Was wissen wir genau?

Über das Phänomen der Eiszeitalter wissen wir nicht allzu viel. Dies geben auch Geologen zu.
Die Gründe für das relativ unscharfe Knowhow liegen darin begründet, dass erste Eiszeitperioden sich bereits vor zwei Milliarden Jahren auf der Erde ereignet haben. Die Rückverfolgung auf die damaligen Ursachen ist vom Datengerüst her verständlicherweise schwierig.
Neuere Messergebnisse liegen "nur" mehrere Millionen Jahre zurück. Daraus können Geologen und Klimaforscher sinnvolle Rückschlüsse ziehen.
Die letzte Eiszeit hat vor zwei Millionen Jahren begonnen. In geologischen Zeiträumen ist dies ein Wimpernschlag. Entsprechend versuchen die Klimaforscher daraus allgemeingültige Ergebnisse für ihr Forschungsgebiet abzuleiten.

Was ist eine Eiszeit?

Mancher interessierte Leser könnte sich unter dem Begriff vorstellen, dass die gesamte Erde von einem dichten Eispanzer bedeckt ist. Geologen sehen dies anders. (1)
Für die Wissenschaft genügt es schon, wenn einer der beiden Pole vergletschert ist, wie es im entsprechenden Sprachgebrauch heißt. Der Südpol ist seit 30 Millionen Jahren bereits unter Eis begraben. Demnach leben wir also seit dieser unglaublich langen Periode in einem Eiszeitalter.
Die genannte Ansicht hat auch Widersacher auf den Plan gerufen. Nach dem Verständnis der wissenschaftlichen Opposition bedeutet ein Eiszeitalter, dass in beiden Erdhälften weitgehende Vergletscherungen stattgefunden haben. Seit etwa zwei Millionen Jahren liegen beide Pole der Erdkugel unter Eis. Der Alltagsmensch ist über diese Begriffsfindung und ihre Konsequenzen erstaunt.
Gemäß dieser Definition befinden wir uns also seit circa zwei Millionen Jahren in einer eiszeitlichen Periode.

Die Klimaforscher wollen bisher schon sieben Eiszeitalter auf der Erde gezählt haben. Zwischen diesen Abschnitten liegen die sogenannten Warmzeiten.

Was ist eine Warmzeit?

Zeitabschnitte mit durchschnittlich höheren Temperaturen als in den Kaltzeiten werden Warmzeiten genannt. Der Begriff allein gibt dem interessierten Betrachter auf den ersten Blick keine sehr erschöpfende Auskunft. In Warmzeiten herrscht ein Klima auf dem Planeten, dass keine Vereisung der Polkappen ermöglicht. Und dies geschah bisher zu etwa achtzig Prozent der Erdgeschichte von etwa vier Milliarden Jahren.
In den Warmperioden herrschte auf der Erde eine Durchschnittstemperatur von 25 Grad. In den Eiszeiten sank dieser Durchschnittswert weltweit auf 15 Grad ab. (2)

Nun muss man noch einmal nachlesen. Die Erde ist etwa vier Milliarden Jahre alt. Über mehr als drei Milliarden Jahre waren die Polkappen der Erde nicht vereist. Es herrschte Warmklima. Dazwischen ereigneten sich Abkühlungsperioden, in denen die Pole vergletscherten. Davon gab es sieben Perioden, die jeweils unterschiedlich über mehrere Millionen bis zu einigen hundert Millionen Jahre erstreckten.
Die Erde erlebt also ständig wiederkehrend Perioden von Warm- und Kaltklima Situationen, bei denen die Warmperioden allerdings eindeutig überwiegen.

Woran erkennen Geowissenschaftler die damaligen Vorgänge?

Drei Indizien helfen ihnen bei der Suche.
1. Geologische Formationen 2. Flora 3. Fauna .
Eiszeitperioden hinterlassen in den Erdschichten Spuren, die sich wesentlich von anderen geologischen Zeitaltern unterscheiden. In den entsprechenden Strukturen finden sich Streifen unterschiedlicher Dichte und Zusammensetzung. Geologische Prozesse haben vielfältige Spuren hinterlassen.

(Bild: kkorvin/ pixabay.com)

Pflanzen und Tiere haben sich über Millionen von Jahren dem Klimawandel anpassen müssen.
Aus Fossilien können Forscher heute zahlreiche Daten rekonstruieren, die eine Zuordnung auf erdgeschichtlichen Skalen erlauben. Orte wie die bekannte Grube Messel bei Darmstadt stellen dementsprechend eine wahre Fundgrube für die Forschung dar.
Sedimentgesteine enthalten außerdem Reste von Pollen und von anderen Organismen. Aus dem Zahnschmelz von Lebewesen lassen sich Ernährungsgewohnheiten rekonstruieren. Der Einfluss des wechselnden Klimas auf die Fauna lässt klare Zusammenhänge zwischen dem jeweiligen Erdzeitalter und der Pflanzenwelt erkennen.

Leben wir jetzt in einer Kalt- oder einer Warmperiode?

Die Begriffe Kaltzeit und Warmzeit sind unscharf. Wir leben in einer sogenannten Zwischenkaltzeit. Es herrscht auf dem Planeten seit zwei Millionen Jahren ein Eiszeitalter. Dieses wird allerdings seit circa 12.000 Jahren von einer Warmzeit unterbrochen. Zu deren Beginn, also vor 12.000 Jahren, wird eine globale Sintflut verortet. Wir befinden uns nach Ansicht einiger Geologen in einem nachsintflutlichen Abschnitt der Erdgeschichte. Diesen etwas umständlichen Ausdruck versucht die Wissenschaft durch den Begriff Neo-Warmzeit neu zu fassen. Dem weniger sachkundigen Leser bleibt die vage Erkenntnis, woher der Ausdruck "nach mir die Sintflut" stammen könnte.

Warum ist es zurzeit so warm auf der Erde? Und warum entstehen grundsätzlich diese Wechsel zwischen Wärme- und Kälteperioden?

O sole mio?

Man könnte meinen, dass die unterschiedliche Sonnenintensität ein jeweils warmes oder frostiges Klima auf der Erde verursachen müsste. Dem ist allerdings nicht allein so.
Die Sonne spielt eine Rolle, ebenso Vulkanismus und auch planetarische Kräfte, die auf die Erdachse einwirken. Aber die Erde selbst verursacht zum weitaus größten Teil ihr jeweiliges Klima.
Die Ursachen der Kontinentaldrift liefern die Erklärung. 

Pangäa und das Atlantis Rätsel am Südpol

Die Kontinente auf der Erde haben sich über Jahrmillionen immer wieder verschoben. Ein interessierter Bürger liest hin und wieder in seinem Leben vom Urkontinent Pangäa. Dieser hat in der Vorstellung der Geologen in etwa folgendermaßen ausgesehen.

Auf dem Weg vom Urbild zur heutigen Erscheinung hat die Erde vielfältige Korrekturen im Aussehen erfahren. Nicht alle Bewegungen der Erdkruste waren pure "Schönheitsoperationen". Zwei Vorgänge haben unsere Kälte- und Wärmeperioden besonders stark beeinflusst. Die Verschiebung von Bruchstücken der ursprünglichen Landmasse nach Süden und die Bildung der jetzigen Landbrücke zwischen Nord- und Südamerika.

So haben die Abspaltungen der heutigen Kontinente Australien und Afrika den Zufluß von warmen Meeresströmungen zur Antarktis weitgehend abgeschnitten. Der einstmals eisfreie Kontinent Antarctica vergletscherte. Ähnliche Tendenzen haben zur Bildung der Eiskappen am Nordpol und zur Vereisung der Insel Grönland geführt. Dazu beigetragen haben die Aufwerfung der Landbrücke zwischen Nord- und Südamerika sowie der Einbruch der ehemaligen Verbindung zwischen Nordamerika und Asien im Bereich der Bering-See. Auch hier wurden im großen Stil Meeresströmungen umgeleitet mit entsprechenden Auswirkungen des Klimas in den betreffenden Regionen.

Vereisung - die Landbrücke zwischen Nord- und Südamerika
Vereisung - die ehemalige Landbrücke in der Bering-See

Zyklen bestimmen das Geschehen

Die Erde durchlebt ein ständiges klimatisches Auf und Ab. Wir werden, etwas humorvoll betrachtet, auf überschaubare Zeit weiterhin die jeweiligen saisonalen Kleiderstücke zwischen dem Schlafzimmerschrank und den Schränken in der Mansarde hin- und hertragen.
Vom Gesichtspunkt der glazialen Forschung her gesehen hat die Menschheit vorerst keine tiefgreifende Frostperiode zu befürchten. Es kann eher das Gegenteil geschehen, wenn wir durch technologische Eingriffe in die Umwelt einen Knick im langfristigen Klimaverlauf produzieren.

Warm oder kalt?

Die Forscher selbst tun sich verständlicherweise bei dem Thema Eiszeitalter schwer. Der interessierte Bürger möchte eventuell dennoch verstehen, was vor sich geht - in der Welt, in der wir leben.

Das Verständnis geht in diese Richtung: meteorologisch gesehen leben Menschen und Tiere und Pflanzen in einer Zwischenkaltzeit Periode. Wir bekommen also so schnell keine neue Eiszeit - wir haben sie bereits. Allerdings ist es außerhalb der Polregionen für die Lebewesen erträglich warm.

Für nachdenkliche Menschen bleibt ebenfalls eine Erkenntnis. Die Sonne und vor allem die Erde selbst bestimmen das Geschehen auf unserem Planeten. Wir sind die Gäste, und wir können uns gern entsprechend einrichten und im Sinne der Evolution weiterentwickeln. So betrachtet ist ein bisschen Demut nicht fehl am Platze.

Textquellen:

(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Eiszeitalter
(2) https://de.wikipedia.org/wiki/Warmklima

Lese-Empfehlung: Rand Flem-Ath, Atlantis, der versunkene Kontinent unter dem ewigen Eis, Hoffmann & Campe Verlag, Hamburg 1996

Autor seit 2 Jahren
180 Seiten
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