Gott der Vater - unnahbar - unerfahrbar - irgendwie angsteinflößend

Gott kann im Christentum auf drei Weisen begegnet werden, denn im Gegensatz zu vielen anderen Religionen ist Gott auf drei Wege erschienen.

Die übliche Gottesvorstellung ist die des Vaters. Sie begegnet uns in vielen monotheistischen Religionen, bestimmte Eigenschaften sogar darüber hinaus. Den Vater kennzeichnet im Christentum, dass er Schöpfer des Universums ist. Gott ist ein fernes Wesen jenseits der uns begreifbaren materiellen Welt, er ist transzendent. Gott als der Vater ist unendlich weit von seinen Geschöpfen entfernt, von ihnen nicht zu begreifen und nicht zu erkennen. Darüberhinaus haftet ihm eine moralisches Charakterisikum an, er ist unendlich heilig. Diese Heilikeit trennt ihn von der beschriebenen Welt, in der Mord, Neid und Gier die Nachrichten bestimmt. Es ist eine unüberwindbare Trennung. Zwischen Schöpfer und Schöpfung ist ein tiefer Graben. Mit dem Vater ist eine Kommunikation nur durchs Gebet möglich. Dieses Gebet ist eine Einbahnschiene vom Beter zu Gott, ohne jedwede Antwort.

Die meisten Religionen versuchen diesen Graben rituell zu überwinden. Es werden Tieropfer dargebracht, Meditationsübungen eintrainiert oder Gebete unendlich oft wiederholt. Im Islam ist die einzige Haltung, mit der man diesem unendlich fernen und unendlich überlegenen Gott begegnen kann, die Haltung des Gehorsams.

 

 

Ich habe dich erlöst! - Ich schenke dir Leben in Fülle

 In den zwei weiteren Gottesoffenbarungen unterscheidet sich das Christentum von den anderen Religionen. Und hier kehrt sich das Verhältnis um. Hier ist wahre Gottesnähe möglich.

Denn Gott der Vater hat es nicht damit belassen in seiner Heiligkeit zu verweilen. Die Welt verlangte nach Erlösung und war doch zu schwach sie selbst zu erreichen. Oder wer von uns kann sich wirklich als Heiliger bezeichnen? So sehr ich mich anstrenge, ein Heiliger wird aus mir trotzdem nicht. Da flunker ich dann doch hier und da oder werde zornig, wenn mir jemand blöd kommt.

Also wurde Gott höchstpersönlich aktiv:

Jesus Christus kam in die Welt.

In Christus wurde der Graben geschlossen und plötzlich ist wahre Nähe möglich: In Christus wird aus Dienern Gottes Söhne Gottes, die ein wirkliches Zwiegespräch führen können. In Christus ist Gotteserfahrung nicht mehr etwas Jenseitiges. Gott ist nicht mehr etwas Transzendentes. Plötzlich kann mir Gott im Mensch begegnen! Im Mensch Jesus, aber nicht nur in Jesus. Jesus spricht davon, dass was wir mit anderen Menschen reden, was wir mit anderen Menschen tun, wir auch mit ihm reden und mit ihm tun. Gott hat in Christus den Graben überwunden. Ich kann Gott im Menschen nahe kommen. Das Tor zu Gott wird mir in anderen Menschen geöffnet, die Bibel nennt sie meine Nächsten. Und umgekehrt führt mich meine Sehnsucht nach Gott zu anderen Menschen, bringt mich auch diesen näher.

Jesus schenkt uns sogar noch mehr: Ich bin über diese Welt hinaus durch Jesus mit Gott versöhnt, so dass ich aus dieser Welt herausgenommen werde und in das Reich Gottes eingepflanzt. Dieses Reich Gottes beginnt bereits auf der Erde. Wie es im Vater Unser oft nur lieblos herruntergebetet wird sollen wir den Himmel bereits auf die Erde bringen. Aber seine wahre Vollkommenheit erlangt das Reich Gottes dann erst am Ende...ich darf Dank Jesus Teil dessen sein.

 

 

 

Du bist Kind Gottes!

Die dritte Perspektive der Gottesnähe ist eine ganz und gar Persönliche. Persönlicher könnte sie nicht sein. Im Alten Testament wurde sie bereits u.a. bei Jeremia prophezeit.

Gott sitzt nicht nur ferne als transzendenter Vater im Jenseits. Gott kam nicht nur im Menschen Jesus Christus zu uns. Er ist nicht nur in anderen Menschen oder im auferstandenen Jesus berührbar. Als drittes ist er im Heiligen Geist auch in MIR selbst erfahrbar.

Der Heilige Geist wurde nach Jesus Himmelfahrt allen Christen zum Geschenk gegeben, damit Gott bereits auf Erden bei jedem von uns sein kann. Wenden wir also den Blick nicht nur nach außen auf den Vater oder auf den Sohn oder auf andere Menschen. Wenden wir den Blick auch auf uns selbst und in unser tiefstes Inneres. Denn dort möchte Gott hinein. In uns möchte er für immer bei uns sein. Die vollkommene Aufhebung jeglicher Grenzen. Unser eigenes Herz wird wichtig. Es kommt zum Einsturz der Schranken zwischen Gott und mir. Aus bloßen Dienern Gottes, wie wir es im Islam oder anderen Religionen finden, werden Söhne Gottes. Jesus selbst sagte bereits vor seiner Kreuzigung, dass seine Jünger mit ihm genauso eins werden können wie er mit seinem Vater eins ist. Die Jünger selbst können durch ihren Glauben an Jesus im Heiligen Geist Söhne Gottes werden.

Die Frage nach der Nähe oder Ferne Gottes endet, sobald der Heilige Geist empfangen wurde. Denn dann wird Gott tatsächlich erfahrbar und spricht. Der Geist selbst bezeugt, dass man Kind Gottes geworden ist. Die Fesseln werden gesprengt. Eine unendliche Freiheit und tiefe göttliche Liebe durchströmt mich. Aber vom Heiligen Geist bestärkt wächst gleichzeitig der starke Drang Liebe weiterzugeben. Liebe wird zum Maßstab meines Handelns und Denkens. Das Denken selbst verändert sich Schritt für Schritt. Und Gott begeleitet mich bei jedem Atemzug, durch die guten und die schweren Zeiten. Ich bin Gott ganz nahe, er ist bei mir, ist in mir und um mich jede Sekunde solange ich lebe und darüber hinaus.

Übergabegebet

In vielen Kirchen ist es zur Tradition geworden, dass alle, die diese Gottesnähe erfahren wollen und Jesus in ihr Leben einladen ein Übergabegebet sprechen. Dieses ist kein ritueller Akt und an sich nicht notwendig, es ist kein Sakrament ... aber es ist eine gute Art es sich selbst und vor Gott zu bekennen. Committment nennt sich das auf Neudeutsch. Wichtig ist, dass ich tatsächlich den inneren Wunsch habe Jesus einzuladen und Gott nahe zu sein. Darauf kommt es an, das will ich im Gebet ausformulieren.

 An dieser Stelle muss betont werden, weil doch manche in die Fänge zwielichtiger Organisationen geraten, dass entgegen der Lehren mancher Organisationen die Beziehung zu Gott eine rein Persönliche ist. Eine zwischen mir und Gott. Keine Mitgliedschaft in irgendeiner Organisation ist notwendig. Und schon gar keine finanziellen Verpflichtungen!

Kirche ist dort im Sinn Christus, wo sie eine freiwillige Gemeinschaft von Christen ist, ohne Vorbedingungen abzuverlangen. Kirche ist dort im Sinn Christus, wo Menschen ermutigt werden, nicht wo sie gepeinigt werden. Kirche ist dort im Sinn Christus, wo unterschiedliche Menschen - jeder nach seiner Art - eine ganz individuelle Beziehung zu Gott aufbauen können, nicht wo sie von anderen Menschen ausgenutzt werden.

 

Wenn ich nun eine solche persönliche Beziehung zu Gott wünsche, dann geht dies nur indem ich Jesus einlade mich mit Gott zu versöhnen. Dann kann auch ich den Heiligen Geist empfangen. Dann werde auch ich die Welt mit ganz neuen Augen betrachten können. 

Wenn ich das möchte kann ich ein Übergabegebet wie das folgende sprechen:

Lieber Jesus,
ich komme jetzt zu Dir, so wie ich bin.
Ich komme zu Dir mit all meinen Schwächen und Fehlern.
Ich weiß, dass Du mich liebst,
komm in mein Leben, ich brauche Dich,
versöhne mich mit Gott und tilge alle Schuld,
befreie mich,
sende den Heiligen Geist auf mich,
ich will mich von ihm leiten lassen und Gott nahe sein,
ich will in einer engen Beziehung mit Gott leben
Amen

 

Autor seit 4 Jahren
13 Seiten
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