Skeptische Fragen - Helgoland im Winter?

Wir buchten eine Ferienwohnung für 14 Tage, klärten die Formalitäten und genossen die ruhige Insel wiederholt in vollen Zügen. "Was wollt ihr auf Helgoland im Winter? Da ist doch nichts.", so die Meinungen unserer Freunde und Bekannten. "Na und, das, was da ist, macht die Insel reizvoll." "Es sind nicht alle Restaurants offen." "Na und, die offenen reichen, um unsere Gaumen zu verwöhnen." Und noch eine typische Frage: "Ist es im Winter auf Helgoland nicht total ungemütlich?" "Manchmal schon, aber Nebel, Regen und Sonne wechseln sehr schnell." Die Insel gilt auch im Winter als sehr sonnenreich. Wir durften sogar Schnee erleben, was wirklich selten ist. Warme Kleidung muss sein, und nachdem der Sturm ordentlich gewütet hat, schmeckt der Helgoländer Eiergrog um so besser.

Trauung in einer Hummerbude

Hummerbuden auf HelgolandDer Helgoländer Traditionsverein betreibt in einer der Hummerbuden am Hafen (Bild links) ein kleines Museum. Es ist so eingerichtet, dass es für Trauungen mit mehreren Gästen geeignet ist. Liebevoll sind die Wände maritim gestaltet, an einer Seite steht in traditioneller Tracht ein (Puppen-)Brautpaar zur Zierde. Das Rednerpult der Standesbeamtin ist eine alte, hölzerne Schulbank. Wir durften diese Schulbank noch einmal drücken, um unsere Unterschriften zur Eheschließung zu leisten. Nicht nur, dass so ein Schritt ja an sich ergreifend ist, waren wir zusätzlich neugierig, wie unsere Trauung unter sechs Augen wohl sein wird. Gelingt es in einem so kleinen Rahmen, eine festliche Stimmung zu erzeugen? Wird die Standesbeamtin für uns zwei allein die richtigen Worte finden? Sie fand sie! Wir hörten eine wunderbare Rede, herzliche Worte und einige Passagen passend zur Insel und zum Anlass. Schließlicht läuft ein Paar in den Hafen der Ehe ein. Das Meer ist ruhig, stürmisch, launisch, gefährlich und wunderbar ergiebig. Es nährt die Helgoländer und schweißt sie in guten und schlechten Zeiten zusammen. Die Worte, die uns mitgegeben wurden, blieben zwar nicht wörtlich in Erinnerung, die Stimmung schon. Und noch etwas erinnert uns täglich an Helgoland. Brautpaare bekommen vom Traditionsverein ein Bild mit dem wohl bekanntesten Felsen der Insel, der Langen Anna. Die Farbzeichnung stammt von einem Helgoländer Maler, wurde schön gerahmt und hängt im Wohnzimmer.

Worte eines unbekannten Verfassers

Es sinkt und steigt mit den Gezeiten
Im Meer des Lebens manches Schiff.
Nur selten ist es stilles Gleiten, 
Mal tobt ein Sturm, mal droht ein Riff. 
Wenn sich begünstigt von den Winden
Zwei Wege kreuzen, wie so oft,
Doch sich dabei die Richtigen finden,
so wie man es sich stets erhofft.
Und nehmen sie gemeinschaftlich
Kurs auf einen Hafen, 
Dann sagt man voller Zuversicht:
Wie schön, dass sie sich trafen.

Was tun auf der Insel im Winter?

Zunächst einmal die Luft genießen, in vollen Zügen. Helgoland ist autofrei, lediglich wenige Elektrofahrzeuge sind zugelassen. Weit im Norden, inmitten der Nordsee gilt die Luft als Paradies für Allergiker. Feinstaub gibt es nicht und Pollen im Winter schon gar nicht. Spazierengehen ist angesagt, was nicht nur bei Sonne ein Erlebnis ist. Wir haben den Felsen bei Sturm erlebt, so dass die Einheimischen warnten, auf dem Oberland nicht zu dicht an das Geländer zu gehen. Der Mütze musste ich hinterherlaufen. Ein anderes Mal suchten wir die Lange Anna (Bild oben). Sie war völlig im Nebel verschwunden. Wer weiß, wie nahe sie am Felsufer steht, kann sich denken, wie dicht der Nebel sein muss, um die Lange Anna unsichtbar zu machen. Solche Rundgänge endeten oft in einem Restaurant, denn ein warmer Eiergrog tut anschließend gut. 

Schwimmbad und Saunaanlage mit Blick zum Meer (Bild: H. Nedo)

Man kann sich aber auch ganz anders wärmen. Helgoland hat vor einigen Jahren sein Schwimmbad saniert. Dazu gehört eine sehenswerte Saunalandschaft. Eine Seite der Räume ist zum Meer hin vollständig verglast. Sie können bei Sturm und Kälte schwitzen und dabei auf Wellen und Schaumkronen schauen. Zum Schwimmen lädt ein Freibecken ein, natürlich mit dem Salzwasser der Nordsee, den Kopf frei mit Blick auf Klippenkohl im Schnee und den Körper im Wasser. 

Gleich in der Nähe des Schwimmbades befindet sich eine kleine Bibliothek. Auch sie ist ein Bau mit viel Glas. Sie sitzen im Warmen, schauen aufs Meer und stöbern in Bücheregalen, suchen, was das ist, was Sie am Strand gefunden haben, lesen etwas zur Geschichte des Eilandes und lassen sich vielleicht sogar auf ein Kinderbuch von James Krüss ein, dem Schriftsteller, auf den die Insulaner stolz sind.

Neben dem Rundweg auf dem Oberland mit fantastischem Ausblick, neben Schwimmbad, Bibliothek und Restaurants gibt es sowohl im Unter- als auch im Oberland kleine Gässchen und Geschäfte zum Stöbern. In einem versteckten Laden nahmen wir an einer Whisky-Verkostung teil. Wir würden es wieder tun. Nicht zuletzt sei hier eine Führung durch die Bunkeranlage genannt. Sie ist empfehlenswert, denn die Geschichte Helgolands hat das Leben der Insulaner vor harte Prüfungen gestellt. Der Ort wurde so zerbombt, dass nichts mehr so blieb, wie es einmal war. Doch die Helgoländer sind ihrer Insel treu geblieben und haben für sie gekämpft, noch lange nach dem Ende des Krieges.

Die ersten Lummen sind da (Bild: H. Nedo)

Robben auf der Düne und Lummenfelsen

Jede Jahreszeit hat Vor- und Nachteile. Helgoland ist berühmt für seinen Lummenfelsen, den einzigen Vogelfelsen Deutschlands. Im Juli ist die Insel übervölkert von Ornithologen und Tagesgästen, die mit gewaltigen Kameras den Lummensprung einfangen. Es ist der gewagte erste Sprung der noch flugunfähigen, jungen Troddellummen vom Felsen in die Fluten. Von diesem Schauspiel ist im Februar nichts zu sehen.

Einige wenige Lummen sitzen auf schmalen Felsvorsprüngen. Dass sich das Areal von Frühjahr bis Sommer in eine Seevogel-Kolonie mit rund 5000 Tieren verwandelt, kann man im Februar nur ahnen.

Dafür tummeln sich auf der Düne, die als flache Sandinsel vor Helgoland liegt, Seehunde und Kegelrobben. Sie sind für Naturfreunde ein unbedingtes Muss und lassen sich das ganze Jahr über beobachten. Zahlreiche Fotos musste ich machen, immer wieder. Kegelrobben sind die größten Raubtiere in Deutschland. Damit ist die Düne wieder ein ganz anderes Erlebnis. Hier ist es im Winter noch einsamer. Die Ferienhäuschen stehen verlassen, die Börteboote haben nur wenig zu tun. Sie verkehren trotzdem stündlich zwischen Haupt- und Nebeninsel, solange es der Wind zulässt. Allerdings sind die kleinen Boote recht seetüchtig.

Liebeserklärung - nicht für mich - trotzdem schön. (Bild: H. Nedo)

Mit dem Flugzeug nach Helgoland

Während unserem ersten mehrtägigen Helgolandbesuches waren wir dafür sehr dankbar. Es stürmte so sehr (an einem Januartag), dass die Fähre von Cuxhaven nicht fuhr. Ich wußte, dass die Insel auch per Flug erreichbar ist. Unsere damalige Vermieterin hatte im Vorhinein geraten, das in Betracht zu ziehen. Die Nummer des kleinen Flughafens hatte ich. Wir mussten uns in wenigen Minuten entscheiden. Fliegen? Wir sind geflogen. Solange die Börteboote zwischen den zwei Helgoländer Inseln verkehren, gehen auch die Flieger in die Luft, denn diese landen auf der Düne. Es war ein Erlebnis und wir erwischten das letzte Börteboot von der Düne zur Hauptinsel. Danach wurde die See zu gefährlich. Mich hatte damals gewundert, dass eine große Fähre den Betrieb einstellt, während ein kleines Flugzeug (siehe Foto) fliegt. Wir schwankten in der Luft gewaltig und sahen einmal rechts unter uns das Wasser und einmal links, je nachdem, wie der Wind es wollte. Der Flug dauerte 30 Minuten länger als normal. Zur geplanten Abreise lies uns die Fähre wieder im Stich. Diesmal warteten wir den Wetterumschwung ab und blieben zwei Tage länger, bis die Schiffe wieder in See stachen. Wer einen Urlaub auf Helgoland im Winter plant, muss mit dem Wetter rechnen. Es kommt schon mal vor, dass die Insulaner nicht optimal versorgt werden, weil die Fähren nicht fahren. Auf einen üppigen Hochzeitsstrauß musste ich verzichten. Der einzige Laden, der Blumen verkaufte, wurde nicht beliefert. Die Fähre lag in Cuxhaven fest. Zum Glück hatte ich mir am Tag zuvor ein winziges Töpfchen mit einer Rose gekauft, mit dem Ergebnis, dass mein Helgoländer Hochzeitsstrauss heute in meinem Garten wächst. 

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