Splatteklassiker Großangriff der Zombies

Auch Journalisten leben gefährlich

TV-Journalist Dean Miller (Hugo Stiglitz) wird zum Flughaften geschickt, wo er Professor Hagenbeck interviewen soll, der den Bau einer umstrittenen Atomanlage leitete. Seltsamerweise befindet sich der Professor an Bord einer nicht gekennzeichneten Maschine, die deshalb vom Militär in Empfang genommen wird. Als sich die Flugzeugtüren öffnen, strömen mordlüsterne Zombies ins Freie und metzeln die Soldaten nieder.

Miller entkommt nur mit knapper Not und versucht via Live-Sendung, die Öffentlichkeit vor der Gefahr zu warnen. Doch General Murchison (Mel Ferrer) lässt die Sendung kappen, um keine Panik zu erzeugen. Unaufhaltsam dringen die Zombies vor und legen neben unbändiger Mordlust erstaunliche Intelligenz an den Tag. Miller hastet ins Krankenhaus, wo seine Frau Anna arbeitet - und unliebsame Bekanntschaft mit den Zombies schließt...

US-Trailer "Nightmare City" (Deutscher Titel: "Großangriff der Zombies")

Vom Regisseur der berüchtigten "Mondo Cannibale"-Filme

Denkt man an Zombies, hat man dank moderner Werke wie "Resident Evil" oder Danny Boyles "28 Days Later" das Bild erschreckend schnell laufender Untoter vor Augen. Geht man indes ein paar Jahrzehnte zurück, wird man in entsprechender Genreware mit George Romeros langsam umherstaksenden Zombiefiguren konfrontiert. Eine Ausnahme hierfür bildet "Großangriff der Zombies", besser bekannt unter dem US-Titel "Nightmare City". In diesem mittlerweile zum Klassiker gereiften Splatterstreifen bewegen sich die Zombies mit erstaunlicher Geschwindigkeit und Zielstrebigkeit voran, und beweisen nebenher beachtliche Intelligenz. Denn: Bei diesen Gestalten handelt es sich nicht um altbekannte Zombies, sondern um Opfer eines Unglücks in einer geheimen Testanlage, die auf Grund atomarer Verstrahlung unstillbares Verlangen nach Fleisch und Blut entwickeln.

 

Zugegeben: Das ist nicht unbedingt logisch oder nachvollziehbar. Um derlei Petitessen scherte sich der cineastisch umtriebige Umberto Lenzi aber selten, wofür gegenständlicher Film ein schlagender Beweis ist. Berühmter - oder vielmehr berüchtigter - dürfte zwar sein 1972 entstandener "Mondo Cannibale" sein. Weitaus amüsanter ist aber eben "Großangriff der Zombies", der angeblich eine Warnung vor den Gefahren der Atomenergie sei. Nüchtern betrachtet ist dies freilich Kokolores und die "kritischen Untertöne" kann man mit der Lupe suchen. Dies gereicht dem Splatterstreifen nicht zum Nachteil, ganz im Gegenteil: Dermaßen unbekümmert trashige Unterhaltung findet man im modernen Horrorkino nur noch selten. Im ebenso wie "Lebendig gefressen" 1980 von Umberto Lenzi produzierten Film wird - zumindest in der ungeschnittenen Version - der Gewalt auf fröhliche naive Weise gefrönt. Ob die mutierten Menschen nun Zombies, Vampire oder Zombie-Vampire darstellen, wird durch ihre verwirrenden Verhaltensweisen nie klar. Mal schlachten sie Menschen einfach nur ab, dann wiederum laben sie sich an deren Blut. Fleisch wird bevorzugt auf ganz biologische Weise gewonnen, indem attraktiven Damen die Brust abgeschnitten wird. Ist die Dreistigkeit, mit der italienische Filme obskure Gründe dafür fanden, ihre selbstgesteckten Busenquoten zu erfüllen, nicht geradezu putzig? Durchaus drastisch ist auch eine Szene, in der ohne Narkose und medizinische Notwendigkeit ein Augapfel aus dem Gesicht gepult wird.

 

Wie kaum anders zu erwarten, präsentieren sich die meisten Effekte als billig und völlig veraltet. Fairerweise sollte man die geringen Budgets derartiger Genreprodukte der frühen 1980er Jahre erwähnen. Verglichen mit Lucio Fulcis "Ein Zombie hing am Glockenseil", dem wohl bekanntesten italienischen Horrorfilm überhaupt, kann man diesem Film zumindest einen weitaus höheren Unterhaltungswert attestieren. Wie die Zombies - bleiben wir bei dieser Bezeichnung - in der Stadt wüten, unter anderem eine Aerobic-Live-Show stürmen oder im Krankenhaus für Chaos sorgen, das reizt zum Lachen, ist andererseits aber auch hinreichend gekonnt in Szene gesetzt. Überhaupt sorgen einige Einstellungen trotz des sichtlich geringen Budgets für apokalyptische Atmosphäre.

 

Weniger gelungen sind die Schauspielkünste des Hauptdarstellers Hugo Stiglitz (nicht zu verwechseln mit dem Nobelpreisträger für Wirtschaft Joseph Stiglitz), der laut IMDB in bislang weit über 200 (!) Filmen auftrat. Seine stets gleichbleibende Mimik erinnert frappant an Steven Seagals Ausdruckslosigkeit. Überraschender gestaltet sich der Auftritt von Hollywood-Star Mel Ferrer, der 1980 in "Lebendig gefressen" gleich zweimal mit Umberto Lenzi zusammenarbeitete.

 

Der Plot weist gigantische Logiklöcher auf und darf ebenso wie das Verhalten der Protagonisten nicht hinterfragt werden. Beispielsweise hört die schöne Frau des Generals (natürlich erst, nachdem sie ihre Brüste keck in die Kamera gereckt hat) im Beisein einer Freundin verdächtige Geräusche aus dem Keller. Obwohl die beiden Frauen von der tödlichen Gefahr wissen, verriegeln sie nicht die Tür und schieben zur Sicherheit einen schweren Schrank vor, sondern gehen dem Geräusch auf dem Grund. Als Zuschauer kann man sich eine gewisse Schadenfreude nicht verkneifen und vergönnt dem Opfer auf Grund sagenhafter Dummheit die folgende Brustamputation.

 

Allen Schwächen zum Trotz, ist "Großangriff der Zombies" aka "Nightmare City" ein äußerst unterhaltsamer Splatterfilm, den man jedem Horrorfan nur ans Herz legen kann. Es gelüstet einen ja nicht immer nach großer Filmkunst.  

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Originaltitel: Incubo Sulla Cittá Contaminata

Regie: Umberto Lenzi

Produktionsland und -jahr: I/E, 1980

Filmlänge: ca. 77 Minuten (geschnitten), ca. 90 Minuten (ungeschnitten)

Verleih: KSM GmbH

Deutscher Kinostart: -

FSK: Freigegeben ab 16 Jahren (geschnittene Fassung)

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