Wissen und Nicht-Wissen, Objektivität und SubjektivitätAstronomie oder Astrologie, Religion oder Aufklärung, Aberglauben oder Vernunft, Esoterik oder Wissen - in unserer Gesellschaft sind viele Gegensätze verwirklicht. Doch wie kann ein Mensch zwischen Wahr und Falsch, zwischen Glaube und Aberglaube, zwischen Objektivität und Subjektivität unterscheiden? Was ist richtig in dieser Welt und was nicht?

Eine subjektive Meinung, um die Welt objektiv zu betrachten: Von Skeptikern und Realisten, Agnostikern und Atheisten über Denker und Philosophen zu einer Weltanschauung, die auf der Erkenntnistheorie beruht.

Skeptiker und Realisten

Wer diese Begriffe schon einmal gehört hat, fragt sich vielleicht, was damit gemeint ist. Wenn man nachfragt, bekommt man durchaus unterschiedliche Antworten.

Zunächst dachte ich, dass Realisten die gleiche oder eine sehr ähnliche Anschauung vertreten wie Skeptiker, aber nach der Diskussion mit Klaus (siehe Kommentare) ist klar geworden, dass die Realisten die Meinung haben, dass alle Beobachter in einer identischen Welt leben und dass dies im Falle von Wissen auch wirklich so ist. Beim Realisten fehlt mir daher das Hinterfragen der Dinge. Deshalb wird im nachfolgenden Text vom Skeptiker die Rede sein.

Ein Skeptiker ist ein Mensch, der Angesichts ungewöhnlicher Phänomene, Glaubenssystemen oder Behauptungen nicht gleich alles glaubt, sondern kritisch hinterfragt.

"Wenn irgend jemand etwas außergewöhnliches behauptet, sollte er auch außergewöhnlich gute Argumente dafür vorweisen können."

Skeptiker lehnen also nicht einfach nur etwas ab, was ihnen nicht passt. Sie hinterfragen vielmehr die Dinge kritisch, die um sie herum passieren und verwenden die Methoden der Wissenschaft, um ungewöhnliche Phänomene zu erforschen.

Da die wenigsten Fälle von ungewöhnlichen Phänomenen wie Ufo-Sichtungen, Gedankenleserei oder Telekinese einer genauen Überprüfung standhalten, sind Skeptiker bei Hellsehern, Wünschelrutengängern, Wunderheilern und Scharlatanen sehr unbeliebt.

Skeptiker werden daher oft negativ dargestellt und als Sektierer diffamiert. Ihre verschwindend geringe Anzahl - gegenüber der hervorragend organisierten Lobby der Astrologen, Wunderheiler und skurrilen Verkäufern von Tachyonenenergie - hat immer zu kämpfen, um in der Öffentlichkeit nicht als Spinner hingestellt zu werden.

Man muss sich das einmal klar machen: Jemand, der nicht glaubt, dass Bewohner aus der Andromeda Galaxie unerkannt unter uns herumschwirren, dass ein Tropfen geschütteltes Wasser Krankheiten heilen kann oder dass der Saturn unser Schicksal beeinflusst, so jemand wird als Sektierer, als engstirnig und als rückschrittlich diffamiert. Dagegen wollen Leute, die an eine dreitausend Jahre alte Wahrsagerlehre, an Pendelschwingerei oder an die Wüschelrute glauben, modern sein. Wenn die Recht haben, ist vielleicht auch die Erde eine Scheibe.

Glücklicherweise kann man herausfinden, ob etwas stimmt oder nicht! Man kann empirisch prüfen, ob man mit Wünschelruten Wasser aufspüren kann (ja man kann, aber ohne Wünschelrute geht das genau so gut) oder ob man mit Gedankenleserei bestimmen kann, ob in einer Schachtel ein Gegenstand liegt oder nicht (auch dies gelingt - mit einer durchschnittlichen Trefferquote von 50%). Wenn man Unfug von Sinnvollem unterscheiden will, muss man unvoreingenommen prüfen.

Eine Ansicht ist nicht deshalb vernünftig oder falsch, weil sie irgend jemand vertritt oder nicht vertritt, sondern weil sie mit der Wirklichkeit übereinstimmt oder nicht. Deshalb tendiere ich stark zu der Ansicht, dass die Planeten um die Sonne kreisen, dass es dem Saturn egal ist, was wir hier unten treiben und dass mein Nachbar wohl kaum von der Andromeda-Galaxie kommt. Aber weil es sehr, sehr interessant wäre, endlich einmal ein wirklich ungewöhnliches Phänomen vorzufinden, das einer genauen Prüfung stand hält, bleibe ich neugierig und versuche, den Dingen auf den Grund zu gehen.

Agnostiker und Atheisten

Wie bei den Skeptikern und Realisten besteht auch zwischen den Agnostikern und Atheisten ein kleiner Unterschied. Ganz grob gesagt ist ein Atheist ein Mensch, der überzeugt ist, dass keine göttlichen Wesen existieren und der von einer Weltanschauung ausgeht, die einen Gott ausschließt. Der Agnostiker hingegen vertritt die philosophische Ansicht, dass bestimmte Annahmen – insbesondere theologischer Art, welche die Existenz oder Nichtexistenz eines höheren Wesens wie beispielsweise eines Gottes betreffen – entweder ungeklärt, grundsätzlich nicht zu klären oder für das Leben irrelevant sind und dabei insbesondere die prinzipielle Begrenztheit menschlichen Wissens betont. Die Möglichkeit der Existenz transzendenter Wesen oder Prinzipien wird von einem Agnostiker nicht bestritten. Deshalb ist der Agnostizismus auch mit dem Atheismus vereinbar, da der Glaube an Gott möglich ist, selbst wenn man die Möglichkeit der rationalen Erkenntnis Gottes verneint. Die Frage "Gibt es einen Gott?" wird von einem Agnostiker dementsprechend nicht mit "Ja" oder "Nein" beantwortet, sondern mit "Ich weiß es nicht", "Es ist nicht geklärt" oder "Es ist nicht beantwortbar".

Trotz der wissenschaftlichen Erkenntnis, dass es bis heute keine falsifizierbaren Beweise für einen Gott gibt, sind viele Menschen gläubig. Oft wird dabei an einen persönlichen, transzendenten, über alles herrschenden Schöpfergott geglaubt. Diese Weltanschauung wird Theismus genannt und meint im weiteren Sinne, dass es mindestens einen Gott gibt, der die Welt erschaffen hat und bis heute erhält und lenkt. Gott ist in theistischen Religionen überwiegend transzendent, d.h. er wirkt zwar in der Welt zum Beispiel durch Wunder und Offenbarungen, ist jedoch in seiner Substanz komplett von ihr verschieden (Dualität von Schöpfer und Schöpfung).

Woher kommt aber nun dieser Glaube an ein allmächtiges und allwissendes Wesen, das uns und die Welt erschaffen hat? Während der ganzen Zeit seiner Existenz war der Mensch, den die Biologen Homo Sapiens nennen, ein Homo Religiösus. Schon die Neandertaler kannten offenbar Bestattungsriten, die auf einen Glauben an ein Jenseits hindeuten. Betrachten wir die bekannte Geschichte, so stellen wir fest, dass auch die ältesten Kulturen in aller Welt religiöse Kulte ausübten, und zwar in einem Ausmaß, das wir uns heute kaum vorstellen können. Deshalb kann man sagen, dass der Mensch und der Glaube an unsichtbare, übernatürliche Wesen schon immer zusammengehört haben. Und obwohl sich die Religionen in dieser Welt in fast allem widersprechen und bekämpfen, sind sie sich in einem Punkt einig: Gott - oder wie auch man das höhere Wesen nennen mag - ist unsichtbar, unhörbar usw. und entzieht sich damit dem Menschen in konsequenter Weise.

Denker und Philosophen

Zum Glück gibt es neben den ganzen Päpsten und Bischöfen, den Kaisern und Königen, den Glücksrittern und Besserwissern auch noch die Denker und Philosophen, die Wissenschaftler und Forscher, die meist ohne missionarischen Eifer oder kriegerische Absichten rational über die Welt nachdenken und zu ihren Erkenntnissen durch Überlegung und Einsicht gelangen. Im Gegensatz zum Glauben, Aberglauben oder machthungrigen Gelüsten wurde und wird hier in der Regel mit wissenschaftlichen Methoden gearbeitet, um den Dingen auf den Grund zu gehen.

Man ist bereit eine Theorie zu erweitern bzw. zu ergänzen und akzeptiert sogar, das komplette Gedankengebäude umzuwerfen, wenn neue Erkenntnisse gewonnen werden. Sicher gab und gibt es auch auf dieser Seite schwarze Schafe. Aber insgesamt zeichnet sich doch ein recht erklärbares Bild von der Welt ab, ohne an Wunder oder an gotthafte allmächtige Wesen glauben zu müssen!

Betrachtet man z.B. bibeltreue Christen, Juden, Islamisten oder andere Gläubige, so stellt man immer wieder fest, dass ein Buch oder eine Lehre als richtig und wahrheitsweisend dargestellt wird. Das Problem ist dann die Engstirnigkeit, die Dinge nicht zu hinterfragen, sondern stattdessen der Versuch, neue Erkenntnisse in das jeweilige Glaubensschema zu pressen. Die Verrenkungen und Annahmen, die dabei gemacht werden, sind meist zum Schmunzeln, manchmal aber auch erschreckend...

Die Leistung der Wissenschaft ist deshalb, das naturwissenschaftliche Wissen gegenüber den theologischen Vermutungen für valide und universell zu erklären und dabei trotzdem jederzeit offen für Veränderungen und Neuerungen zu sein.

Daher ist es für die meisten Menschen nur logisch und nachvollziehbar, dass Australien auf der anderen Seite der Erdkugel liegt (auch wenn man noch nie dort war), dass die Evolution stattgefunden hat (auch wenn man noch nie einen Dinosaurierknochen ausgegraben hat) und dass die Erde vor ca. 4 Milliarden Jahren entstanden ist (auch wenn man nur einen kleinen Teil der Geschichte selbst miterlebt).

Der aufmerksame und vernunftbegabte Beobachter, der die Welt im Kleinen betrachtet und daraus logische Schlüsse für das große Ganze zieht, wird deshalb schnell seine eigenen Erkenntnisse von Hokuspokus und auferzwungenen Glauben unterscheiden und trennen können.

Weitere Gedanken zum Thema Glaube und Religion finden sich in den Artikeln Aufklärung und Religion und Fragen zur Religion, die immer wieder gestellt werden.

Hans, am 11.12.2009
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