Eine Überdosis Jod steht, neben der Begünstigung einer Schilddrüsenunter- oder -überfunktion, auch im Verdacht, weitere Gesundheitsprobleme wie Entzündungen der Schleimhäute oder im Magen-Darm-Bereich, Durchblutungsstörungen und sogar Hautkrankheiten hervorzurufen. Außerdem erhöht sich durch die übermäßige Jodzufuhr möglicherweise auch das Risiko, Allergien gegen bestimmte Inhaltsstoffe in Lebensmitteln oder gegen das Jod selbst zu entwickeln.

Brauchen wir vor diesen Gesichtspunkten also wirklich mehr Jod, wie es in den Medien und von der Nahrungsmittelbranche, teilweise auch von medizinischen Vertretern, immer wieder vorgebetet wird? Oder ist es nicht vielmehr so, dass eine vernünftigere Dosierung dieses Stoffs, in manchen Fällen sogar eine Reduzierung, angemessen wäre? Dies mag jeder mit Blick auf seine Gesundheit selbst entscheiden.

Wozu braucht der Körper überhaupt Jod?

80 Prozent des vor allem mit der Nahrung aufgenommenen Jods benötigt die Schilddrüse für die Bildung der Schilddrüsenhormone Trijodthyronin (T3) und Tetrajodthyronin (T4). Des Weiteren ist das Spurenelement für den Energiestoffwechsel, die Bildung der Knochen sowie für die Gehirnentwicklung bedeutsam. Ein Mangel an Jod kann zu Symptomen wie Müdigkeit, Problemen bei der Konzentration, trockener und blasser Haut führen. Auch allgemeine Schwäche, Verstopfung oder eine Empfindlichkeit gegen Kälte kann auf einen Jodmangel hindeuten. Zu beachten ist allerdings, dass der Jodbedarf eines Menschen mit steigendem Alter abnimmt. Außerdem kann die allgemeine Schlappheit auch andere Gründe haben als eine zu geringe Jodzufuhr. Deshalb gilt es im Einzelfall immer - gemeinsam mit dem behandelnden Arzt - abzuwägen, wo bei der Bekämpfung der Symptome angesetzt werden sollte.

Ist Deutschland ein Jodmangelgebiet?

Anhänger der Theorie, im deutschen Gebiet würde grundsätzlich Jodmangel herrschen, argumentieren oft damit, dass nur ein kleiner Teil Deutschlands am Meer läge. Dabei befindet sich nicht nur im Meer Jod, sondern es sind auch im Boden, in kleineren Mengen auch im Gestein (und somit auch in gebirgigeren Regionen), Jodvorkommen vorhanden. Zudem enthalten manche Mineralwässer aus deutschen Regionen Jod. Durch den Verwitterungsprozess von Felsen und Steinen lösen sich Jodverbindungen im Regenwasser. Letztendlich gelangen sie in die Gewässer und ins Grundwasser und fließen über die Flüsse ins Meer ab.

Über die Frage, ob die natürlichen Vorkommen an Jod hierzulande ausreichen, um die Menschen damit zu versorgen, diskutieren die Gemüter schon lange. Fakt ist allerdings, dass es außer einem Jodmangel auch ein Zuviel an Jod geben kann, insbesondere, seit zahlreiche Lebensmittel und sogar Tierfutter massenhaft künstlich mit Jod versetzt werden. Im Zeitalter des internationalen Handels dürfte der lokale Jodgehalt im Boden und im Wasser ohnehin nicht mehr so sehr ins Gewicht fallen wie früher.

Als sich einst die ersten Menschen auf dem heutigen deutschen Gebiet niederließen, hat sich niemand Sorgen über einen etwaigen Nährstoffmangel gemacht - überlebt haben sie trotzdem. Seit aber Lebensmittel in Deutschland zwangsjodiert werden, hat zugleich auch die Zahl der Schilddrüsenerkrankungen sowie Jodverwertungsstörungen zugenommen. DAS sollte der WHO ebenso zu denken geben! Die künstlich jodierten Futtermittel gelangen wiederum über den Kot der Tiere in die Erde, wo das Jod von den Pflanzen aufgenommen wird.

Jodhaltige Lebensmittel gibt es viele

Der Körper benötigt nur eine geringe Menge Jod, laut Weltgesundheitsorganisation 180 bis maximal 200 Mikrogramm täglich. Manche Kritiker finden diese Zahl allerdings schon recht hoch angesetzt und sprechen von einer Jodmenge von 50 bis maximal 200 Mikrogramm. Dies entspricht lediglich 0,2 Milligramm - eine Menge, die über die normale Nahrung wie zum Beispiel Fisch (insbesondere Salzwasserfische), Eier, Feldsalat, Brokkoli, Karotten, Pilze, Erdnüsse, Spinat oder Meeresfrüchte wohl gut eingenommen werden kann. Wer regelmäßig Wasser aus der Leitung trinkt, nimmt dabei ebenfalls Jod auf, und zwar durchschnittlich 5,5 Mikrogramm in Deutschland, in Meeresnähe meist etwas mehr als im Binnenland. In Algen, welche vor allem in der japanischen Küche eine Rolle spielen, könnte der Jodgehalt hingegen für jodempfindliche Menschen eventuell schon zu hoch sein. Hinweise zur Jodzufuhr und weitere Ernährungstipps speziell für von einer Schilddrüsenunterfunktion Betroffene, welche in besonderem Maße in puncto Jod aufpassen müssen, habe ich in diesem Artikel gegeben.

Doch nicht nur natürliche Nahrungsmittel enthalten Jod, das von den Pflanzen aus dem Boden bzw. von den Fischen aus dem Wasser aufgenommen wird. Vielmehr wird vielen in den Supermärkten erhältlichen Lebensmitteln, Fleisch sowie Fertigprodukten oft noch zusätzlich Jod zugesetzt. Beim Jodsalz weiß man es ja sofort. Oft ist es aber nicht aus den Informationen auf der Verpackung ersichtlich, ob ein Produkt bestimmte Mengen Jod enthält. Da das Tierfutter hierzulande seit Mitte der 1990er Jahre oft jodiert wird, nehmen wir außerdem über zahlreiche tierische Produkte wie Milchprodukte, Fleisch und Eier nicht unerhebliche Mengen Jod auf. Über die Gülle, mit der die Felder gedüngt werden, gelangt das künstlich in den Nahrungsmittelkreislauf eingebrachte Jod wiederum in das angebaute Obst und Gemüse. Auch in Brot kann es versteckt sein, sofern beispielsweise Jodsalz darin verwendet wird oder das Getreide aus einer Region mit jodreichem Boden stammt. Selbst in Pflegeprodukten kommt nicht selten Jod vor, so dass es über die Haut aufgenommen wird. Dies kann für Menschen, die zu durch eine Überjodierung bedingten Hautausschlägen oder so genannter Jodakne neigen, problematisch sein.

Sicher gibt es Personengruppen, die einen leicht erhöhten Bedarf an diesem Spurenelement haben können, wie beispielsweise Schwangere (230 Mikrogramm) und stillende Mütter (260 Mikrogramm). Und wer sich ausschließlich mit veganen Bio-Produkten ernährt, muss ebenfalls zusehen, wie er seinen Jodbedarf hinreichend gedeckt bekommt. Bitte lassen Sie sich im Zweifelsfall individuell von Fachleuten beraten, wie Sie Ihre Jodzufuhr für sich optimieren können.

Mögliche Symptome einer Überjodierung

Können bestimmte Beschwerden nicht anders erklärt werden, ist es möglich, dass eine Störung in der Jodverwertung vorliegt oder Sie mehr Jod zu sich genommen haben, als Ihr Körper verarbeiten kann. Jodverwertungsstörungen können auch dann auftreten, wenn die Jodzufuhr plötzlich erhöht wurde. Allein deswegen macht die häufig zu lesende Aufforderung, generell mehr Jod zu sich zu nehmen, um einem angeblichen Mangel vorzubeugen, eigentlich keinen Sinn. Funktioniert zudem die Jodverwertung nicht richtig, das heißt kann das Jod aus irgendwelchen Gründen nicht richtig aufgenommen werden, nützt es auch nichts, den ohnehin schon belasteten Körper mit noch mehr Jod vollzustopfen. Beim Verdacht auf eine Joderkrankung können Sie sich von Ihrem Arzt untersuchen lassen. Die Jodmenge im Körper wird für gewöhnlich mittels eines Urintests festgestellt, wobei die Urinproben idealerweise über einen bestimmten Zeitraum (einen Tag) verteilt genommen werden sollten, da die Werte natürlich schwanken.

Folgende Anzeichen können auf eine Überdosis Jod hindeuten:

  • Sodbrennen, Durchfall und andere Verdauungsbeschwerden
  • Reizungen der Schleimhaut, der Harnwege und der Augen sowie Entzündungen im Mund und Magen-Darm-Trakt
  • Schmerzen der Nieren und Nierenkoliken
  • Probleme mit der Atmung
  • Durchblutungsstörungen, Störungen des Herzrhythmus, hoher Puls
  • Sauerstoff kann nicht mehr richtig von den Zellen im Körper aufgenommen werden
  • Hautprobleme wie Neurodermitis, Pickel, Ausschlag oder Entzündungen der Haut

Darüber hinaus können die typischen Begleitsymptome von Schilddrüsenerkrankungen auftreten. Bei einer Überproduktion an Schilddrüsenhormonen aufgrund eines zu hohen Jodgehalts in der Schilddrüse entsteht eine Schilddrüsenüberfunktion, die sich unter anderem durch einen Bluthochdruck, vermehrte Reizbarkeit, Nervosität und Schlafstörungen bemerkbar machen kann. Wird durch zu viel Jod hingegen die Herstellung oder die Ausschüttung des Thyroxins behindert, sind Unterfunktionssymptome wie Müdigkeit, allgemeines Schwächegefühl, niedriger Blutdruck, etwaige Konzentrations- und Antriebsstörungen, depressive Verstimmungen, Sehstörungen oder gar rheumatische Schmerzen der Muskeln und Gelenke die Folge. Auch in diesem Fall können Hautprobleme auftreten.

Weitere Krankheiten, die durch zu viel Jod verursacht werden können

Osteoporose infolge einer zu großen Menge Schilddrüsenhormone

Durch mögliche Verdauungsprobleme, die bei einer Überjodierung auftreten können, kann es sein, dass der Körper nicht mehr genug Calcium aufnimmt. Aus dem daraus resultierenden Calciummangel kann langfristig also Osteoporose entstehen. Auch eine Überzahl an Schilddrüsenhormonen, die bei einer Überdosis Jod in der Schilddrüse eventuell gebildet wird, kann Ursache für den Knochenschwund sein, da die zu viel produzierten Hormone dem Körper Kalk entziehen. Schon heute sind in Deutschland 5 bis 7 Millionen Menschen von dieser Knochenkrankheit betroffen, weshalb auch die Zahl der Knochenbrüche zugenommen hat. Die Tendenz, an Osteoporose zu erkranken, ist grundsätzlich in Ländern, in denen Lebensmittel künstlich mit Jod zugesetzt werden, erhöht.

Vermehrte Gefahr von Krebs

Wer zu viel Jod zu sich nimmt, erhöht auch das Risiko einer durch Nitrat bedingten Krebserkrankung. Denn dadurch bilden sich sechs Mal mehr Nitrosamine, welche als krebserregend gelten. Besonders stark ist dieser negative Effekt der Überjodierung in Kombination mit Chlorogensäure (ein Inhaltsstoff, der in Kaffee enthalten ist). Vor diesem Gesichtspunkt erscheint es unverständlich, dass Wurstwaren häufig noch Nitritpökelsalz zugesetzt ist.

Weitere Infos

Tipps für eine gesunde Ernährung mit weniger Jod

  • Würzen Sie weniger mit Salz oder verzichten Sie ganz darauf. Verwenden Sie stattdessen pflanzliche Gewürze zum Verfeinern Ihrer Speisen. Mit Gewürzen erhalten die Gerichte im Grunde sogar mehr Geschmack, und es sind vielfältigere Variationen möglich als nur mit Salz.
  • Essen Sie so selten wie möglich Fertigprodukte oder meiden Sie sie vollständig, wenn Sie sehr empfindlich auf Jod reagieren. Falls Sie doch ab und zu Fertiglebensmittel verwenden möchten, dann lesen Sie sich die Zutatenliste durch und überlegen Sie auf der Grundlage Ihres Wissens, welche dieser Inhaltsstoffe vermehrt Jod enthalten könnten. Im Zweifelsfall entscheiden Sie sich für ein anderes Produkt.
  • Der Kauf von Lebensmitteln in Bioqualität könnte die Gefahr unerwünschter Belastungen vielleicht reduzieren. Informieren Sie sich hierbei über die verschiedenen, anspruchsvolleren Öko-Siegel (Demeter, Naturland etc.) sowie Hersteller von Bioprodukten und entscheiden Sie anhand der Informationen, bei welchen dieser Produkte die Wahrscheinlichkeit am höchsten ist, dass sie jodarm sind. Ausschlaggebend können - neben den unabhängig geprüften Kriterien des jeweiligen Siegels oder der Marke - auch das Herkunftsland (findet dort eine zusätzliche Jodierung statt oder nicht?) und der Vertriebsweg sein.
  • Kaufen Sie gezielt bei Händlern, Bäckern, Metzgern oder Biobauern ein, die auf den künstlichen Zusatz von Jod verzichten oder gar jodfreie Nahrungsmittel im Angebot haben. Hier finden Sie eine Auflistung solcher Anbieter.
  • Wenn Sie die Möglichkeit dazu haben, versorgen Sie sich selbst mit den Gemüse- und Obstsorten oder Kräutern, die für den heimischen Anbau geeignet sind. Viele Kräuter oder auch Kresse lassen sich in Töpfen auf der Fensterbank ziehen. Haben Sie einen Balkon oder Garten, ergeben sich weitere Chancen zur Selbstversorgung. Manche Nahrungsmittel wie Pilze, Löwenzahnblätter oder Beerenfrüchte bietet die Natur draußen gratis an. In all diesen Fällen haben Sie immerhin die Gewissheit, dass diese Lebensmittel nicht unnötig mit Jod belastet sind.

Bitte beachten Sie, dass dieser Artikel nicht den Rat durch Fachleute, zum Beispiel einen Arzt Ihres Vertrauens, ersetzt.

Bilderquelle: Pixabay

Die_Utopische, am 03.04.2014
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Bildquelle:
Karin Scherbart (Fluorid - wie gefährlich ist es wirklich?)

Autor seit 6 Jahren
112 Seiten
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