Manfrotto Sympla - Die Idee dahinter

Manfrotto kennt man aus dem Bereich guter und günstiger Stative, die sich Semiprofis oder auch Hobbyfilmer leisten können. Doch Manfrotto geht mit dem Sympla-System einen Schritt weiter und verlagert die Kamera vom bodenständigen Stativ auf den Körper des Kameramanns. Das Zielpublikum sind hier all jene, die mit DSLR- oder kleinen Broadcast-Kameras filmen. Die wissen nämlich bereits, dass die Ergonomie ihrer Kameras in der Regel unzureichend ist, um wackelfreie Aufnahmen zu erhalten. Mit dem Sympla-System bietet Manfrotto die Möglichkeit, diese und auch andere Kameras schnell und einfach zu stabilisieren und sogar externe Geräte wie Monitore und Licht daran zu befestigen. Das komplette System ist modular aufgebaut und bietet somit einen guten Einstieg in stabile Aufnahmen.

Der Aufbau des Schwebesystems

Vor uns liegen insgesamt vier mehr oder weniger große Kartons, die alle Zubehör rund um das Sympla-System enthalten. Angesichts der Menge an Stangen, Schrauben und Aufsätzen sind wir erst einmal ein wenig überrascht. Alles erscheint etwas zu viel des Guten, doch bei näherem Betrachten wird schnell klar, wo welche Stange wie hingehört und welcher Aufsatz an welcher Stelle angebracht werden muss. Die Anleitung haben wir uns erst im Nachhinein durchgelesen
mit der Erkenntnis, intuitiv alles richtig gemacht zu haben. Aus den vielen Einzelteilen entsteht in kürzester Zeit ein Stativ, das bequem auf der Schulter Halt findet. Ein wenig enttäuschend ist
die Tatsache, dass das Gegengewicht, welches auf der Schulter lastet, nur optional geliefert wird. Der Umstand, dass eine auf dem System montierte Kamera wegen der physikalischen Hebelgesetze deutlich in den Oberarmen spürbar wird, macht ein Gegengewicht absolut notwendig. Wieso es nicht standardmäßig dazu gehört, bleibt ein Rätsel.

Sympla als Bruststütze (Bild: Ralf Biebeler)

Das Schwebsystem im Einsatz

Der Test besteht darin, sich mit einer Canon EOS 550D zu bewegen und zu prüfen, ob und wie sehr das System die Kamera stabilisieren kann. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das Sympla- System zu nutzen. Die bequemste Art ist es, Sympla als Schulterstativ einzusetzen. Als platzsparende Variante hat sich im Test auch der Einsatz als Bruststativ erwiesen. Dabei wird
das Schulterpolster einfach umfunktioniert und gegen das Brustbein gedrückt, während die Kamera darauf montiert ist. Weiteres externes Zubehör, wie zum Beispiel ein Monitor, lässt sich dann allerdings nicht an die Konstruktion anbringen. Insofern wird der Test als Schulterstativ durchgeführt. Die Testaufnahmen sind in der Tat deutlich weniger verwackelt, als würde
man mit der Kamera einfach so laufen. Den externen Monitor immer am System und damit im Blick zu haben und auch die Option zur Montage eines Kopflichtes, ist schon ein großer Vorteil.
So hat man beinahe sein komplettes Drehequipment an nur einem einzigen Schulterstativ befestigt und kann tolle Bewegtaufnahmen machen. Das Problem ist nur: Das System wird von Minute zu Minute schwerer und schwerer. Das Gegengewicht reicht maximal, um das Gewicht der Kamera
halbwegs auszugleichen. Sobald auch nur ein zusätzliches externes Gerät daran befestigt wird, ist einiges an Muskelmasse nötig, um die Aufnahmeeinheit zu halten. Doch auch nur mit der Kamera und einem Gegengewicht ist es für einen normal trainierten Anwender kaum möglich, länger
als zwanzig Minuten am Stück zu drehen, ohne dass die ersten Verkrampfungen in den Oberarmen auftreten. Die Schwerkraft macht auch vor Sympla nicht Halt.

Der Umbau des Sympla Systems

Eine weitere Prüfung besteht darin zu testen, wie schnell sich ein Objektiv wechseln lässt, wie es sich mit der optionalen Mattebox verhält und wie schnell sich das System selbst umbauen lässt. Wenn das Stativ von der Schulter gehoben wird, muss es zwangläufig irgendwo abgestellt werden, um z.B. ein Objektiv zu wechseln. Das ist gar nicht so einfach, denn wenn man vergisst, die Handgriffe festzustellen, dann lässt sich das System nicht so einfach absetzen. Der Kameramann hat die Möglichkeit, die Mattebox um 90 Grad zu verdrehen, um ein Objektiv schneller wechseln zu
können. Richtig viel Sinn macht das eigentlich nicht, weil das Kameragehäuse ohnehin nach hinten bewegt werden muss, um das Objektiv aus der Mattebox zu schieben. Erst dann lässt es sich abdrehen. Das System selbst lässt sich schnell und unkompliziert umbauen, auch dank gut durchdachter Schraub- und Klicksysteme.

Fazit: Praktisches System, dauerhaft zu schwer

Manfrotto Sympla bietet eine gute Möglichkeit, um bewegte Aufnahmen mit DSLR Kameras oder kleinen Camcordern zu generieren. Praktisch ist die Option, externes Zubehör daran zu befestigen. Das System ist schnell auf und abgebaut und eine gute und preisgünstige Alternative zu anderen Schultersystemen. Jedoch wird das Stativ unabhängig von der Anzahl der Gegengewichte irgendwann so schwer, dass man es nicht mehr ruhig halten kann. Eine Alternative für längere Dreharbeiten bieten eigentlich nur westengestützte Systeme. Die sind aber auch wesentlich teurer.

Über Ralf Biebeler - Filmproduzent bei Pionierfilm aus Mannheim

Von Mannheim bis Frankfurt - Filmproduzent Ralf BiebelerRalf Biebeler schreibt seit vielen Jahren für die Fachzeitschrift Videofilmen diverse Artikel. Im Fachverlag Schiele & Schön hat er bereits mehrere Bücher veröffentlich. Seit 2005 ist er Geschäftsführer des Filmproduktionsunternehmens Pionierfilm mit Sitz in Ludwigshafen (bei Mannheim). Pionierfilm produziert Imagefilm, Werbefilm, Schulungsvideo & Co. DIe Möglichkeit viel unterschiedliches Equipment zu testen und Artikel zu schreiben unterstützt die Pionierfilm dabei die Qualität der Filmproduktionen hochwertig zu halten.

ralfbiebeler, am 05.04.2013
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