Fehlerquellenanalyse - Was sind die Gründe für ein Durchfallen durch die Heilpraktikerprüfung?

Wenn ich in einem ersten Beratungsgespräch zusammen mit den Schüler/innen die Gründe für das Nicht-Bestehen der Heilpraktikerprüfung analysiere, kristallisieren sich folgende Fehlerquellen heraus:

1. Planung und Vorbereitung auf die Heilpraktikerprüfung

Viele HPAs unterschätzen schlicht und ergreifend das Volumen der stetig steigenden Ansprüche der Heilpraktikerprüfung. Damit meine ich nicht nur das sehr umfangreiche Wissen und den Lernstoff, sondern in erster Linie das Ganze "Drumherum": Oft wird sich nicht klargemacht, welcher konkrete Zeitrahmen zur Verfügung steht, d.h. wie viel Zeit kann eigentlich realistischerweise aufgebracht werden, um zur Prüfung das erforderliche Wissen auch tatsächlich parat zu haben?

Häufig finden sich auch falsche Vorstellungen darüber, was genau eigentlich gelernt werden muss, d.h. wo sind in den jeweiligen Kapiteln Prioritäten zu setzen und wie tief muss man eigentlich die entsprechende Materie hineingehen?

Zur weiteren Planung gehört sicher auch der finanzielle Aspekt: Sind die nötigen Ressourcen vorhanden, um die durch die Ausbildung entstehenden Kosten zu decken? Wenn nicht, wie kann man das erreichen?

2. Mangelnde Praxis

Eine nicht zu unterschätzende Fehlerquelle ist die mangelnde Praxis. Wie nun soll Praxis erlangt werden, wenn doch die Voraussetzung dafür, nämlich die bestandene Heilpraktikerprüfung, noch gar nicht vorliegen?

Viele Schwierigkeiten insbesondere auf dem Gebiet der Differentialdiagnose präsentieren sich insbesondere in der mündlichen Überprüfung, weil dieses Gebiet häufig erst kurz vor diesem Prüfungsteil "kurzfristig" angegangen wird. Dabei dürfen nach bestandener Prüfung ja wirklich Patienten behandelt werden, und die wollen natürlich auch, dass man sich ein paar Gedanken zu den geäußerten Symptomen macht.

3. Negative Einstellung zur Heilpraktikerprüfung

Ein weiteres Problem besteht sicher auch darin, dass einige HPAs die Prüfung als unumgängliches Übel betrachten, das man irgendwie hinter sich bringen muss, um sich dann dem "Wesentlichen", also seiner Therapieform, widmen zu können.

Mit dieser negativen Einstellung zur HP-Prüfung, dem Gesundheitsamt oder gar der westlichen Medizin an sich gegenüber geht einem eigentlich sehr viel verloren: Gerade auf dem Gebiet der Anamnesetechnik, bei den Untersuchungsmethoden und Differentialdiagnosen kann viel Interessantes für den späteren Praxisalltag mitgenommen werden. Und wer Interesse für ein Thema mitbringt, wird es immer leichter haben, das Gelernte zu verinnerlichen, wiederzugeben und letztlich auch anwenden zu können.

Eine bisweilen vorherrschende Annahme von HPAs lautet, dass der Mensch irgendwie doch für seine Gebrechen allein verantwortlich ist, nach dem Motto, ein Mensch zieht die Krankheiten an, die irgendwie zu ihm passen. Ob dem so ist oder nicht, sei dahingestellt, sicher hingegen ist, dass sich niemand aufgrund von mangelnder Hygiene und Unkenntnis über Erreger und deren Übertragungswege seitens des Behandlers oder der Behandlerin eine Infektion einhandeln möchte. Oder würden Sie gern eine Spritze erhalten, an der noch die Viren vom Vorgänger kleben?

4. Unklarheit, was mit dem HP-Schein angefangen werden soll

Einigen HPAs scheint auch unklar zu sein, was sie mit dem HP-Schein eigentlich anfangen wollen - eine erstaunliche Tatsache, wenn man den ganzen Aufwand bedenkt, den man zum Erreichen dieses Zieles betreiben muss. Und es gibt auch den Typus des "Testers", der erst mal die Heilpraktikerprüfung austestet, nach dem Motto, mal sehen, wie es so läuft. Ich persönlich habe niemanden kennen gelernt, der mit dieser Herangehensweise die HPP bestanden hat.

5. Prüfungsängste

Wenn man den Erfahrungen der Gesundheitsämter glauben schenkt, so muss man zu dem Schluss kommen, dass man in der Zunft der Heilpraktiker einen überdurchschnittlich hohen Anteil an Menschen mit ausgeprägten Prüfungsängsten antrifft. Diese Beobachtung kann ich bestätigen, meine aber, dass man auch dieses Problem mit einigen Methoden und Techniken auf ein zumindest überschaubares Minimum reduzieren kann.

Das Gesundheitsamt

So viel zu den "gängigsten" Fehlerquellen der HPAs. Wie aber sieht es nun eigentlich mit dem Gesundheitsamt aus? Ist die hohe Durchfallquote ein Produkt willkürlich agierender Amtsärzte, unzureichender Prüfungsordnung und Gesundheitsämtern, die ihr eigenes Süppchen kochen? Die Meinungen hierüber gehen auseinander, grundsätzlich meine ich, dass man nicht allen Gesundheitsämtern unterstellen sollte, dass sie nur gierig darauf lauern, endlich mal wieder jemanden durch die Prüfung rasseln zu sehen und zu zeigen, wo der (schulmedizinische) Hammer hängt.

Richtig ist sicherlich, dass der Informationsfluss, die Eigenpräsentation der Ämter sowie Hilfestellungen für Heilpraktiker auf höchst unterschiedlichen Niveaus stattfinden. Wer Spaß daran hat, möge bitte eine Liste mit zehn unterschiedlichen Gesundheitsämtern und den dortigen Ansprechpartner/innen für die Heilpraktikerprüfung erstellen und dann an alle die selbe Frage richten, sagen wir z.B. eine Auskunft über neue oder veränderte Meldepflichten von Infektionskrankheiten. Die Palette reicht vom persönlichen Gespräch mit der Amtsärztin bis zur kompletten Auskunftsverweigerung! Da gibt es als definitiv noch erheblichen Nachbesserungsbedarf.

Einen weiteren Kritikpunkt stellen immer wieder "merkwürdige" Fragestellungen in der schriftlichen Prüfung dar: Ja, es gibt sie, die Fragen zu Themengebieten, die nie zuvor in eine Heilpraktikerprüfung aufgetaucht, zu fachspezifisch oder schlichtweg unklar oder sogar falsch formuliert sind. Solche Fragen machen aber ganz klar den geringsten Teil der schriftlichen Heilpraktikerprüfung aus, es sind im Schnitt pro Prüfung ca. fünf "ärgerlichen" Fragen dabei, bei denen man selbst unter Zuhilfenahme einschlägiger Fachliteratur auf keine korrekte Lösung kommt. Solche Fragen können zwar verunsichern, aber man kann auch mit ihnen leben.

Sicherlich kann man zusammenfassend sagen, dass es noch viel Nachbesserungsbedarf gibt, wenn nicht sogar eine komplette Reformierung des HP-Gesetzes vom 17.2.1939 (!) vonnöten ist. Letztlich möchte man in einer Prüfung sein Können unter Beweis stellen, und nicht Nachweisen müssen keine "Gefahr für die Volksgesundheit" darzustellen.

Trotz dieser Hürden kann ich aus meiner Erfahrung bestätigen, dass mit einer vernünftigen und realistischen Planung, einer guten Portion Interesse am Thema und einem soliden Auftritt in der mündlichen Heilpraktikerprüfung diese durchaus zu schaffen ist. Informieren Sie sich und nehmen Sie sich Zeit für eine gute Planung!

Autor seit 6 Jahren
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