Wer "Herr der Ringe", das Buch, noch nicht gelesen haben sollte, dürfte nach den Verfilmungen  sehr hohe Erwartungen daran setzen. Jedenfalls ging es mir so, als ich vor einiger Zeit glücklich mit allen drei Bänden vom Flohmarkt nach Hause kam. Ich konnte sie als Taschenbücher für weniger als 5 Euro ergattern und war ganz gespannt, wie wohl die literarische Vorlage zu diesen Filmen geschrieben ist.

"Herr der Ringe", die Bücher in neuer Übersetzung - auch als Kaminanzünder verwendbar!

Schon beim ersten Kapitel dachte ich: Was ist denn das? Irgend etwas war komisch, es las sich etwas holprig, auch einige Begriffe schienen mir eigenartig. Ich schob das auf die Tatsache, dass die Geschichten noch vor 1950 geschrieben wurden und Tolkien ca. 10 Jahre daran arbeitete (mit Unterbrechungen).

Aber nach den ersten Dialogen zwischen Frodo und Gandalf war es mit meiner Freude ganz vorbei - die Sprache ist der absolute Abschuss! Flappsig, eine seltsame Mischung aus alter und moderner Wortwahl. Zwischendrin wird der "Rasen gemäht" - und was soll die "Mittelwelt" sein?

Nachdem sich meine Enttäuschung langsam in Aggression wandelte, las ich mir auf Amazon einige Kundenrezensionen durch und fand schnell die Antwort: Im Original sind die Bücher von J.R.R. Tolkien wohl ganz hervorragend! Er schrieb nicht einfach so etwas hin - bei ihm passte alles zusammen. Bis vor etlichen Jahren muss auch die deutsche Übersetzung (von Margaret Carroux) sehr gut gewesen sein.

Ich habe unglücklicherweise Herr der Ringe in neuer Übersetzung (Krege) erwischt. Die Kritik dazu würde hier den Rahmen sprengen, nur so viel: Lassen Sie die Finger weg! Ersparen Sie sich diese Schändung eines ursprünglich guten Buches und sehen Sie sich lieber zum 20. Mal die Filme an! Aber man sollte das Krege-Buch nicht gleich wegwerfen. Schließlich kann es sehr nützlich sein, wenn zu Hause mal das Toilettenpapier ausgeht... 

 

Herr der Ringe: Das Buch in einer Carroux-Übersetzung

Oder Sie geben ein paar Euro mehr aus und kaufen dafür die einzig aktzeptable Übersetzung von Margaret Carroux.

 

 

 

Der Herr der Ringe, 49,95, bei Amazon

 

 

(gebraucht als Taschenbuch ist es bei Amazon schon für unter 30 Euro erhältlich)

Was ist so schlimm an der neuen Übersetzung von Krege?

Zum Vergleich: Hier ein paar Beispiele aus der alten und neuen Übersetzung. Der echte Fan weiß natürlich, dass in den Filmen die "alte" Sprache gesprochen wurde. Schließlich spielt dieses Epos in einer längst vergangenen Zeit. Man sprach sich mit "Ihr" und "Euch" an, alle lebten in "Mittelerde" und Sam nannte Frodo Beutlin meistens "Herr Frodo".

 Alte Übersetzung (Carroux):

"Als der alte Mann, dem Bilbo und ein paar Zwerge geholfen hatten, mit dem Abladen fertig war, schenkte Bilbo den Kindern ein paar Pfennige; aber zur Enttäuschung der Zuschauer kam nicht ein einziger Knallfrosch oder Schwärmer zum Vorschein. "Nun lauft" sagte Gandalf "Ihr bekommt noch genug zu sehen, wenn es soweit ist."

 

(Dialog zw. Gandalf und Bilbo):

-Gandalf: "Du willst deinen Plan also ausführen?"

Bilbo: "Allerdings. Ich habe mich vor Monaten dazu entschlossen und meine Meinung nicht geändert."

Gandalf: "Sehr gut. Es hat keinen Zweck, mehr zu sagen. Halte an deinem Plan fest - und ich hoffe, es wird sich alles zum besten wenden, für dich und für uns alle."

 

-Gandalfs: "Weiche, Saurons Hund"

"Von dem Kadaver erhob sich der Schwarze Reiter, groß und drohend ragte er über Eowyn auf. Mit einem haßerfüllten Schrei, der wie Gift in den Ohren brannte, ließ er seine Keule niedersausen. Ihr Schild zersplitterte in viele Stücke, und ihr Arm war gebrochen; sie strauchelte und fiel auf die Knie."

 

 

-"Sie werden niemals unseren Herrn besiegen, und mein Vater ist sehr tapfer"

 

Neue Übersetzung (Krege):

Als der Alte, unter Mithilfe Bilbos und einiger Zwerge, mit dem Abladen fertig geworden war, schenkte Bilbo den Kindern ein paar Pfennige; aber zu ihrer Enttäuschung wurde nicht ein einziger Kracher oder Knallfrosch losgelassen." "Fort mit euch!" sagte Gandalf. "Ihr werde noch genug erleben, wenn es soweit ist."

 

(Dialog):

Gandalf: "Du willst deinen Plan also ausführen?"

Bilbo: "Ja, ich habe mich vor Monaten dazu entschlossen, und es bleibt dabei."

Gandalf: "Sehr gut! Dann sag ich besser nichts mehr. Bleib bei deinem Plan - dem ganzen Plan, wohlgemerkt -, und ich hoffe, er wird zum Besten ausschlagen, für dich und für uns alle."

 

Gandalf: "Kusch, Saurons Köter"

"Auf rappelte sich der schwarze Reiter und stand da vor ihr, baumlang und drohend. Mit einem Hass-Schrei, der wie Gift die Ohren ätzte, ließ er die Keule niedersausen. Ihr Schild zersprang in viele Splitter, ihr Arm war gebrochen, sie stolperte und sank in die Knie."

 

 

 

"Unseren Statthalter kriegen sie nie klein, und mein Vater ist unwiderstehlich"

Im Original lautet der Satz übrigens:

"They will never overcome our Lord, and my father is very valiant"

 

 

Aber eine der mit Abstand besten (Achtung, Ironie!) Fehlübersetzungen und Ohrfeigen ist das hier:

Original: "Most of them bore the mark DALE on them..."

Carroux: "Die meisten trugen die Herkunftsbezeichnung THAL..."

Krege: "...die meisten mit dem Herkunftsstempel MADE IN THAL..."

Krege hat nicht nur einige Wörter, sondern oft den kompletten Sinn verändert! Ganz zu schweigen von der Wirkung der Charaktere.

Weitere völlig unpassende Ausdrücke, die uns Herr Krege zumutet:

-Dalli-Dalli, Clubzimmer, durchtrainiert, Imbissstube, Penner, LOGO, usw.

-Sam zu Frodo: "Chefchen" (vor vielen Hundert Jahren  sprach man wohl so mit seinem Arbeitgeber)

-Galadriel: "Na klar!" (Welche andere Ausdrucksweise könne man von einer Königin auch erwarten?)

Von Frodos "Fundbüro" will ich lieber gar nicht reden. - Hab ich schon erwähnt, dass die Geschichte vor vielen Jahrhunderten spielt? Als Herr-der-Ringe-Fan fühle ich mich gelinde gesagt vera... t und würde lieber nochmals in einem Sitz sämtliche Bände von Harry Potter lesen, bevor ich diesem Mist hier eine halbwegs gute Bewertung gebe.


Die - meiner Meinung nach - aussagekräftigste Kundenrezension bei Amazon ist diese hier:

"An jeden der lieber: "Sie eilten ihrem Herrn nach" als "Sie rannten ihrem Chef hinterher" lesen möchte: Nicht diese "Vergewaltigung" von Tolkien's Epos kaufen. Sie werden es mir danken."

Das bringt es in etwa auf den Punkt - dieser Quatsch zieht sich nämlich durch das ganze Buch!

Lord of the Rings - das englische Original von Tollkien

Die beste Lösung wäre wirklich - und ich bin kurz davor - Herr der Ringe im Original zu lesen. Allerdings verwendete Tolkien für seine Darstellung einer alten Welt oft auch die alte Sprache. Viele dieser englischen Ausdrücke sind für uns nur schwer bis gar nicht zu verstehen und auch in keinem neuen Wörterbuch zu finden. Am besten, Sie werfen einfach einen Blick in die Leseproben.

Herr der Ringe in der "alten" Fassung, übersetzt von Margaret Carroux, ist mittlerweile wieder im Internet erhältlich und sogar zu einem halbwegs aktzeptablen Preis. Die alten Bücher aus den letzten Jahrzehnten werden oft für einen astronomischen Betrag angeboten, dafür sind auch einige sehr schöne, in Leder gebundene Sammlerstücke dabei.

Herr der Ringe - sind die Bücher besser als die Filme?

Dazu kann ich leider nicht viel sagen, da ich das Buch nicht im Original gelesen habe, sondern leider nur den schlechten Witz einer Übersetzung von Herr der Ringe vorliegen haben. Was ich sagen kann: J.R.R. Tolkien war Sprach- und Literaturwissenschaftler, der sich für alte Mythen interessierte. Er schrieb diese Bücher nicht in einem Sitz durch, sondern machte oft längere Pausen, sammelte Material und arbeitete noch an anderen Dingen.

Langatmig oder episch?

Insgesamt kommt mir die Geschichte etwas langatmig vor, manchmal auch leicht holprig, aber dennoch finde ich sie sehr faszinierend. Es sind auch genaue Karten vom Auenland und Mittelerde dabei und Tollkien verwendete alte Sagen, Legenden und Geschichten für sein großes Epos. Die Geschichten über Elfen sind in Irland und Britannien noch Heute lebendig, auch wenn Tolkien sie etwas anders darstellt.

Der erste Hype um "Herr der Ringe" in den 60ern

Während der späten 60er Jahre gab es in Großbritannien viele Herr-der-Ringe-Fans, vor allem unter den Hippies: Der Electric-Garden hieß zwischenzeitlich "Middleearth", im Magazin "Gandalfs Garden" schrieb regelmäßig ein Autor namens "Legolas" und Marc Bolan (T.Rex) wird heute noch liebevoll als "Boppin Elve" bezeichnet, da er wie eine Elfe aus einer anderen Welt wirkte. Er selbst war ebenfalls ganz begeistert von den Geschichten um Frodo und Gandalf und gab seinem Percussionist (Steven Ross Porter) den Spitznamen "Steve Peregrin Took".

Ein "Fehler" in den Filmen?

Warum man sogar in der deutschen Synchronistation der Filme aus den "Elves" (das übersetzt "Elfen" heißt) die "Elben" wurden, ist mir schleierhaft. Trotzdem muss ich zugeben, dass die Verfilmungen die Bücher bei Weitem übertreffen - sie sind einmalig, grandios und fantastisch!

Was gefällt Ihnen besser - die Filme oder die Bücher?
Grace, am 14.09.2012
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Autor seit 6 Jahren
161 Seiten
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