Kraftwerke an der Grenze

Das Kraftwerk Temelin gelangte erst am 10. September 2018 wieder in die Schlagzeilen, als bei Reinigungsarbeiten radioaktiv kontaminiertes Wasser in das Kanalnetz eingeleitet wurde. Die 12 Kubikmeter gelangten in eine interne Kläranlage und im Rahmen des Abkommens zum Informationsaustausch von 2011 wurde Österreich informiert. Das störungsanfällige Werk, dessen Leittechnik aus den USA und deren Reaktortechnik aus Russland stammt, ist nur rund 60 Kilometer von Österreichs Grenze entfernt. Noch näher liegt das Kraftwerk Dukovany – das man von Österreichs Grenze aus schon in 40 Kilometern erreicht.

 

 

 Dukovany, Kraftwerk an der Grenze. (irozhlas.cz). Unten: Kraftwerk Bohunice 

 Kraftwerk Bohunice

 

Die Reaktoren der Schweiz, darunter der umstrittene Pannenreaktor Beznau, sind zwischen 110 und 130 km von der Grenze entfernt. Regelmäßige Proteste begleiten den Betrieb des "ältesten Reaktors Europas" der mit umfangreichen Sicherheitslücken kämpft. Daneben sind auch deutsche Reaktoren im Einflussgebiet. Doch Deutschland arbeitet am Ausstieg aus der Atomwirtschaft.

Aus dem Süden ist der gefährliche Reaktorblock aus Krsko der, der im Falle einer Störung rund 145.000 Menschen in der Steiermark und Kärnten erreichen würde. Doch es muss nicht wirklich zu einem aktuen Störfall kommen, Atomkraftwerksanlagen sind auch in ihrem alltäglichen Betrieb gefährlich. So scheiden sie radioaktive Stoffe aus. Kleinste Risse in den Bauwerken und Anlagen, Baufehler lassen die radioaktiven Stoffe in die Umwelt. Daneben sind natürlich auch die Reinigungsarbeiten meist von der Freisetzung von radioaktiven Stoffen begleitet. Doch obwohl dies bekannt ist – und auch das zugehörige Risiko der Strahlenschäden bei Mitarbeitern und Bevölkerung, sind die Betreiber der Atomkraft weiterhin überzeugt, von dieser Art der Energiegewinnung, obwohl es echte umweltfreundliche Alternativen gäbe. Die Atomkraft ist extrem leistungsfähig und die meist im Verbund agierenden Energiekonzerne verspüren recht wenig Interesse, sich von der Atomenergie abzuwenden und auf andere Energiekonzepte zu setzen. Auch der Ausstieg aus der fossilen Energiegewinnung muss irgendwie geschafft werden, viele sehen die Atomenergie als die Energie der Zukunft, wollen aber die Nachteile nicht erkennen, die sie für Bevölkerung und Mitarbeiter birgt. Vor allem, es sind im Kalten Krieg einfach Informationen über Belastungen geheim geblieben oder wurden in ihrem Ausmaß gar nicht erst erforscht, so dass kein Zweifel aufkommen konnte. Bei Freisetzung von Stoffen, wird aber keine geographische Grenze eingehalten, weder in der Luft, noch im Grundwasser. So fand Global 2000 etwa 4 km flussabwärts von Kraftwerk Mohovce, in einem Badeort, eine Bequerel-Belastung von 1.347 Bq pro Liter. Und diese kleinen Nachrichten bedeuten, dass die Bewohner noch immer nicht aufgeklärt wurden, oder sich einfach mit dieser dauernden Bedrohung arrangiert haben und sich ihrer trotzdem aussetzen, denn sie können die Regierung nicht zum Umdenken bewegen. Wie es also scheint, ist das Individuum und sein Schutz in vielen Gegenden Europas nach wie vor gering.

 

Atomkraft nahe der Grenze Österreichs

Atomkraft nahe der Grenze Österreichs (Bild: https://www.plage.at)

Kraftwerke im Erdbebengebiet

Die Fachpresse besagt, es gäbe rund 440 betriebsfähige Atommeiler. Das slowenische Krško stellt nicht nur ob seiner Reichweite ein Problem dar sondern ist auch hinsichtlich seines Untergrundes geradezu prädestiniert, aus Rissen seine Last abzusondern. So exklusiv sind diese Erdbebenrisikokarten aber nicht, denn nur weil ein Brüter nicht im Risikogebiet liegt, heißt das nicht, dass er vor Erdbeben sicher ist: Wenn Atomversuche in Nowaja Semlia durchgeführt werden, bebt mitunter die Erde in Frankreich, wo das Erdbeben-Risiko für gewöhnlich gering ist.

 

Die Störfälle müssen nicht immer nur an Bedienungsfehlern oder Sabotage liegen. Es kann auch sein, dass das Kraftwerk in einem an sich überhaupt nicht geeigneten Gebiet gebaut wurde, etwa in einem mit erhöhtem Risiko für seismische Aktivität. So sind weite Gebiete des Balkans, Griechenlands, der Türkei, Italiens, Ungarns, Österreichs, Bulgariens und Rumäniens für den sicheren Betrieb von Atomkraftwerken überhaupt nicht geeignet. Es muss also, wenn in diesen Gebieten Atomkraftwerke entstehen, die Meldung mit Vorsicht aufgenommen werden, schließlich weiß man es nun besser. Der Bewohner und sein Fortkommen ist zweitrangig. Wichtig sind den Firmen der Ausbau von Marktanteilen und nicht ethische Überlegungen.

 

Die Hoffnung liegt auf den südlicheren Gebieten, die aufgrund ihrer Ausweisung als Erdbeben-Risikogebiete kaum zur Atomkraft tendieren werden, sondern sich rechtzeitig um Alternativen umsehen werden müssen. Dazu gehört mit Bestimmtheit auch der Einsatz von Erneuerbaren Energien. Vielleicht ist das Zeitalter der energieverschwendenden Groß-Industrien auch schon vorbei. Heute setzt man auf sanften Tourismus, intelligente Technologien, ressourcenschonende Energiegewinnung.

 

 

Energiewende - auch umstritten 

Energieexperten würden die Bezeichnung "Erneuerbare Energien" als unpräzise bezeichnen und man würde sich als Laie zu erkennen geben, wenn man diese Begriffe in einer Fachdiskussion benutzt. Denn Energie lässt sich weder vernichten, noch erschaffen, sondern nur in andere Formen überführen. So sind Elektrizität, Wärme und Kraftstoffe sekundäre Energieträger. Wärme, oft auch Elektrizität, lassen sich durch Solarenergie-Projekte gewinnen. Inzwischen hat sich eine ganze Reihe von Solararchitektur-Projekten durchgesetzt, die den Kritikern gar keine Möglichkeit mehr geben, Solaranlagen als unschönes oder störendes Beiwerk abzutun, das das Ortsbild beeinträchtigen könnte. Die Paneele werden in Fassaden und Dächern, versteckt, so, dass man sie schon als Ergebnisse eines Designprozesses wahrnehmen kann. Allerdings sind diese Varianten nicht ganz billig. Deswegen wurde auch eine sehr gefinkelte Förderstruktur erdacht, die es sogar ermöglicht, findigen Spezialisten, die Überleistungen ihrer Anlagen ins Netz einzuspeichern. So wurde aus vielen Bauherren oder -dame gleichzeitig auch ein/e Energie-Bereitsteller/in. 2017 hatten die "Erneuerbaren Energien" bereits 18,1 Prozent der weltweiten Energie-Bedarfs abgedeckt. Die Tendenz ist steigend. Das Potential ist da. Übrigens sind gerade für die am Wasser gelegenen Gezeiten- und Wellenkraftwerke für viele Länder eine Option.

Links

 

OE 24

Weitere 8 Reaktoren in Grenznähe geplant, 2008

https://www.oe24.at/welt/weltpolitik/weitere-8-reaktoren-in-grenznaehe-geplant/319873

 

Deutsches Radio Techechien

Energiekonzern CEZ verzichtet vorerst auf Ausbau des AKW Temelin, 2014

https://deutsch.radio.cz/energiekonzern-cez-verzichtet-vorerst-auf-ausbau-des-akw-temelin-8298868

 

 

Wikipedia

Liste der Kernkraftwerke

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Kernkraftwerke

 

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