Klingen und ihre Wahrnehmung in unserer Zeit

Klingen scheinen die Menschen zu faszinieren. Das Sammeln von Blankwaffen, wie sie im Fachjargon genannt werden, erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit. Insbesondere Schwerter üben auch heute noch eine Art mystische Faszination aus. Kein Wunder: Schließlich nehmen sie in unserer Kultur seit Jahrtausenden einen besonderen Platz ein. Nur die Reichen konnten sich ein Schwert leisten, nur den Adligen war es offiziell erlaubt, eines öffentlich zu tragen. In den zahlreichen Sagen und Geschichten tauchen immer wieder Schwerter auf, die nicht nur über außergewöhnliche Eigenschaften verfügen, sondern denen sogar Namen gegeben wurden. Auch wenn Schwerter heute im Leben der meisten Menschen keine Rolle mehr spielen, ist ihre Bedeutung im kulturellen Gedächtnis nach wie vor gespeichert.

Mystische Überhöhung und fernöstliche Faszination

In den Jahrzehnten nach dem zweiten Weltkrieg war jede Beschäftigung mit der deutschen Geschichte mit eher negativen Assoziationen verbunden. Das betraf vor allem Themen, die irgendwie mit europäischen Kriegen zu tun hatten. Stattdessen gerieten mehr und mehr fernöstliche Kampfkünste in den Blickwinkel der Europäer. Insbesondere die Verbindung mit einer Philosophie der Ausgeglichenheit und des Friedens übte eine große Faszination aus.

Die Faszination führte neben der Ausbreitung der Fakten zu einer mystischen Überhöhung bestimmter Aspekte. Hollywood trug seinen Teil dazu bei, dass den durchaus beeindruckenden fernöstlichen Kampfkünstlern schon bald übermenschliche Fähigkeiten zugeschrieben wurden - und mit ihnen ihren Waffen.

Das Katana - das mächtigste Schwert aller Zeiten?

Wohl kaum eine Waffe musste so viel Mystifizierung über sich ergehen lassen wie das Katana. Unglaublich hart, dabei flexibel, unzerstörbar und in der Lage, jedes Material zu durchdringen: Ein Superschwert, wie es auf Erden kein zweites Mal existiert. Diese Einschätzung ist blödsinnig. Um es vorweg zu nehmen: Ein Katana ist in erster Linie....ein Schwert! Eine elegante Waffe, kunstvoll gearbeitet und unbestritten tödlich. Mit den Legenden hat das aber in etwa so viel zu tun wie die europäischen Schwerter mit den Waffen des Siegfried oder des Roland.

Ein sinnloser Vergleich?

Mitnichten. Ein Vergleich KANN immer Sinn machen - sofern er vernünftig durchgeführt wird. Daran hapert es bei den Dokus aber meist. Einmal gewinnt das Katana, dann wieder das Langschwert - je nachdem, welche Zielgruppe gerade zufrieden gestellt werden soll. Am augenfälligsten ist, dass bereits bei der Länge der Waffen von einer falschen Vermutung ausgegangen wird. Das europäische Langschwert wird meist korrekt mit einer Gesamtlänge von 1,20 m angegeben. Das Katana wird als kürzer dargestellt. Die Katanas des Mittelalters waren jedoch durchaus genauso lang wie die europäischen Schwerter. Ihre geringere Länge in den späteren Jahrhunderten lässt sich vor allem dadurch erklären, dass sie der Mode angepasst und tragbarer gestaltet wurden.

Meiner Meinung...

...nach sind Vergleiche als nicht per se schlecht. Ein sachlicher Vergleich ist durchaus möglich und wurde so schon mehrfach gemacht. Die Form, die in den Dokumentationen durchgeführt wird. erscheint mir aber wenig sinnvoll zu sein. Hier werden vor allem Emotionen geweckt und zur Verfestigung von Mythen und Vorurteilen beigetragen. Wer sich gut unterhalten lassen möchte, ist hier sicherlich an der richtigen Adresse. Wer sich zuverlässig informieren möchte, sollte auf andere Quellen zurückgreifen.

Autor seit 4 Monaten
6 Seiten
Laden ...
Fehler!