Glückspiel: Kontaminiertes Blut und Blutprodukte

Faktor VIII, ein Präparat, das in Großbritannien in den 80er Jahren an Hämophilie-Patienten verabreicht wurde, forderte ein großes Opfer, denn durch das verunreinigte Medikament wurden etwa 3000 Menschen mit Hepatitis C und/oder HIV infiziert. Hämophilie-Patientinnen und Patienten haben Schwierigkeiten mit der Blutgerinnung. Dies bedeutet, es führten kleine Verletzungen bereits zu hohem Blutverlust.

 

Das Blut für die Produkte wurde "Menschen in amerikanischen Gefängnissen oder Drogensüchtigen" abgenommen – zwar hieß es, dass Großbritannien sich aus eigener Kraft mit Blut versorgen könne, dies wurde aber nicht durchgesetzt. Stattdessen wurden (unter der Regierungzeit Thatchers) Blutprodukte importiert. Als der Skandal publik wurde, vermutete man zunächst einen Zusammenhang mit den Atomtests der Sowjetunion. Es wurden Studien am Menschen empfohlen, um herauszufinden, wie diese Infektion sich ausbreitet. Nach Jahren gab es nun einen Prozess. Im Mai 2019 hieß es in einem Brief einer Abgeordneten an die Premierministerin: "Bis zum Jahr 2019 sind 2.800 Menschen an tödlichen Viren durch kontaminiertes Blut und Blutprodukte gestorben." (vgl. Faktor VIII, Tödliche Medizin, RT)

 

1978/79 kam es zu einem ähnlichen Fall in der DDR, bei dem eine Reihe von Versuchspersonen mit Hepatitis B und C infiziert wurden. Im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit 2016 wurde diese Arzneimittelstraftat aufgedeckt und untersucht. Die Studienautoren sprechen von einem "Medizin-Skandal der vertuscht wurde". Es wurde offenbar absichtlich an einem "im Weltmaßstab einmaligen Patientengut" getestet. Ob dieser Fall jemals vor Gericht kam, ist nicht bekannt.

 

 

Golfkriegsveterane – verseucht, verstrahlt, verraten

 

Das Golfkriegssyndrom ist für die Forscher der US-Army mehr als nur Schäden aus den im Krieg eingesetzten chemischen und atomaren Kampfstoffen. Es wurden die Frauen und Männer, die in den Einsatz geschickt wurden, auch vorab mehrfach geimpft. Die Impfungen belasten, gemeinsam mit den Kampfstoffen, das Immunsystem. Sie vergifteten sich gewissermaßen vor lauter präventiver Maßnahmen selbst. Es mag sogar sein, dass die Rückkehrer nicht nur am Einsatz einer einzigen Spritze, am Einsatz im verseuchten Kampfgebiet oder an den vielen Alarmen an chemischen Kampfstoffen lag, sondern die Kombination diese Diseases verursachen dürfte. Auch würde das Zugeben von Zusammenhängen es erfordern, die abgeschlossenen Haftpflichtversicherungen auszuzahlen. Für die Soldaten, ihre Frauen und auch die Kinder. Denn alle sind mehr oder weniger stark belastet.

 

Hormonpräparate Dyogynon, Primodos, Gestest und Co

Die 60er und 70er Jahre haben bei der deutschen Bevölkerung tiefe Eindrücke hinterlassen. Die hochkonzentrierten Hormone, die die Firma Schering auf den Markt gebracht haben, werden lang nicht als Verursacher anerkannt. Der Konzern behauptete, es gäbe keinen echten Zusammenhang zwischen dem Hormonpräparat und den Missbildungen.

 

Aufgrund einer Recherche finden sich mehrere Opfer des Präparates, sie gehen 2010 vor Gericht. Auch in Großbritannien wurde das Medikament verkauft, unter anderem Namen und mit katastrophaler Wirkung. Zahlreiche Paare wurden nach der Verordnung von Primodos Eltern missgebildeter Kinder. Der hormonelle Schwangerschaftstest wird auch als Abtreibungspille eingesetzt. Die Unterlagen aus Berlin, die im Rahmen der Recherche von Mary Lyon, der Mutter eines betroffenen Kindes, besagen, dass das Medikament ohne vorherige Testung auf den Markt kam. Es liegt auch nahe, dass die Patientinnen, denen das Medikament verschrieben wurde, eigentlich Testpersonen waren, ohne ihr Wissen. Später verschwanden die Unterlagen, man löschte die Namen der Teilnehmerinnen.

 

1961 kam der Contergan-Skandal ans Licht. Auch bei Einsatz des Schlafmittels Contergan wurden in der Folge Kinder mit Missbildungen geboren. Danach kam es zu einem rasch einberufenen Ausschuss, der die Mittel Dyogynon (Schering Berlin), Gynäkosid (Boehringer Mannheim) und Di-Pro (Organon München) als problematische Östrogen-Präparate erkannt hat. Doch anstelle einer Einstellung des Verkaufs, wird bei Schering die Norethisteronacetat-Dosis verdoppelt. Wissentlich der fatalen Wirkung des Präparates. Jahre später wird intern eine Studie von Schering in Auftrag gegeben. Es wird ein Zusammenhang nicht mehr ausgeschlossen. Die Hormonkombination gilt als nicht ganz harmlos.

 

In Großbritannien wird daraufhin ein Hinweis auf der Packung angebracht, dass das Einnehmen in der Schwangerschaft zu Abbrüchen und Missbildungen führen kann. Ob es auch bei Personen ohne Schwangerschaft Folgewirkungen gibt, ist nicht bekannt. In Deutschland wurden keine Hinweise angebracht. Das Gesundheitsamt Deutschlands ermittelt nicht, im Gegenteil, die Beamten springen Schering zur Seite – kam es zu Korruption?

 

Es kam danach zu einer Warnung in den USA, zu Reaktionen in Schweden, Sri Lanka, Singapur. Es kam nun auch dazu, dass Schering den Einsatz als Schwangerschaftstest zurückzog. Nur die Ärzte erfuhren es nicht flächendeckend, so gelangten immer wieder Dragees in den Umlauf. Es gibt ein weiteres Präparat: in den USA wird ein dem Duogynon ähnliches Medikament analysiert. Ein Wissenschafter meldet seine Erkenntnisse des Risikos an Missbildungen an Schering-Berlin.

 

In der Folge schließen sich auch die Frauen Deutschlands zu einer Selbsthilfegruppe zusammen und stellen Strafanzeige wegen Körperverletzung. Aber alle Pharmakologen des BGA Deutschlands verfügten über Nebentätigkeiten für Schering-Berlin! Ob dies statthaft ist bei Verwaltungsangestellten? Es gab keine Patientensicherheit.

 

 

Die Primodos-Affäre

 

Nach Bekanntwerden der Zusammenhänge interessierte sich die Times für den Fall und recherchierte. Es gibt auch einen Dokumentarfilm, der von einem Fernsehjournalisten zusammengestellt wurde, der den Fall beleuchtete. Schering ging gegen die Veröffentlichung des Mediums vor, vermutlich weil darin ein Interview mit einem Forschungsdirektor der britischen Schering-Tochter vorkam. Der Forschungsdirektor war in seiner Aussage sehr deutlich und mutmaßte, dass es einen Zusammenhang von Dyogynon und der Zusammensetzung der Anti-Baby-Pille gibt, der an dem Präparat festhalten ließ. Kurze Zeit später kam der Forschungsdirektor zu Tode. Das British Film Institut beherbergt bis heute das einzige Exemplar dieser Dokumentation, die bis heute nicht öffentlich ist. In vielen kleinen Fernsehdokumentationen, die heute sehr wohl ausgestrahlt werden dürfen, kommt das Geschehen zur Sprache:

 

Primodos – Dyogynon used for Abortions

Medikamenten-Skandal – Neue Hoffnung für Duogynon-Opfern

Akte Duogynon – Verzweifelter Kampf um Aufklärung – Kontrovers BR

Leider sind die Verantwortlichen nur schwer zufassen, denn das ist ein System, das gewissermaßen enorme Summen in Umlauf bringt, und über die Firmen und Tochterfirmen der Pharma-AGs gewaltige Summen an Schmiergelder an Beamte und Gutachter auszahlt, an Ärzte per Provision und damit die Patientensicherheit gefährdet, zumal diese ja oft ohne ihr Wissen an diesen Experimenten teilnimmt. Ankläger sind nur schwer zu finden. Die Handhabung der vielen Tests anderer, noch anonymer, Firmen, an anderen Orten, dürften ähnlich sein. Dabei nehmen viele, oft ältere Patienten, eine Vielzahl an Medikamenten – die sich in ihrer Wirkung teilweise aufheben. 

 

Timeline

____1930 ____________1972 Durchgehend Tests an schwarzen Männern: Syphilis-Experimente

______1940er: Gerüchte um das russische Schlafexperiment – Gas

________1950er: Tests an Frauen in Puerto Rico, Familienplanung; Anti-Baby-Pille

__________1960er: 1960 Massive Schädigungen an Embryos durch Contergan werden bekannt.

 

1961 Skandal wird öffentlich, Jahre später kommt es zum Prozess (1967)

1962 Duogynon, erste Fälle von Missbildungen bei Babys werden bekannt sensibilisiert durch den Contergan-Skandal wird eine Konferenz einberufen, die auch andere Hormonpräparate (Di-Pro, Gynäkosid, …) hinterfragen will.

1967 Prozess Contergan – Es wird klar, dass keine Arzneimittelsicherheit existiert, die Industrie sollte sich nicht eingeschränkt werden.

 

_____________________1970er: Erste Fälle von Faktor VIII, Bluter werden durch kontaminierte Blutprodukte mit Hepatitis und HIV infiziert.

1978: In der DDR wird ein Medizinskandal (Hepatitis) vertuscht.

 

__________________________1980: Cutter Japan (Bayer) verkauft aidsverseuchte Produkte in Asien, nach dem Verkaufsstop in Japan wurden diese nach Argentinien geliefert. Im Jahr 2003 schließen sich asiat. Patienten zusammen, um eine 2004 Klage in Kalifornien einzureichen. Gegen Bayer.

 

Links

 

BR

Arzneimittelskandal Missbildungen

https://www.br.de/br-fernsehen/sendungen/kontrovers/duogynon-arzneimittelskandal-missbildungen-100.html

 

Deutsche Apotheker Zeitung

BMG leitet Untersuchung ein

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2020/09/22/bmg-leitet-untersuchung-ein

 

Spiegel

8 Artikel um die Duogenon-Affäre

https://www.spiegel.de/thema/duogynon/

 

Wikipedia

Norethisteron

https://de.wikipedia.org/wiki/Norethisteron

 

Website der Duogynonopfer in Deutschland

https://duogynonopfer.de/

 

 

 

* Die Bezeichnungen "Arzt" und "Patient" ua. stehen sinngemäß auch für die weiblichen Entsprechungen. 

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