Ein besonders dummdreister Abzock-Versuch

Am nachmittag des 02.März 2013 erhielt ich einen merkwürdigen Anruf. Der Anrufer nannte seinen Namen und begrüßte mich freundlich am Telefon. Dann kam er zur Sache. Er redete sehr schnell und ließ mich kaum zu Wort kommen. Im letzten Jahr hätte ich an einem Gewinnspiel teilgenommen, und er wollte mich fragen, ob ich daran weiterhin teilnehmen wollte. Ich habe darauf entgegnet, dass ich nichts von einem Gewinnspiel wüsste. Er meinte daraufhin, dass das Spiel bis jetzt kostenlos gewesen wäre, und es würde ab sofort 69 Euro im Monat kosten. Ich könnte aber auch jetzt telefonisch kündigen. Denn wenn ich jetzt nicht kündigen würde, dann wäre ich für weitere neun Monate zur Teilnahme an diesem Gewinnspiel verpflichtet. Ich war am Telefon im Moment etwas sprachlos und etwas überrumpelt. Dies merkte der Anrufer, und er fügte noch hinzu, dass bei dieser Lotterie ja eine Gewinngarantie bestehen würde. Wenn ich dennoch nicht teilnehmen wollte, könnte er mich zwar aus dem Gewinnspiel herausnehmen, ich müsste allerdings jetzt telefonisch kündigen. Um die telefonische Kündigung vorzunehmen, müsste ich ihm nochmal meinen Namen und meine Anschrift zur Überprüfung nennen - und meine Bankdaten bestätigen!

Datensicherheit im Internet?

Besonders dreist: Der Anrufer konnte noch nicht einmal angeben, an welchem Gewinnspiel ich angeblich teilgenommen hatte. Er meinte nur, es wäre eben anfangs kostenlos gewesen, und dann kostenpflichtig geworden.

Nachdem ich anfangs den Namen des Unternehmens nicht verstanden hatte, da der Anrufer zu schnell und undeutlich gesprochen hatte, habe ich nochmals nach dem Firmennamen gefragt. Die Firma nennt sich EGS Europäischer Gewinnservice.

Ich habe zunächst die Bedingung angenommen, dass ab Mitte April 2013 drei Monate lang 69 Euro von meinen Konto abgebucht werden. Ich hatte nämlich vor einigen Monaten tatsächlich an einigen kostenlosen Gewinnspielen teilgenommen - aber die waren eben kostenlos, und zwar dauerhaft. Sollte ich etwa die Teilnahmebedingungen nicht richtig gelesen haben? Nein! Bestimmt nicht! Aber im Moment war ich von diesem Anruf zu sehr überrascht! Und das genau ist die Taktik von EGS gewesen...

Das angeblich kostenpflichtige Gewinnspiel - eine Luftnummer!

Nachdem ich einen zweiten Anruf am gleichen Nachmittag von EGS bekommen hatte, diesmal von einer freundlichen Dame, die nochmals meine Daten abgefragt hat - zur Überprüfung wie sie meinte - habe ich einige Tage später die Teilnahmebedingungen von EGS schriftlich erhalten. Und auch in diesem Schreiben stand nichts davon, wann und an was für einem Gewinnspiel ich konkret teilgenommen hätte - genau das hatte ich vermutet.

Aus dem Anschreiben ging hervor, dass die Firma EGS Europäischer Gewinnservice hat ihren Sitz in Istanbul hat! Es gibt auch eine Postadresse in Mörfelden-Walldorf in der Nähe von Frankfurt. Ich habe daraufhin eine schriftliche Kündigung per Einschreiben an diese Adresse gesandt! In der nicht sehr freundlich formulierten Kündigung habe ich erwähnt, dass ich an keinem kostenpflichtigen Gewinnspiel teilgenommen habe, und dass versteckte Kostenfallen im Internet zudem verboten sind. Außerdem würde ich Anzeige gegen das Unternehmen erstatten.

 

Sicher sind nicht alle Gewinnspiele unseriös, aber ...

Dann kann es vorkommen, dass man Telefonanrufe von Unternehmen bekommt. Dabei bedanken sich die freundlichen Damen und Herren, Mitarbeiter/innen eines Call-Centers, für die Teilnahme, wünschen viel Glück und - möchten noch ein günstiges Angebot unterbreiten. Dies kann ein Zeitschriften-Abonnement sein, oder eine günstige Reise, oder...

Ich jedenfalls werde an kostenlosen Gewinnspielen nicht mehr teilnehmen - denn nach diesem Vorfall vermute ich, dass meine Daten an die EGS widerrechtlich weitergegeben wurden. Wenn man sich bei der Polizei erkundigen möchte, so gibt es bei der Landespolizei einiger Bundesländer eine Internetwache. Ich selbst wohne in Bayern, wo es keine Internetwache gibt. Aber ich habe auf meine email-Anfrage an die Bayerische Landespolizei eine freundliche Antwort bekommen, dass gegen das Unternehmen EGS bereits einige Strafanzeigen eingegangen sind. Diesen Strafanzeigen werde ich mich anschliessen - ich werden ebenfalls Anzeige gegen dieses unseriöse Unternehmen erstatten.

Meine Schlußempfehlungen - falls Sie mit solch dubiosen Anrufen belästigt werden...

Geben Sie auf keinen Fall ihre Bankdaten preis - falls Ihre Bankdaten schon bei solchen unseriösen Anrufern bekannt sind - achten Sie auf ihr Bankkonto: Falls etwas illegal abgebucht worden ist, können Sie die Abbuchung innerhalb sechs Wochen zurückbuchen. Und versuchen Sie, ihr Konto für dieses Unternehmen sperren zu lassen.

Von meinem Konto wurde bisher nichts abgebucht, nachdem ich in meiner Kündigung mit einer Strafanzeige gedroht habe. Ich wurde sogar nach meiner Kündigung noch einmal von einer Anruferin belästigt, die auf mich einzureden versuchte, und mich überreden wollte, die Kündigung zurückzunehmen.

Falls Sie also ebenfalls von EGS oder einem ähnlichen unseriösen Unternehmen belästigt worden sind - legen Sie einfach auf! Denn diese Leute haben im Grunde gegen Sie nichts in der Hand! Und melden Sie solch einen Vorfall der Polizei!

Autor seit 6 Jahren
13 Seiten
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