Diese Werte lassen folgende Aussagen zu, welche alle stimmen, trotz unterschiedlicher Ergebnisse:

  • Die meisten Österreicher verdienen 1125 EURO (Modus) netto.
  • Die Hälfte der österreichischen Bevölkerung verdient im Schnitt 1275 Euro (Median) netto.
  • Das durchschnittliche persönliche Nettoeinkommen beträgt 1360,98 Euro (Mittelwert) netto.

Alle Aussagen treffen zu und sind korrekt. Jetzt muss nur noch begründet werden, warum dieser oder jene Wert genommen wurde oder eben nicht. Drei Aussagen mit dem subjektiv gleichen Aussagewert aber unterschiedlichen Ergebnis. Je nach Auftraggeber wird der jeweils passende Wert genommen.

Wie man dem passenden Wert noch passender macht

Angenommen der Wert ist dem Auftraggeber zu hoch. Für den Fall gibt es die Möglichkeit, einfach den Mittelwert um 5% zu trimmen, sprich die obersten und untersten 5% der Werte zu verwerfen. Dann schrumpft der Mittelwert auf 1320,60 Euro oder je nachdem, wie hoch die Verteilung getrimmt wird. Die Regel hierbei besagt, dass man es nur gut begründen muss. Eine weitere Möglichkeit den Wert passender zu machen ist die Gewichtung. Gewichtung bedeutet zum Beispiel, dass die Aussage eines Befragten höher gewertet wird als die Stimme eines anderen aus Gründen der Genauigkeit und Aussagekraft. Eine weitere Verfälschungsmöglichkeit und anzumerken ist ein Detail, das bis jetzt unerläutert blieb, ist, dass nur die gültigen Werte in der Graphik und der Statistik zu sehen sind. 2.000 Personen wurden befragt, aber nur 721 Personen haben auf die Frage nach dem persönlichen Nettoeinkommen eine gültige Aussage getroffen. Der Rest, immerhin 1279, fällt durch den Rost, da die Werte aus welchen Gründen auch immer fehlen. Es ist immer eine Frage der Interpretation und Begründbarkeit.

Manipulation bei der Datenerhebung

Schon allein die Örtlichkeit der Datenerhebung beeinflusst das Ergebnis. Ein hohes Durchschnittseinkommen für Wien würde man erzielen, wenn man zum Beispiel nur im wohlhabenden Bezirk Döbling die Personen nach dem Einkommen befragen würde und ein niedriges Durchschnittseinkommen, würde man ausschließlich Befragungen in benachteiligten Florisdorf durchführen. Die Fragestellung alleine bietet schon eine Verzerrungsmöglichkeit: "Nehmen sie Drogen?" Kann auf diese Frage eine ehrliche Antwort erwartet werden? Kaum, außer die Frage wurde in einer Drogenberatungsstelle am Informationsschalter gestellt oder beim Arztbesuch. Die unauffälligere Variante ist die zweideutige Fragestellung beispielsweise in der Form: "Gibt es die Hölle oder nicht?" Die Entscheidung, welche Antwort der/die Interviewete wählt, wird dem/der Intervieweten auch gerne abgenommen: "Sie sind ein ehrlicher Mensch?" Kaum eine/r der Befragten würde auf diese Frage, bis auf Ausnahmen, mit nein antworten. Das Ergebnis wird einfach (un)bewusst vorgegeben.

Fazit

Die hier aufgezeigten Möglichkeiten zeigen sehr kompakt die Techniken der Verzerrung bei der Auswertung sowie der Datenerhebung auf. Die Manipulation ist ein noch größeres Thema auf dem Gebiet der Statistik. Das Auge lässt sich einfach zu leicht täuschen. Jedes Diagramm und jede Statistik ist letztendlich nur eine Interpretation der Realität.
"Viel zu oft benutzen wir die Statistik wie ein Betrunkener einen Laternenpfahl: vor allem zur Stütze unseres Standpunktes und weniger zum Beleuchten eines Sachverhaltes"
(Andrew Lang)

CADoerr, am 11.08.2013
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Bildquelle:
johannes flörsch (Wie finde ich die Sternschnuppen der Perseiden 2016?)
Karin Scherbart (Wie macht man einen Regenbogen selbst?)

Autor seit 5 Jahren
86 Seiten
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