Müll-Deklarations-Gate

 

Der Umweltorganisation Greenpeace wurden Unterlagen zugänglich gemacht, die besagen, Container-weise würde Österreichs Müll nach Malaysia verschifft. Doch am Zoll in Malaysia war für die vier Container Endstation. Seit 2019 ist das Verschiffen von mit Chemikalien belasteten oder gemischten (und somit nicht recyclebaren) Elektro-Plastikschrott nach OECD-Länder nicht mehr gestattet.

 

Das malaysische Unternehmen wies darauf hin, dass das als "unbedenklich" eingestufte Müll-Depot, auf keinen Fall auf malay'schen Deponien entsorgt werden kann, sondern zurück nach Österreich gebracht werden muss. Bereits 2019 wurden elf Container auf diese Weise entsorgt. Doch fachgerechte Entsorgung sieht anders aus: Jede Tonne verbrannter Müll kostet die Entsorgungsbetriebe zwischen 100 und 170 Euro. Die Umweltauflagen und Lohnkosten sind derart strikt, dass sie offenbar auch von österreichischen Unternehmen umgangen werden. In diesem Fall hätte die Entsorgung der vier Container rund 120.000 Euro ausgemacht. Der malaysische Handelspartner war offenbar dem Irrtum erlegen, er könne das Material recyclen.

 

 

Schwarzhandelsprodukt Müll

 

Interessanterweise verschwinden auch in Österreich über 50 Prozent der als "gefährlich" eingestuften Abfälle vom offiziellen Markt, so das Forschungszentrum Transcrime. Die Weltnaturschutzunion, IUCN, berechnete, dass jährlich 230.000 Tonnen Plastik aus den 33 Nachbarstaaten ins Mittelmeer verklappt werden. Und die Tendenz ist steigend, so erwartet man bis 2040 eine Verdoppelung der Menge! Dabei wäre die Vermeidung dieser enormen Menge eigentlich leicht möglich: Durch mehr Obacht bei der Entsorgung, denn 94 Prozent dieses Mülls lässt sich auf falsch entsorgten Müll zurückführen, und damit ist es eine Frage der Disziplin der Wegwerfer und der Ernsthaftigkeit der Entsorgungsbetriebe.

Vermüllte Küste Grönlands! (Artikel: Jede Meeresschildkröte hat Plastik im Bauch! Bild Zeitung) (Bild: https://bilder.bild.de)

Die Folge: Tote Meeresbewohner – Massensterben im Ozean

Laut dem britischen Meeresbiologen Richard Thomson sind von den Verklappungen 600 Arten mariner Lebewesen betroffen, sei es, weil sie ihn fressen, oder sich darin verheddern. Die Verteilung des Müll ist nicht lokal beschränkt, er ist weltweit. Und weltweit haben Vögel Plastik im Magen, sie bauen ihre Nester damit. Gut möglich, dass auch das Massensterben der Robben vor Namibias Küste im Oktober dieses Jahres auf das Konto der Verklapper von chemisch kontaminierten Müll geht. Betroffen waren rund 5.000 bis 7.000 Tiere nahe der Hafenstadt Walvis Bay. Der Hauptteil der toten Robben bestand aus totgeborenen Jungen (Frühgeburten) oder noch jungen Tieren, so Tess Gridley von der Stellenbosch-Universität Südafrika. Das Reservat in Namibia beherbergt eine geschützte Kolonie von Seebären. Diese ernähren sich hauptsächlich von Fisch, wagen sich aber weit in den Ozean hinaus, weil die Fischbestände rar sind. Und stoßen dabei immer wieder auf Plastikmüll. Diese Netze und Nylonschnüre, auch Angelhaken schnüren sich tief in ihre Körper und hindern Jungtiere beim Wachsen und Fressen. Zwar versuchen Tierschützer in Namibia die Tiere in nur sekundendauernden Einsätzen von diesen Müll zu befreien, doch täglich sind wieder Seehunde damit verheddert. Und noch eine zweite Komponente besitzt dieser Eingriff des Menschen: Eingriffe des Menschen werden von Seehunden als Störung betrachtet. Sie könnten sogar ihre Lebenszeit verkürzen. Im schlimmsten Fall wird ein Jungtier, das durch einen Menschen angefasst oder von seiner Herde getrennt wird, von seiner Mutter verstoßen. Es ist also klar, dass das Problem an der Wurzel, nämlich an den verklappenden Unternehmen die durch die Entsorgung von Müll und Chemikalien auf hoher See Kosten sparen, gepackt werden muss, nicht am Hafen.

 

Tote Babyrobbe am Strand von Afrika, Okt. 2020

Babyrobben fressen Granat (Garnelen) und kleine Fische, werden aber auch gesäugt. Ist der Fischbestand rar und die Mutter kann sich nicht ernähren, kann es passieren, dass das Kleine verstoßen wird. Meist aber kämpft die Mutter ums Überleben der Kleinen. Werden junge Seehunde zur Flucht gezwungen, kann es passieren, dass ihre Nabelschnur-Wunden wieder aufreißen und sich entzünden.

 

Unterwasser Ansicht eines illegalen Mülldepots (Bild: https://erkant.de)

Entsorgung von Impfstoffen

 

Grundsätzlich unterscheidet man beim Impfschutz zwischen Lebendimpfstoffen und Totimpfstoffen. Lebendimpfstoffe enthalten Erreger, die krankmachen und die sich im Körper ausbreiten und vermehren. Impfungen gegen viele Kinderkrankheiten wie Masern, Windpocken werden mittels Lebendimpfstoffen verabreicht.

Totimpfstoffe hingegen enthalten nur noch abgetötete Krankheitserreger oder deren Bestandteile. Dazu zählen etwa Diphterie, Hepatitis B, Tetanus oder Keuchhusten.

Abfälle mit meldepflichtigen Erregern (zB Hepatitis B oder C Viren, HIV), Impfstoffbehältnisse, in denen sich Reste befinden werden mit saugfähigem Material gebunden und entsorgt. In Deutschland kommen spezielle Normen (AS180104, AS180103*, AS180101)zum Einsatz, wenn es um gefährlichen Abfall geht, der nur in zugelassenen Entsorgungsanlagen oder in einem Verfahren laut Robert Koch-Institut durchgeführt werden darf. "Sharps" - also scharfe oder spitze Gegenstände wie Kanülen – werden in bruchfesten und stichfesten Einwegbehältern transportiert oder auch, wenn nötig, gelagert. Umfüllen ist in diesem Zusammenhang nicht erlaubt, auch kein Sortieren oder vorheriges Behandeln.

 

In Österreich werden Altmedikamente in Apotheken und Problemstoffsammelstellen (mitunter kostenpflichtig) abgegeben. Ähnlich wie in Deutschland werden Nadeln und Spritzen in stichfesten oder fest verschlossenen Behältern gesammelt. Altmedikamente gehören nicht ins Trinkwasser. Allerdings ist der weitere Entsorgungsweg der Impfstoffe nicht bekannt, müsste aber bereits in der Betriebsordnung des Herstellerbetriebes zu finden sein.

Was gehört nicht in den Restmüll?

Was tun? Lösungsvorschläge!

 

Einerseits fängt Mülltrennung in der Küche bzw. im Haushalt an. Das bedeutet, dass es ein Bewusstsein dafür geben muss, dass Mülltrennung mehr als nur Biotonne, Altglas, Papier und Restmüll ist. Es sollte obligatorisch in den Haushalten spezifische Abfalleimer geben, die dieser Trennung Rechnung trägt, auch wenn dann eben im Küchenschrank zwei Tonnen mit mehreren Kompartiments stehen. Natürlich stellt sich indirekt die Frage schon beim Einkauf: Ist es möglich und preislich vertretbar, ein Produkt zu kaufen, dessen Verpackung entweder einfach entsorgt werden kann (Stichwort Plastikvermeidung)? Kann ich es vertreten, Pfandflaschen aus Glas zu kaufen, weil ich meinen (schweren) Einkauf ohnehin mit dem Auto/Lastenfahrrad etc. erledigen kann? Gibt es Möglichkeiten, das Geschäft zur Rücknahme spezieller Pet-Flaschen zu bewegen (Verursacherprinzip)? Möglicherweise sogar mit Pfandsystem? Andererseits ist es eine Frage, ob entsprechende Mülltonnen bzw. Entsorgungsmöglichkeiten im erreichbaren Umkreis gegeben sind. Ein/e – umweltfreundlich und abgasfrei transportierende – Fahrradfahrerin, ein Rollerfahrer, Fußgängerin oder Skater denken vielleicht nicht über die Entsorgung ihrer erworbenen Produkte nach, sie suchen einfache Lösungen. So sind Hausverwaltungen dazu angehalten, maßgeschneiderte Lösungen für die Bewohner*innen von Mehrparteienhäusern zu bieten und nicht über den Kamm zu scheren, so schrammen sie am tatsächlichen Bedarf vorbei. Vielleicht ist es sogar von Vorteil, die Bewohner bei dieser Entscheidung zu beteiligen, zumindest per Bewohnerbrief zu informieren. Es darf aber keine "Schuld" entstehen, die die Notwendigkeit und die damit verbundenen Kosten für eine größere oder weitere Tonne, einer Familie zuweist. Hier ist die Verwaltung gefragt, kostengünstige Lösungen zu bieten, vielleicht sogar einen "Award"? Oder eine Vergütung am Ende des Jahres? Schließlich handelt es sich um Rohstoffe.

 

Die Entscheidung, in welches Kompartiment ein Rest gehört, fällt innerhalb eines Bruchteils einer Sekunde, dementsprechend sollte die Mülltonne auch beschriftet sein – vielleicht mit Symbolen oder Piktogrammen, zusätzlich zum Text, vielleicht sogar mit nachvollziehbaren Farbleitsystem. 

 

Der dritte Part betrifft die Entsorgungsunternehmen. Und da kann nur auf Einhaltung der gegebenen Gesetze und Verordnungen gepocht und entsprechende behördliche Maßnahmen eingeleitet werden, wenn es zu Verstößen kommt. Gerade für Elektronik-Müll gibt es inzwischen eigene Abschmelzverfahren, die es ermöglicht, die Erze und anderen wertvollen Materialien von der Platine zu bekommen.

 

Platine eines Samsung-Smartphones (Welt.de)Jedes Smartphone enthält Gold, Platin, Silber, Kupfer, Palladium und Tantal. Handys sollten in eigenen Boxen gesammelt werden, die in leicht zu erreichenden öffentlichen Institutionen (Verwaltungsbehörden des Landes und der Gemeinden, Feuerwehren, Postämtern) zugänglich sind. Doch sind diese Möglichkeiten wirklich bekannt? Oder landen viele Handys einfach aufgrund der Sorge um die persönlichen Daten nach Verwendung im Restmüll? Es sollte sogar möglich sein, Handys auf Werkzustand zurückzusetzen und für die Rückgabe beim Neukauf einen "Eintauschwert" zu erhalten. Denn die Rohstoffe werden sonst weiterhin einfach verloren gehen!

Eines der Projekte (siehe ...

Eines der Projekte (siehe Weiterführende Informationen) - Pacific Garbage Screening Will Remove Tons of Plastic (Bild: https://utopia.org)

Weitere Information

Care Elite Blog 

DIE 8 BESTEN PROJEKTE GEGEN PLASTIKMÜLL IM MEER

https://www.careelite.de/projekte-plastikmuell/?cn-reloaded=1 

 

  • The Ocean Clean Up – mit Fangarmen gegen den Müll im Meer
  • 40 cean Armband – Aufräumaktionen dieser Organisation, auch Beach CleanUps, Armbänder
  • Müllsammelschiff "Seekuh" - das Schiff sammelt Müll, nimmt Wasserproben, misst Verschmutzung
  • Plastic School – Materialien für SchülerInnen in Sek. 1 und 2.
  • #365 Unpacked – Kunstprojekt von Antoine Repessüe – kritische Müll-Verwendungsdoku
  • The Plastic Bank – Plastikmüll wird zur Währung, in dem der abgegebene Müll zu Geld etc. wird
  • Seabin Project – Surfer entwickelten Mülleimer, der im Meer schwimmt und Plastik ausfiltert

 

#365 Unpacked 

 

 

 

 

 

 

 

 

n-tv

Wohin verschwindet Plastikmüll im Meer?

https://www.n-tv.de/wissen/Wohin-verschwindet-Plastikmuell-im-Meer-article19828028.html

 

 

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