Relativ neu

Obelix trug ganz eindeutig einen Gürtel. Auch auf historischen Abbildungen kann der interessierte Beobachter kaum einen Hosenträger entdecken. Wer kam also auf die Idee?

Der Erfinder ist nicht bekannt. Die Idee, die Hose am Bund mit zwei Trägern zu befestigen, scheint erst im 18. Jahrhundert in Europa aufgetaucht zu sein (*). Vielleicht lag es an der industriellen Revolution. Die Arbeiter trugen Latzhosen, um an geölten Maschinen die eigene Kleidung zu schonen.

Auch Kinder werden auf alten Bildern mit Hosenträgern oder Latzhose dargestellt. Auf den Fotos mit Jungs aus der Nachkriegszeit in Deutschland sieht man noch relativ viele Lederhosen mit Hosenträgern.

Die dritte Kategorie, die man identifiziert, ist die Trachtenmode.
Und in dieser Rubrik gibt es etwas Besonderes zu berichten. In den Alltagsvarianten findet man Klemmen oder Laschen als Befestigungsmethoden. In der Trachtenmode werden die Hosenträger geknöpft, und zwar rechts und links vom Hosenschlitz.

(Bild: Couleur)

(Bild: Letiha)

Drei Varianten

Die Hosenträgerkunst überrascht mit einer Diversifikation, die den bisher weniger informierten Leser doch einigermaßen erstaunt.
Insgesamt werden drei Varianten unterschieden: H, X und Y.

Die H-Form läuft parallel über die Schultern. Bei der X-Form sind die Bänder auf dem Rücken gekreuzt. Bei der Y-Form treffen sich die Bänder ebenfalls auf dem Rücken. Sie werden allerdings dort zusammengenäht und in einem einzigen Steg zum rückwärtigen Hosenbund geführt.
Es ist schon erstaunlich was sich unsere Vorfahren haben einfallen lassen.

Zur X-Form weiß Wikipedia noch ein Döntje oder Dönekes (*) zu erzählen. Hosenträger wurden nämlich früher unter einer Weste versteckt. Warum? Hosenträger galten zu jener Zeit, im 19. Jahrhundert, als Unterwäsche, und diese zeigte man nicht öffentlich (*).

Eine andere bemerkenswerte Erzählung berichtet davon, dass werdende Väter angeblich einen Hosenträger aus dem Fenster gehängt haben, damit ein Junge geboren wird.

O tempora o mores, möchte man nachträglich sagen.

Wo trägt man heute noch Hosenträger?

  • Bei einem traditionellen Umzug wie zum Oktoberfest.
  • Als Punker.
  • Als Fernsehmoderator, wie etwa seinerzeit Larry King aus den USA (*).
  • Als Musiker, wie Peter Behrens von Trio (Dadada).
  • Vielleicht noch als Künstler. Man kann einmal darauf achten, welche Künstler im Fernsehen vorgestellt werden, die einen Hosenträger als Markenzeichen tragen. Trug Beuys Hosenträger, oder Picasso?

Hosenträger können eine Quelle der Inspiration für Werbemanager bedeuten. Hosenträger fallen auf. Da ist noch Platz für eine kreative Idee.

(Bild: Peggy_marco)

Gürtel oder Hosenträger?

Der Gürtel dominiert im Moment eindeutig das modische Geschehen in diesem Bereich. Allerdings berichten die Medien über eine angebliche Zunahme der Leibesfülle bei den modernen Menschen. Sollte dieser Trend sich fortsetzen, so bekommt der Hosenträger möglicherweise eines Tages seine Renaissance, sozusagen als Retro-Effekt. Man weiß ja nie. Oder man hat einfach Spaß an einem ausgefallenen Kleidungsstück.

So oder so - es ist immer vorteilhaft, wenn man sich rechtzeitig vorinformiert.

(Bild: Unsplash)

Autor seit 2 Jahren
181 Seiten
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