Alles schon da gewesen

Ach, zwei Seelen leben in der Welt der Philosophen.
Die Vertreter der einen Richtung sagen: die Seele ist schon vor der Geburt des Menschen vorhanden. Man nennt dies die Präexistenz Lehre (*). Der Begriff stammt aus dem Lateinischen (prae = vor, existenz = Leben).

(Bild: 733215)

Frei wie eine Seele im Himmel – die Variante 1. Die Präexistenz Lehre trägt schon einige attraktive Gedanken in sich. Demnach ist die Seele (des Einzelnen) nicht an dessen Körper gebunden. Sie existiert schon vor der Geburt des Individuums. Und sie lebt unbeirrt nach dem Tod des Körpers weiter.

Das klingt auf den ersten Blick verlockend. Dann braucht der Mensch sich keine allzu großen Sorgen im Leben zu haben. Im nächsten Leben geht es ganz einfach weiter.
Diese Art der Seele wird als "Freiseele" (*) bezeichnet.

Der ewige "Gamer"

Welche Rolle spielt der Körper? Er dient nicht mehr und nicht weniger als ein Instrument der Seele. Der Körper ist der "Tempel der Seele", so lautet ein schöner Ausspruch.
Und was passiert nach dem Tod des Menschen? In diesem Punkt gibt es wieder zwei verschiedene Ansichten.

1. Wiederkehr. Die Seele kehrt in einen anderen Körper zurück und macht weiter. Alles, was im vorigen Leben nicht gelungen ist, das kann der Inhaber von Seele und Körper nun weiter versuchen. Es ist für den Leser schwierig, in der Literatur eine genaue Lokalisierung der Seele im Körper zu finden. Herz, Gehirn, Chakras, Ätherleib – you name it.

Die philosophische Position der wiederkehrenden Seele erinnert auf eine interessante Art an die Levels in einem Computerspiel. Wenn der Spieler nicht zum Finale kommt, dann macht er einen Restart. Neues Spiel, neues Glück. Und man hat dazugelernt.

Irgendwie liest sich diese Philosophie wie ein super Ansatz. Und man oder frau muss sich nicht gar so hetzen in diesem aktuellen Durchgang.

Ein Geschenk Gottes – die Variante 2

Die Vertreter der Gegenrichtung sehen die Entstehung der Seele ganz anders. Diese Gegenpartei vertritt die Lehre des Kreatianismus. Dies ist in der Alltagssprache ein weniger benutzter Ausdruck, der aus der lateinischen Sprache herrührt.

"Kreare" bedeutet auf Deutsch erschaffen. Demnach vererben die Eltern die Seele auf ihre Nachkommen. Allerdings überreichen sie nicht eine Vaterseele oder eine Mutterseele, sondern es entsteht eine von Gott vergebene individuelle Seele des neugeborenen Menschen.

(Bild: Monam)

Man liest eine Reihe von Bedenken zu dieser Position. So ist die Bedeutung zur christlichen Erbsünde offenbar auch den Eingeweihten nur schwer nachvollziehbar. Wie soll eine neu geschaffene Seele eine Hypothek aus dem Vorleben in sich tragen?
Es bleibt auch bei diesem Denkansatz die Frage offen, wo sich der Sitz der Seele befinden soll.

Vielfältige Überlegungen

Die Kirchenväter haben seit zweitausend Jahren zahlreiche Dispute über dieses Thema geführt.
Die Diskussion kann im Zuge der modernen Physik auch erweitert werden auf andere Fragen. Wenn alle Schöpfung nicht nur aus Teilchen und Feldern besteht, sondern auch aus deren Wechselwirkungen, ist die Seele dann der Ausdruck von Wechselwirkungen? Und - haben dann Tiere auch eine Seele? Und Steine und Pflanzen?

Was kann man von beiden Ansätzen halten?

Zurück zu den traditionellen philosophischen Ansätzen. Man liest immer wieder im Internet von Berichten, in denen Menschen sich angeblich an ein früheres Leben recht genau erinnern können. Der jeweilige Dalai Lama in der tibetischen Religion wird sogar auf diese Art und Weise ermittelt, als Inkarnation eines Vorgängers.

Die Präexistenz Lehre gibt manchem Leser vielleicht zu denken. Eine solche Geisteshaltung, die der "Seele" Zeit zum Reifen gibt, sie würde sehr viel Stress aus den menschlichen Bemühungen nehmen. Der Einzelne hätte dann mehrere "Runden" zur Verfügung und ausreichend Zeit, um seine Wünsche und seine Bestimmung zu erfüllen. Er könnte dann zu sich und zu anderen sagen: Take it easy.

take it easy (Bild: Elionas)

Autor seit 2 Jahren
181 Seiten
Laden ...
Fehler!