Hungerhaken

Hungerhaken (Bild: Ariane Abt)

Die Ausgangslage

Die Autorin Ariane Abt analysiert in präziser Sprache den langen Irrweg, der sie von einer zu der anderen Diät kommen lässt. Man erlebt Höhen und Tiefen des Diätwahnsinns, verdeutlicht am offensichtlich vergeblichen Kampf gegen die störrischen Pfunde. Wie man nun aber die offen zu Tage tretenden eigenen Schwächen und Unzulänglichkeiten überwinden kann und dennoch sich nicht einer endlosen Abfolge von Selbstkasteiung und Entbehrungen aussetzen muss, offenbart dieser mit Fulminanz und dem kleinen Schuss Ironie gewürzte Text auf beeindruckende Weise.

Die Herangehensweise an dieses mehr als sensible Thema, das in der einen oder anderen Form die meisten Mitmenschen schon beschäftigt hat und wohl weiterhin in seinen Bann schlagen wird, zeugt von hoher Sensibilität, Einfühlungsvermögen, herrlich trockenem Humor und von einer entwaffnenden Offenheit, die dazu führt, dass man mit Neugier und stets steigendem Interesse die Geschichte dieser Odyssee mitverfolgt.

Dem allerorten auftretendem Diätwirrwarr wird kräftig Tribut gezollt, somit von Low Carb Diät bis Ananas Diät alles ausprobiert und verlässlich nicht eine Diät außen vor gelassen. Was Gurken, Eier, Erdbeeren und Soja, was Fasten und Joggen, Sonne und Mond alles mit Diät zu tun haben, lässt sich nach Lektüre dieses Buches erschöpfend beantworten.

Treffsicher und auf den Punkt gebracht fasst dieses Faktum die Autorin wie folgt zusammen:"Durch stundenlanges Joggen schmolz der letzte Fetzen Fett wie Schmalz in der Mittagssonnenglut."

Ergebnisse

Wesentlich und erwähnenswert sollte bleiben, wie erste kleine Erfolge, wie das Pflänzchen Hoffnung im schier endlosen Kampf gegen die überflüssigen Pfunde sprießt: "Amazonengleich spazierten wir nach jeder Diät mit hoch erhobenem Haupt und gesättigt von frischem Selbstbewusstsein durch die Straßen, genossen die neidischen Blicke der dickeren Zeitgenossen".

Dass diese ersten Stufen auf der Erfolgsleiter jedoch mühsam zu erklimmen und Abstürze quasi vorprogrammiert sind, lässt nicht lange auf sich warten: "Es dauerte nie lange, und die wohlbekannten Rundungen eroberten sich ihre Plätze zurück".

Ariane Abt beschreibt einfühlsam und mit der notwendigen klaren, präzisen Sprache die Hoffnungen, die Anstrengungen, die Mühen und die Fehlschläge, den Neubeginn und das Verzweifleln, das Meistern und das Aufgeben, die Konfliktsituationen und die Hürden, die beim Bewältigen einer Diät zu Tage treten und die Mitwelt ebenso in Mitleidenschaft ziehen wie den eigenen Körper. Abt schildert, wie die unmittelbaren Auswirkungen einer Diät Einfluss haben können auf Beziehungen und Freundschaften, auf alltägliche Situationen und Zusammenkünfte, wie manchmal Nerven und Gefühle strapaziert werden und wie Erfolgserlebnnisse dennoch den Mut zum Weitermachen geben.

Alles auf Anfang

Dies alles mit Ironie und spitzbübischem Humor präsentieren zu können ohne dabei peinlich oder oberlehrerhaft aufzutreten ist das Angenehme und Erfrischende an diesem Text, den die Autorin Ariane Abt mit sichtlicher Freude am Schreiben erschaffen hat. Was an Mitleiden und Mitfühlen, an Anteilnahme und Verständnis in einem Dialog mit dem Leser geschieht, hat man in dieser Art in den gängigen und allseits bekannten Diätbüchern noch nicht entdecken können. Menschliches, Persönliches, Privates, Intimes treten in den Vordergrund, wenn Abt die kleinen Fallstricke und Umwege des Selbstbetrugs charakterisiert, wie diese eben jedem Anfänger einer Diät entgegentreten können, früher oder später.

Im Prinzip ist jeder Versuch, sich mittels Diät zu verbessern und zu perfektionieren, nicht bloß abhängig von der körperlichen Einstellung, dem straffen Zeitplan und der notwendigen Disziplin, sondern eben auch von einer inneren Bereitschaft Ballast loszuwerden, Kräfte freizumachen, seelische Verwerfungen aufzubrechen, Konflikte zu analysieren und endlich zu lösen, damit die physische wie auch die psychische Komponente zu einer erfolgreichen Diät beitragen können.

Die exzellent gewählten und gefundenen Sprachbilder, die leichte, scheinbar mühelose Art des Erzählens zeichnen diesen Text aus.

Und siehe da: Abschließend zieht die Autorin ein versöhnliches und lebenskluges Resümee : "Mein Rat an alle Leserinnen und Leser: Essen Sie. Denn Essen schmeckt. Das Leben ist zu kurz, um es sich durch stetiges Entsagen zu verderben. Das Dasein hält auch ohne den leidigen Diätwahn viel zu viel Kummer und Sorgen bereit"

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