Tipps für den Einstieg

Du hast vielleicht bereits eine Idee für deinen ersten Roman oder für dein nächstes Buch, das hoffentlich ein Bestseller wird, doch du steckst fest. Die Hauptfigur und das, was ihr im Laufe der Zeit widerfahren oder aber wie sie sich entwickeln soll, kennst du. Wie aber nun den Rest erfinden?

Zunächst mal ist klar, dass ein Notizbuch her muss. Dort hälst du jeden noch so bekloppten Gedankenfetzen für diese Geschichte fest. Alles, was dir über den Weg läuft und dich an deine Idee erinnert wird dort notiert, eingeklebt, gezeichnet, gekritzelt und gesammelt. Klar? Eine Wertung und lange Überlegungen gibt es nicht. Lass einfach den Gedankenstrom und die Ideenfetzen zu dir kommen - ohne zu urteilen und besonders: ohne zu verurteilen!

Dieses Buch kannst du nun mit dir herumtragen und dich permanent unter Druck setzen oder aber du legst es neben dein Bett und lässt es in Ruhe bis dir das nächste Puzzleteilchen zufliegt.

Für Notizen unterwegs hast du, hat jeder, jederzeit das mobile Telefon parat. Damit kann man ganz einfach Eindrücke fotografieren, Sprachmemos aufnehmen oder Notizen speichern. Wenn dein Handy das nicht kann, dann schreib eine sms und speichere den Entwurf oder sende sie dir selbst oder deiner Freundin/deinem Freund. Irgendwie kann jedes Mobiltelefon solche Notizen speichern.

Ansonsten lass deine Idee ruhen bis du dich sicher fühlst, das Projekt 'Bestseller' in Angriff zu nehmen. Dabei solltest du deinen Fokus nicht auf den Verkauf des Buches, sondern auf den Entstehungsprozess legen. Mit anderen Worten: Sorge dafür, dass du ernsthaft an dem Projekt arbeitest und dein wirklich Bestes gibst. Dein Ziel sollte es sein, die Geschichte so spannend wie möglich zu erzählen, sodass du selbst sie immer wieder gern liest.

Doch bevor es so weit ist, dass du das Projekt beginnst und dich hinsetzt, um das erste Kapitel in Angriff zu nehmen, kannst du deine Kreativität schulen.

Kreativitätstraining

Der Sinn eines Kreativitätstraining ist, deine Kreativität zu fördern und dein Bewusstsein dafür zu stärken, dass deine Kreativität immer vorhanden ist und nicht einfach verschwindet. Sobald du dich als Schriftstellerin, Autorin, Drehbuchautorin oder als sonstiger Schreiberling klein, schwach, hilflos und völlig untalentiert fühlst, wirst du nichts zustande bringen. Kreativitätsübungen helfen, solche Momente zu eliminieren und aus deinem Leben zu verbannen. Das dauert seine Zeit, aber es funktioniert.

Im Grunde ist es sehr einfach: Für den Anfang solltest du einen langen Spaziergang machen und die Augen offenhalten. Ein Gang durch die Stadt oder durch Wälder und Felder kann dein Auge mehr schulen als du ahnst. Es ist dann wie in dem Film 'Drei Haselnüsse für Aschenbrödel'. Deine Aufgabe ist es, einen Gegenstand mitzunehmen oder einen erlebten Eindruck festzuhalten und mit nach Hause zu nehmen.

Dort angekommen setzt du dich unverzüglich an deinen Schreibtisch und schreibst irgendetwas, das dir zu diesem Gegenstand oder dem Eindruck einfällt. Dir fallen also drei Haselnüsse vor die Nase und dir fällt nichts anderes ein als 'Aschenbrödel'? Vielleicht sagt das Universum dir damit, du sollst eine Geschichte über Drillinge schreiben oder über die Tiere im Wald, die sich von den Nüssen ernähren oder über einen Haselnussstrauch, der viel erlebt und gesehen hat - oder, oder, oder. Du verstehst schon. 

Ein Eindruck, den mitbringst kann ein quetschgrünes Fahrrad sein, dass du irgendwo gesehen hast oder ein paar schicke Pumps in einem Schaufenster oder ein Gespräch, dass du in der S-Bahn zufällig belauscht hast. Die Welt ist voller Geschichten.

Wenn du keine Lust hast, durch die Gegend zu laufen, um Ideen zu finden oder Dinge zu sammeln, dann bleib zu Hause. Auch dort funktioniert das Kreativitätstraining. Ein Flachbildfernseher ist ein großes, schwarzes Rechteck. Was, wenn es das Fenster zu einer Parallelwelt ist? Was, wenn der Fernseher dich heimlich beobachtet und entsprechend reagiert? Wie es wäre, wenn du darüber von anderen Menschen wirklich beobachtet werden kannst, mag ich mir gar nicht auszumalen.

Andere Gegenstände? Wie wäre es mit einem Kissenbezug eines Sofakissens. So ein Bezug kann über Generationen in einer Familie vererbt worden sein und zwar von Tochter zu Tochter zu Tochter und schon hast du mindestens drei weibliche Wesen um dich herum, die zum Leben erwachen - auch wenn der Bezug von Ikea ist.

Das Sammelsurium hilft deinem Bestseller auf die Sprünge

Du gehst also durch die Welt und sammelst Dinge, Eindrücke, Bilder, Farben, Menschenstimmen, Vogelgezwitscher und eigene Erlebnisse und schreibst für jedes dieser Puzzleteilchen eine eigene Geschichte. Das schult nicht nur deine Kreativität. Das inspiriert und ermutigt deine Fantasie, sich auf neue Pfade und geheime, vielleicht sogar unheimliche Wege zu wagen. Der Protagonist deines Bestsellers wird plötzlich eine Mischung aus deinem lästigen Nachbarn und dem blöden Autofahrer, der dir den Parkplatz geklaut hat. Schon kannst du dir sicher sein, dass du diesen Typen nicht leiden kannst. Dann lass ihn in deiner Geschichte leiden!

Die Haselnüsse können etwas sein, wogegen deine Hauptdarstellerin allergisch ist, weshalb sie ins Krankenhaus muss und ihrem Traumtypen begegnet, der der Bruder des Arztes ist, der sie behandelt.

Kurz gesagt, das kreative Training mit Dingen, die im ersten Moment überhaupt GAR nichts mit deinem geplanten Bestseller zu tun haben, werden dafür sorgen, dass dir die Arbeit an der Ausarbeitung deiner Geschichte leichter fällt. Sollte es dir immer noch schwer fallen, den Einstieg zu finden, dann schreibe deine Geschichte einfach zuerst als Kurzgeschichte auf. Anschließend dient dir die Kurzgeschichte quasi als Inhaltsangabe und dir arbeitest Stück für die Stück die Details aus. Schon werden aus einer Erzählung von 10-15 Seiten plötzlich 50-100 Seiten. Selbst wenn zunächst nur 30 Seiten daraus werden, lassen sich auch diese weiter ausarbeiten. Wichtig ist, dass du dir Pausen gönnst - es sei denn, deine Geschichte ruft dich an den Schreibtisch und du hast den Drang, sie unbedingt schreiben zu wollen. Dann schreib!

 

Lili, am 13.12.2014
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Bildquelle:
Jessica Schroth/pixelio.de (Margret Mitchell - Porträt einer Schriftstellerin)
© Stefan Bayer/pixelio (Personenbeschreibung für Menschen, die es gar nicht gibt)
© Elisabeth R. Meier (photographer) (Ein Drehbuch und der erste Satz)
twinlili/pixelio.de (Kreativer werden und mehr daraus machen)

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