Twist – der Drehtanz

Twist und Twerk haben eine ähnliche sprachliche Herkunft.
Der Ausdruck twist kommt aus der englischen Sprache und bedeutet sich drehen, sich wenden.
Der bekannteste Vertreter dieser Musik- und Tanzrichtung, so liest man, war ein amerikanischer Sänger aus den 1960er Jahren namens Chubby Checker. Das war wohl noch zur Zeit der Musiktruhen, auch Music Boxen genannt.

Wie kamen die Leute damals auf diese neue Tanzrichtung?
Der Twist ist ein Produkt der afroamerikanischen Kulturszene. Die Urform diese Art von Tänzen wollen Ethnologen mitunter einem archaischen Fruchtbarkeits-Ritus zuordnen. Entsprechend laut war der Aufschrei des US-amerikanischen Bürgertums, als der Twist die Bühne der Popkultur betrat.

 

Angedeutete Befruchtungsrituale sind nicht neu in der Tanzkultur.
Lateinamerikanische Tänze wie der Tango zeigen ebenfalls eine erotische Note

(Bild: Nemo/ pixabay.com)

Banana Gate – Josephine Baker

Gesellschaftliche Ereignisse, die einige Zeit zurückliegen, verschwinden oft aus dem Kurzzeitgedächtnis. Dies gilt nicht nur für das Individuum, sondern auch für eine ganze Gesellschaft. Es steht nicht unbedingt in den Google News von heute, dass die Tänzerin Josephine Baker in den 1920er öffentlich mit einer Art Wackeltanz aufgetreten ist – nur mit einem Bananenröckchen bekleidet.
In der heutigen Zeit wäre dieser Aufzug, insbesondere in den USA, ein Skandal erster Güte. Banana Gate. Damals ging dieser Aufzug offenbar ohne Probleme auf der Bühne durch.
Dieses "skandalöse" Vorzeigen fand nicht nur in geschlossenen Herrengesellschaften statt, sondern wurde auch noch abgelichtet und in der Öffentlichkeit zur Schau gestellt. Die Zeiten waren für ihre Zeiten ganz schön schlüpfrig, so könnte der Mensch von heute denken.
Die Roaring Twenties standen dem UK Twerking Contest von 2015 in nichts nach. Auf YouTube kann man sich davon überzeugen.

Gesellschaftliche Adaption

Eine Gruppe junger Mädchen wurde kürzlich in Russland sogar zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Sie hatten den Tanz anscheinend vor einem Kriegerdenkmal aufgeführt. Gene Kelly hatte in seiner Filmszene ein ähnliches Problem mit dem Schupo. Allerdings konnte er sich mit dem Hinweis "I am just singing and dancing in the rain" aus der Situation herauslavieren.

Elvis Presley soll seinerzeit einer Strafe entgangen sein, indem er sein "Hüftewackeln" signifikant reduziert hatte - auf eine Fingersprache. Im Yoga nennt sich diese Darstellungsform, allerdings mit abgewandeltem Sinngehalt, Yoga Mudras.

Die beschriebenen Sitten und Gebräuche haben sich über die Zeit auch in die gesellschaftliche Norm "eingeschlichen". Der Tango gehört heute zu den Standardtänzen. Elvis wurde später vom damaligen Präsidenten der USA, Richard Nixon, offiziell empfangen.

Der Tanz als mythische Ausdrucksform

Shivas Tanz hat eine anders gelagerte Bedeutung.
Diese indische Gottheit steht symbolisch für den Lauf der Zeit wie Geburt, Leben und Tod, also als Symbol des Kreislaufes. In Indien ist der Tanz im Sinne des Ausdruckstanzes seit Jahrtausenden eine hoch geachtete Kunstform.
Körperdrehungen und Handgesten drücken dem kundigen Zuschauer einen Kosmos von Botschaften aus. Da die Sexualität eine menschliche Grundform des Verhaltens darstellt, kann man auch auf erotische Anspielungen im indischen Tanz wetten.
Debra Paget hat mit ihrem Schlangentanz in dem klassischen Abenteurerfilm "Das indische Grabmal" eine auch für westliche Augen verständliche Performance in dieser Kunst abgeliefert.

(Bild: siobhanhill / pixabay.com)

Die Texte über den Bauchtanz können einen traditionell orientierten Leser schon leicht erschrecken. Westliches Unverständnis soll diese Ausdrucksform als Vorläufer des Striptease bezeichnet und in seinen Bewegungen als erotische Darbietungsform eingestuft haben. Der Wikipedia Artikel widerspricht diesen Unterstellungen dann im Folgetext auch eindeutig und stellt die kulturelle Vielfalt und vielschichtige Ausdrucksform in den Vordergrund.

Hula und die Göttin von Hawaii

Der Hula stellt einen Erzähltanz dar. Sprechgesänge und Rhythmusinstrumente begleiten diesen rituellen Tanzstil.
Die Anfänge des Hula werden auf eine mythische Göttin zurückgeführt. Hier treffen sich wieder die Verständniswelten des indischen Tempeltanzes und des Gottes Shivas mit der polynesischen Weltsicht.

Sehr interessant für den westlichen Besucher ist die Beobachtung des hula nono, eines Sitztanzes. Dabei sitzen die Teilnehmer in einem Voll- oder Halbkreis und stoßen während des Singens den Atem stoßweise aus. Diese Atempraxis kennt man im Yoga als kapalabhati (Feueratem).
Durch diese Bewegung wird dem Körper überdurchschnittlich viel Sauerstoff zugeführt. Die Übung erfrischt und belebt Körper und Geist.
Auch in dieser Variante kann der interessierte Betrachter die rituelle Grundlage des Hula Tanzes erkennen.

Vorgänger und Nachfolger – and the beat goes on

Würde Elvis sich beim Twerking im Grabe umdrehen? Eher nicht. Wahrscheinlich würde er mitmachen.
Und Fred Astaire? Da kann man nicht sicher sein. Er war bekannt für sein diszipliniertes Training und seine ausgefeilten Tanzfiguren. Interessant wäre schon eine Szene a la "Stomping At The Savoy" mit Fred Astaire und Miley Cyrus. Wäre das eine Show?
Aber beim Tanz verhält es sich wie in vielen kulturellen Ausprägungen. Befürworter und Gegner halten sich in der Waage.

Tanz in den Mai

Haben wir Europäer denn gar nichts Bedeutendes in dieser wichtigen kulturellen Ausdrucksform vorzuweisen? Doch – den Hebetanz, zum Beispiel.
Volkstänze waren und sind teilweise im Gedächtnis und in der Ausübung vieler europäischer Nationen verwurzelt. Der Reigen bestimmt darin eine alte europäische Tradition.

Johann Strauß hat mit der Erschaffung des Walzers eventuell einen mythischen Akzent gesetzt, der den Parallelen aus Hawaii und aus Indien nahekommt. Schließlich kann ein sehr kreativer Beobachter die Spiraldrehung der Walzertänzer mit den Drehmomenten einer Spiralgalaxie gleichsetzen wollen.

Skake it out

Twerking kann einen biederen Bürger schon verstören.
Die westliche religiöse Tradition hat die Körperlichkeit des Menschen nicht unbedingt überbetont. Insofern kann man Twist, Rock und Twerking als einen shake-out der Verspannungen westlicher Tanzkultur betrachten.

Aufregen lohnt sich nicht. In der nächsten Saison gibt es eh wieder etwas Neues.
Den Roboter Tanz. https://www.youtube.com/watch?v=4t1NWH6G1f0 

Textquellen: Wikipedia.de, Bilderquelle: pixabay.com

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