg und verschwand)
Mag.a Bernadette Maria Kaufmann (Farbspiel Band 1: Weiß)

Autor seit 5 Monaten
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