Philosophen sind Menschenfreunde

Man mag seinen Augen nicht trauen, aber die Philosophen haben sich als Erste mit dem Begriff der Langeweile beschäftigt. Die Ansichten beginnen bei dem Gefühl des Menschen, er befinde sich im Urzustand der Schöpfung (des Seienden), so wird Martin Heidegger zitiert (*).
Dies kann ein interessanter Gedankenanstoß sein. Man tut nichts, im Menschen sammelt sich Energie an, und aus diesem Zustand heraus entsteht ein neues Schaffen. Der Geist nimmt sozusagen Anlauf für den nächsten Gedankensprung.

Langeweile - Kraft sammeln für den nächsten Spurt (Bild: skeeze/ pixabay.com)

Dazu finden sich natürlich etliche Bemerkungen anderer Philosophen, die die Langeweile als teils unerträglichen Zustand des menschlichen Daseins brandmarken.

Die vielleicht interessanteste Notiz seitens der Dichter und Denker findet man bei Nietzsche. Die Darstellung im Wikipedia Artikel kann man dahingehend interpretieren, dass Nietzsche die Langeweile als eine Art höchsten Glückszustand verstanden habe (*).

Die Hängematte: Muße oder Langeweile?

Herumhängen - ist das Langeweile oder Muße? (Bild: OpenClipartVectors/ pixabay.com)

Fairerweise muss man an dieser Stelle bemerken, dass wir die Muße, also die freie Zeit, im modernen Verständnis gegen die als negativ empfundene Langeweile abgrenzen.
Das Herumhängen in der Hängematte hierzulande oder auf der Südseeinsel gilt uns als Muße, nicht als Langeweile. Nietzsches Interpretation lässt an dieser Stelle ausreichend Raum für Diskussionen zu diesem Begriffspaar.

Immerhin, einige bedeutende Denker meinen, dass die Langeweile sehr wohl positive Komponenten in sich tragen. Und daraus könne der Mensch etwas Neues gestalten. Für manchen Menschen ist dies vielleicht ein neuer Aspekt.

Propeller-Eltern

Der genannte Artikel (*) hält unter der Rubrik "Pädagogik" eine weitere Überraschung bereit. Demnach wollen Kinder manchmal auch mit Genuss herumhängen und den lieben Gott den Tag gestalten lassen. Die Betonung liegt auf "genussreich".

Kinder können einfach herumhängen (Bild: PublicDomainPictures/ pixabay.com)

Erst die Eltern wollen demnach die Kinder "über-behüten" und mit Aktivitäten überhäufen, sodass die Kinder diese freie Zeit nicht ausschöpfen können. Man kann den Ansatz so verstehen, dass aus freier Zeit eine natürliche Kraft entstehen kann, die wieder in neue Aktivitäten mündet. In dieser Hinsicht haben sich die alten Philosophen ähnlich ausgedrückt.
Die Message lautet dann: Langeweile zulassen und warten, bis ein neuer Antrieb von selbst entsteht. Ein interessanter Ansatz, der vollkommen kontrovers zu den sonstigen Wusel-Vorschlägen steht.

Die Aussagen aus der Soziologie zu dem Thema sind vielfältig und oft schon mehrfach kommuniziert worden. Auch der Ausdruck vom "Boreout" ist nicht mehr ganz neu. Darunter wird eine Unterforderung im Beruf verstanden.

Zulassen als Challenge

Wenn nichts los ist, dann wird etwas losgemacht. So gilt die Standardregel.
Es ist schwieriger einen gewissen Leerlauf zuzulassen, denn dazu sind wir nicht angehalten worden. Den jungen Menschen in asiatischen Erziehungssystemen scheint es manchmal besser zu gehen als den Kindern im Westen. Sie werden zu Achtsamkeit und Geduld erzogen – so liest man zumindest. Vielleicht sollten wir einmal zur Abwechslung eine Idee abkupfern.

in der Ruhe .. (Bild: suc/ pixabay.com)

Was bleibt? Das Thema Langeweile ist nicht ganz ohne Relevanz für den Alltagsmenschen. Staus und ein teils langweiliges Fernsehprogramm begleiten uns wie Naturgewalten.
Wir sind von Natur aus neugierig und immer auf der Suche nach etwas Neuem. Kurzweil vertreibt zwar die Zeit, aber auf die Dauer hilft sie nicht gegen die Langeweile. Was hilft dann? Ein genussvolles Aushalten von Momenten, in denen nicht los ist, so wie die Kinder es tun. Und daraus wieder etwas Neues entstehen lassen.
Ein interessanter Ansatz – und reichlich Raum für Diskussionen

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