Natürlich darf man den Einfluss der Populisten nicht unterschätzen. Doch ein Wahlergebnis von 20% für die rechten "Alternativen" bedeutet vor allem, dass eben 80 %, also vier von fünf Wählern, gerade nichts mit der AfD am Hut haben. Bedenkt man noch, wieviele Menschen gar nicht erst ihre Stimme abgegeben haben, dann wird der tatsächliche Anteil der AfD am deutschen Stimmungsbild verschwindend gering. Lediglich die ständige Erwähnung dieser Partei in den Nachrichten macht aus dem Winzling einen Riesen.

Wovon die AfD profitiert

Tatsächlich dürften die meisten Menschen ihre Informationen über die AfD vor allem aus den hysterisch gewordenen Medien beziehen. Wer macht sich schon die Mühe, einmal ein echtes Wahlprogramm zu lesen? Bestenfalls plakative Parolen und provokante Aussagen der Parteiprominenz erreichen den Normalbürger. Tatsächlich aber sind die Thesen dieser Partei ein kruder Mix aus linken Utopien und nationalistischem Getöse: Bankenkritik, soziale Wohltaten und die Betonung deutscher Souveränität. Gleichzeitig werden jedoch die "Westbindung" und andere Bündnisse als wichtig erachtet. Dazu kommt noch die Verschwörungstheorie von dem kleinen Machtzirkel, der uns an der Freiheit hindern will. Das Prinzip der AfD scheint also zu lauten: "Deutschland zuerst, aber im Notfall sollen uns die anderen Staaten helfen. Stürzt außerdem die alten Herrscher und macht uns zu euren neuen Königen…" Mit ganz ähnlichem Konzept hat übrigens vor ein paar Jahren ein Kommunist namens Tsipras Griechenland ins Verderben geführt. Die Folgen sind bekannt…

Über die konkrete Umsetzung ihrer Vorhaben schweigt sich die AfD daher wohlweislich aus. Sonst könnte man vielleicht ganz schnell erkennen, dass diese Populisten keineswegs eine Alternative für Deutschland sind, sondern eher ein Beispiel dafür, wie Politik eben nicht funktioniert. Denn bei näherer Betrachtung ist die Kritik der AfD an der Regierung nahezu sinnfrei.

Immerhin ist die Wirtschaftslage so gut wie noch nie, die Arbeitslosenrate niedrig und zum vierten Mal in Folge legt die Regierung einen ausgeglichenen Haushalt vor. Noch vor wenigen Jahren wäre das ein Garant für dauerhafte Wahlerfolge gewesen. Es gäbe also eigentlich keinen Grund zum Meckern.

Man erinnere sich nur, dass die Bundeskanzler Kohl und Schröder jeweils ihr Amt verloren, weil die Arbeitslosenzahlen zu hoch waren. Doch heute scheint so etwas die Deutschen nicht mehr zu interessieren. Sie sind satt und zufrieden und werden erst aufwachen, wenn es ihnen wieder schlechter geht. Auch das ist ein Verdienst der so genannten "Qualitätsmedien". Sie haben den Fokus der Öffentlichkeit erst auf das Geschwafel der AfD gelenkt, anstatt einmal darzustellen, wie gut die verschiedenen Regierungen (trotz aller berechtigter Kritik) in den letzten zehn Jahren ihre Sache eigentlich gemacht haben.

Im Klartext: Ohne die hysterische Panikmache der mehrheitlich linken Medienlandschaft hätten viele Menschen vielleicht gar keinen Anlass gehabt, sich von der AfD diffuse Ängste einreden zu lassen.

So aber konnte diese Partei zunächst die unbestreitbar vorhandenen Probleme der Flüchtlingskrise thematisieren und aufbauschen. Plötzlich aber klappte das nicht mehr. Die Zahl der Asylbewerber ging deutlich zurück. Kurzzeitig sanken daraufhin die Umfragewerte der AfD. Die neue Strategie heißt daher: Merkel-Bashing.

Die Kanzlerin ist an allem schuld und macht sowieso alles falsch. Hier ein hämischer Kommentar, dort eine hübsche Verschwörungstheorie… Wer es genauer wissen will, schaue sich nur einmal das AfD-nahe Portal freiewelt.net an.

Meckern aus der Oppositionsecke heraus ist immer leicht, vor allem, wenn man noch von ein paar unzufriedenen CDU-Wählern unterstützt wird. Am Ende dieser langen Rechnung aus Populismus, Halbwahrheiten und Denkzettel-Strategie steht dann eben ein für die AfD günstiges Wahlergebnis.

Bei wem die AfD tatsächlich Hysterie auslöst

Die Wahlerfolge der AfD werden vielleicht auch deshalb so thematisiert, weil sie für gleich mehrere gesellschaftliche Gruppierungen eine Gefahr darzustellen scheinen. Politisch überkorrekte Gutmenschen beispielsweise. Sie fühlen sich pikiert, weil plötzlich jemand das sagt, was viele heimlich denken: Der Islam passt aufgrund seines Weltbildes nicht zur demokratischen, pluralistischen Gesellschaft der westlichen Staaten, Kinderschänder sind eben nicht resozialisierbar, und die Legalisierung von Drogen löst keine Probleme.

Doch auch konservative, bürgerliche Politiker fühlen sich (besonders vor Wahlterminen) plötzlich bedrängt, denn bei ihren Stammthemen wildert die AfD mit unfairer Rhetorik, die nie den Praxistest bestehen musste. Etablierte Politiker hingegen müssen besonnener (und daher nur scheinbar zögerlich) vorgehen, denn sie stehen in der Verantwortung. Ihr Tun und Reden hat bisweilen gravierende Folgen.

Kopfzerbrechen bereitet die AfD auch der linken Opposition. Bisher konnte sie allein von der Unzufriedenheit der Wähler profitieren. Das ist nun vorbei. Tatsächlich scheinen sich bei den Themen Soziales, Merkel-Kritik, TTIP und Putin-Verständnis gewisse Parallelen zwischen rechten und linken Demagogen zu ergeben. Die rechtspopulistische AfD ist also potenzielle Konkurrenz für linke Populisten. Nur deshalb sind die links beeinflussten "Qualitätsmedien" so hysterisch. Wer an den linken Hintergrund der Öffentlich-Rechtlichen nicht glaubt, schaue sich nur einmal die politische Vergangenheit einer gewissen Karola Wille an, derzeit Intendantin des MDR.

Woran die AfD vermutlich scheitern wird

Die Schreihälse der AfD sind kein neues Phänomen. Parteien mit dürftiger Themenauswahl und radikalen Thesen gab es schon immer. Ihre Erfolge waren stets von kurzer Dauer. Wer erinnert sich heute schon noch an die Republikaner, die Ende der 1980er Jahre erfolgreich im bürgerlichen Lager wilderten? Ihre Gallionsfigur Franz Schönhuber galt manchen besorgten Zeitgenossen wahrscheinlich als die Inkarnation des Bösen schlechthin. Wenig später erhob sich die DVU zu einem kurzen Höhenflug, und erneut befürchteten ängstliche Gemüter die Wiederauferstehung Hitlers. Als schließlich ab 2004 die NPD überraschend in mehrere Landtage einzog, schien schon wieder Gefahr für die Demokratie zu bestehen. Heute macht sich wegen dieser braunen Hetzer kaum noch jemand ernsthaft Sorgen.

Populistische Eintagsfliegen gab es aber nicht nur am rechten Rand. Auch die so genannten Piraten versuchten vor wenigen Jahren mit kruden Thesen ihr Glück beim Wähler. Nach Anfangserfolgen zerlegte sich die linksorientierte Ein-Themen-Partei grandios selbst.

Alle diese selbst ernannten Weltverbesserer hatten kein wirklich langfristiges Konzept. Sie profitierten lediglich von Proteststimmung, Unzufriedenheit und Übersättigung. Mit der AfD verhält es sich im Prinzip nicht anders. Ob auch sie bald scheitern wird, liegt an den Politprofis der anderen Parteien. Wer aus Angst um seinen Posten und seine Abgeordneten-Diäten die AfD-Thesen kopiert, handelt unverantwortlich. Nicht weniger schlimm ist es, alte Lagerkämpfe und ideologische Rituale fortzuführen. Die AfD würde von einem Zerwürfnis der Demokraten nur profitieren. Besonnenheit ist nötig, nicht mediale Hysterie.

Autor seit 5 Jahren
97 Seiten
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