Statistik und Mathematik - Linearität vs. Nichtlinearität der Zusammensetzung von Intelligenz

Häufig wird die Behauptung aufgestellt Intelligenz werde zu 70 - 80% vererbt und nur 20% - 30% seien nichterblich bedingt.

Die Behauptung stützt sich auf Korrelationskoeffizienten von Regressionsanalysen bei Zwillingstests. Dabei wurden Unterschiede gemessen, die bei genetisch identischen Zwillingen auftraten, die unter verschiedenen Bedingungen aufwuchsen. Wichtig zur Beurteilung wäre jedoch eigentlich das Bestimmtheitsmaß, die Zahlen müssen also noch quadriert werden und lägen dann bei 0,5 - 0,64.

Die Darstellung der kausalen Einflüsse in Form von Prozentangaben ist jedoch an sich bereits fehlerhaft.

Bernhard Hassenstein, Verhaltensbiologe und ehemaliges Mitglied des Wissenschaftsrats, veröffentlichte bereits 1982, vor 30 Jahren, einen Aufsatz zum mathematischen Zusammenhang von Vererbung, Umwelt und Intelligenz. Er kam in Anlehnung an Olding Hebb zum Schluss, dass ein nicht-linearer Zusammenhang besteht. Sarrazin dagegen verfällt mit seinem Prozentdenken in die antiquierte Vorstellung eines linearen/summativen Zusammenhangs. Weil die meisten Menschen mathematisch nicht geschult genug sind die Ausführungen zu verstehen, brachte Hassenstein das anschauliche und simple Beispiel eines Rechtecks, das sich aus Länge und Breite zusammensetzt.

Sarrazin:

Umwelt + Vererbung = Intelligenz

Hassenstein:

Umwelt * Vererbung = Intelligenz

 

Wir haben hier ein Rechteck, bestehend aus der Länge a und der Breite b. Die Fläche des Rechtecks ist F = a * b.

Frage: Welchen Prozentanteil an der Fläche macht b aus?

Antwort: 100%

Mit b = 0 wäre F = 0 * a = 0

F ist ein Bild auf die Intelligenz, a symbolisiert den Einfluss der Vererbung und b den Einfluss der Umwelt. Die Bedeutung von Umwelt und Vererbung bei der Formung von Intelligenz ist also 100%.

Erbanlagen bringen erst in Verbindung mit Bildung und einer intelligenzförderlichen Umwelt ein positives Ergebnis.

Nebenbei: Empirische Ergebnisse zeigen bei der Vererbung von Intelligenz eine Regression zur Mitte. D.h. die Intelligenz eines Kindes überdurchschnittlich intelligenter Eltern wird wieder näher am Durchschnitt liegen und die Intelligenz eines Kindes unterdurchschnittlich intelligenter Eltern wird ebenfalls wieder näher am Durchschnitt liegen. In der Tendenz findet beim Teilaspekt der Vererbung eine Entwicklung zum Durchschnitt statt.

Intelligenz durch Training steigerbar - Um bis zu 20 Punkte bei Jugendlichen

Britische Forscher haben in einer Studie mit Jugendlichen erst kürzlich herausgefunden, dass die Intelligenz, gemessen als IQ, keineswegs in Stein gemeißelt ist. Der IQ kann sich um bis zu 20 Punkte nach oben und unten verändern, je nachdem wie fit man sein Gehirn hält. Das ist immerhin der Unterschied zwischen durchschnittlich und überdurchschnittlich intelligent. Eine Veränderung von 100 zu 120 auf der IQ-Skala ist mehr als bemerkenswert.

Das belegt, dass die Umwelt einen signifikanten Einfluss auf unsere Intelligenz hat und Bildung keineswegs überflüssig ist, unsere Geburt unsere Fähigkeiten und Potentiale nicht bereits vorherbestimmt, die Geburtenrate der sog. Unterschicht keine Vorhersage über die Zukunft und ob wir uns abschaffen erlaubt. Investitionen in gute Bildungseinrichtungen sind keine Geldverschwendung, sie sind von essentieller Bedeutung. Denn selbst das Kind eines Hartz-IV Empfängers, selbst ein Arbeiterkind, selbst ein Migrantenkind, selbst Sie können mit dem richtigen Training ihre Leistungsfähigkeit verbessern...insbesondere in jungen Jahren.

Die Intelligenz wird durch aktives Training gesteigert. Forscher sagen überdies einhellig, dass das Steigerungspotential gerade bei niedrigen Ausgangsvoraussetzungen am größten ist. Bei vielen Kindern armer Schichten hilft bereits eine gesunde, ausgewogene Ernährung und etwas mehr sportliche Aktivität, um die Leistungsfähigkeit erheblich zu steigern. Ein gesunder Geist setzt nämlich auch einen gesunden Körper voraus.

Tipps zum Gedächtnistraining
Autor seit 4 Jahren
13 Seiten
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