Liebesgedichte kommen nicht immer schlecht an. (Bild: https://www.youtube.com/wat...)

Roger, der Bräutigam

Vielleicht wäre Roger (Shaun Cassidy), wäre die Geburt anders verlaufen, kein Junge mit Einschränkung geworden.Seine Kindheit verlief problematisch, denn er sich von anderen Kindern übervorteilen ließ, die einfach schlichtweg einen Spaß aus seinem Wunsch machten, mitspielen zu wollen. Doch diese Tage gingen vorüber und eines Tages lernt er in einer Einrichtung für Personen mit speziellen Bedürfnissen, eine junge Frau kennen, Virginia. Nicht nur, dass er ihr Herz erobert, er hilft ihr, so manche Angst zu überwinden. Sie erzählen sich von ihren Erlebnissen und wenig später gelangen sie zur Überzeugung, dass sie einander heiraten möchten. Doch der bis dahin sehr aufgeschlossene Sozialarbeiter, der sich sehr um Roger und Virginia (Linda Purl) sorgt, befürchtet, dass dies ein steiniger Weg werden könnte. Es werden Besprechungsabende mit beiden Familien abgehalten, bei denen überlegt wird, wie es mit Virginia und Roger weitergehen soll. Eine der vorrangigen Sorgen ist, dass es eben zwei staatliche Unterstützungen gibt, die bei Eheschließung womöglich wegfallen könnten. Das nächste Problem ist, dass Virginia nicht zu Roger ziehen kann, weil er in einem besonderen Appartement wohnt. Doch, letztlich, beinahe hätte Roger schon aufgegeben, und sich bei einem Wutanfall eingestanden, dass dies eine Nummer zu groß für ihn war, gelingt es ihnen doch, Zustimmung zu erhalten. Eine Geschichte, die zeigt, wie leicht Arroganz zu Wegsperren, Verurteilen oder Ausgrenzen führt. Aber auch, dass viel Verantwortung mit solchen Entschuldigen verbunden ist.

 

Virginia Rae, die Braut

Virginia ist smart, wenn auch ihr Leben so manche Hürde für sie bereithält. Es ist ihr nicht entgangen, dass sie kein Kind mehr ist. Sie ist viel mehr eine junge Frau von zwanzig Jahren, die sich entwickeln möchte, was ihre Familie eigentlich nicht einsieht. Die Familie "weiß, was gut für sie ist". Und meint damit, die Institutionalisierung ihres Lebens. Und diese Institutionalisierung verhindert zunächst, dass das Paar überhaupt Intimitäten austauscht. Sie werden darauf hingewiesen, das Küssen und Händchenhalten in ihrer Einrichtung nicht zum Tagesablauf gehören. Roger will das gar nicht akzeptieren.

Virginia bemerkt, dass Roger seine Kleidung herumliegen lässt und weist ihn darauf hin. Tatsächlich ist Roger später so weit, selbst Ordnung in seinem Zimmer zu halten. Nach einem Wutanfall ist es Virginia, die die Küche in Ordnung bringt. Er lernt von ihr, sie von ihm. Sie gewöhnen sich aneinander, sind gut füreinander.

Es kommt zu einer Besprechung, bei der über das Thema Sex diskutiert wird und das regt Virginia wirklich auf, denn es soll doch ihre Ehe werden, wie können alle Anwesenden über etwas entscheiden, worüber die beiden Ehe-Willigen nicht Bescheid wissen? Schließlich bekommen die beiden Lehrstunden in Geburtshilfe, bei denen der Sozialarbeiter den Geburtsvorgang erläutert. Als er fragt, ob die Unterlagen zur Schwangerschaftsvermeidung durchgesehen hat, verrät Virginia vorwurfsvoll, dass nur sie es tat, der Bräutigam nicht.

 

Man muss die Geschichte der beiden jungen Amerikaner, Virginia und Roger, mit großer Aufmerksamkeit verfolgen, um sie in ihrer Komplexität zu erfassen. Es ist eine Geschichte, die neben Wohlwollen und Liebe sehr viel Gewalt beinhaltet, die eigentlich nur erzählt und angedeutet wird. Der Sozialarbeiter (Zalman King), der stille Held in der Einrichtung, in der gelehrt, betreut, gebastelt und gespielt wird, ist bereit sich einzusetzen. Es ist eine private Einrichtung, die von einem Wirtschaftsmagnaten, der selbst über ein Kind mit Einschränkung verfügt, das institutionell betreut wird gesponsert und aufgebaut wurde. Sowohl Virginia als auch Roger verfügen über Gewalterfahrungen – sie wurden erniedrigt, möglicherweise ausgegrenzt und diskriminiert. Während Virginia und Roger über ihre Gewalterfahrungen plaudern, erleben sie dort, wie es ist, wenn sich jemand für sie einsetzt und die gesellschaftlichen Bedingungen nach Maß und Möglichkeit ändert, um ihnen ihr Leben zu geben, das sie sich wünschen. Denn als Person mit Einschränkung sind die beruflichen Perspektiven rar und Arbeitsmöglichkeiten auf bestimmte Berufe beschränkt. Dennoch ist - trotz des damals beginnenden Abbau von Vorurteilen gegenüber behinderten Mitarbeitern - Vorsicht geboten, denn die Praxis zeigt, dass Zeitdruck und Leistungsanforderungen in allgemeinen Arbeitsbereichen Stolpersteine sind. Trotz aller struktureller, seelischer und physischer Gewalt, die darin vorkommt, ist auch das Befreien erkennbar, und es ist vielen sehr bemühten Personen zu verdanken, dass diese Geschichte erzählt werden konnte.

 

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Ankündigung der Ausstrahlung des Films vor über vierzig Jahren. (c) Fandom.

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