Herrliche Berglandschaft (Bild: S.M. Erdmann)

Landschaftliche Vielfalt im Alpenvorland

In weiter Ferne erkennt man sie: die "Schlafende Jungfrau". Ein Gebirgszug bestehend aus dem Wendelstein, dem Breitenstein und der Hochsalwand. Die Gebirge im Rücken, erstrecken sich im typisch flachen Alpenvorland die 4300 Hektar großen Rosenheimer Stammbeckenmoore. Eines der letzten naturnahen Hochmoore sind, mit einer Größe von 40 Hektar, die Sterntaler Filze. Die renaturierten Torfabbaugebiete erfreuen sich seit 2006 als beliebter Tummelplatz für Großlibellen, Enten und Baumfalken.

Bad Feilnbach - traditionell und urig

Weitverzweigt Radwege, Wanderwege und Langlaufloipen im Winter durch das Mangfall-Tal sind ein Traum für jeden Tourenplaner. Da ich mein geliebtes Sauerland gewohnt bin, wo sich Hügel an Hügel reiht, haben wir darauf verzichtet, Fahrräder mit in den Urlaub zu nehmen. Wer kein Radl mitnehmen möchte, kann sich auch getrost eins ausleihen. Informationen über Leihräder gibt es in der Touristeninformation von Bad Feilnbach. Allerdings ist es hier so flach wie in Norddeutschland, also zum Radeln wie geschaffen. Die Region um Bad Feilnbach, welche zur Gemeinde Rosenheim gehört, liegt nur etwa 500 Meter über dem Meeresspiegel und wird durch sein besonders mildes Klima als "bayerisches Meran" bezeichnet.

 

Wie man es von den typischen Postkarten gewohnt ist, blüht und grünt es an jeder Ecke. Von den Holzbalkonen hängen die Geranien in großer Pracht herunter und verströmen ihren Duft. Die schönen Wandmalereien runden dieses idyllische Bild noch zusätzlich ab. Es ist einfach urig, gemütlich und traditionell in Oberbayern.

Von der Eiszeit bis heute geprägt, wurde das Gebiet bereits von den Römern erobert und urbar gemacht. Bad Feilnbach wurde 980 als 'Fulinpah' – als 'Fauler Fluss' erstmals erwähnt. Auch das Örtchen Au lag einst an einer Römerstraße und war neben Dettendorf ein römischer Außenposten von Pfaffenhofen aus. Von den alten Römern ist nichts mehr übrig, dafür gibt es mit den reichhaltigen Moorgebieten zwischen Rosenheim und Bad Feilnbach noch immer Zeitzeugen der Eiszeit, welche auch dafür sorgten, dass Bad Feilnbach zum Moorbad und zum Natur-Heil-Dorf am Wendelstein ernannt wurde.

traditionelle Wandmalerei (Bild: S.M. Erdmann)

Kakao-Kühe säumten den Weg (Bild: S.M. Erdmann)

Alpenromantik - zwischen Milchvieh und bäuerlicher Wandmalerei

Landwirtschaftliche Klein- und Mittelbetriebe prägen das Bild der Region um Bad Feilnbach. Zu den Traditionen im Oberbayerischen Land gehört die Milchwirtschaft und der Getreideanbau für die köstlichen Bierspezialitäten. Überall sieht man die Kakao-Kühe (Kakao-Kühe sind braun-weiß-gescheckt, nicht zu verwechseln mit den Kaffee-Kühen, die schwarz-weiß-gescheckt sind!) auf den saftigen Streuobstwiesen grasen; Hühnerhöfe mit direktem Eierverkauf oder kleine Hofläden säumen die schmalen Wege durch die Ortschaften. Durch die weitesgehend traditionelle Bewirtschaftung der Höfe wurde die Vielfalt der Landschaft erhalten. Wiesen voll mit Kräutern und Wildpflanzen bereichern nicht nur das Tierfutter und tragen somit zur Gesundheit der Viechereien bei, sie machen auch die Milch gehaltvoll und schmackhaft. Durch die Holz- und Holzverarbeitungsbetriebe verströmt ein angenehmer Duft nach Harz und frisch geschnittenen Brettern in die sonst so geruchsintensive Landluft. Die Ortschaften sind klein und gemütlich. Meist bestehen sie nur aus wenigen Höfen und einer Kirche, die schon von Weiten erkennbar ist. Die Region lebt vom Tourismus und ist demnach auch darauf eingestimmt. In den großen Stuben, welche in einer längst vergangenen Zeit vom Gesindel, den Mägden und Knechten bewohnt wurden, werden heute Feriengäste, Familien mit Kindern und Wanderer untergebracht. Viele Bauern haben mit ihrem Milchvieh nur einen zusätzlichen Nebenerwerb und brauchen die Feriengäste zum Überleben. Kleinstbauern werden im Mangfall-Tal immer weniger, können sich die hohen Kosten nicht mehr erlauben und verlieren im Konkurenzkampf mit Großbauern, den Milchtransportern aus Polen und dem ständig sinkenden Milchpreis, welcher mittlerweile bei 26 Cent je Liter liegt.

typische bayerisches Bild: Alm-Kühe (Bild: S.M. Erdmann)

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