Das verfluchte Schiff

Bereits bei ihrer ersten Fahrt, nach ihrem Stapellauf im Jahre 1861, geriet die "Mary Celeste", die zu diesem Zeitpunkt noch ihren ursprünglichen Namen "Amazon" trug, in Seenot. Ihrem damaligen Kapitän John Nutting Parker blieb nichts anderes übrig, als zur Werft zurückzukehren, um das Schiff wieder in Stand setzten zu lassen. Ein denkbar schlechter Start. Doch dies sollte nur der Auftakt für eine ganze Reihe weiterer Unglücke sein.Das nächste sollte sich nur wenig später ereignen, nämlich bei der ersten geplanten Atlantiküberquerung des Schiffes. Die "Amazon" rammte in der Straße von Dover ein anderes Segelschiff so stark, dass dieses in Folge der Kollision sank.Obwohl die "Amazon" in einer Werft vollständig repariert wurde, wurde sie in der Folgezeit immer wieder von schweren Mängeln heimgesucht. Diese Schäden veranlassten drei Kapitäne dazu ihren Dienst vorzeitig zu quittieren und abzudanken. Eine gute Entscheidung, wie sich herausstellen sollte, denn nur kurze Zeit später war die "Amazon" vor Neuschottland erneut in einen Unfall verwickelt. Nach diesem Unfall ist die Geschichte der "Amazon" einige Zeit nicht mehr zu rekonstruieren. Es ist nur überliefert, dass sie in dieser Zeit mehrere Male den Eigentümer gewechselt hat. Die "Amazon" tauchte erst wieder auf, als sie von der New Yorker Gruppe "J. H. Winchester & Co." aufgekauft wurde. Nach einem Umbau wurde sie von diesen auf den Namen "Mary Celeste" umgetauft. Als Kapitän wurde ein Offizier namens Benjamin Spooner Briggs ernannt - er sollte der letzte Kapitän des Schiffes sein.

Die letzte Fahrt der "Mary Celeste"

Am 7. November 1872 begann die letzte Fahrt der "Mary Celeste". Mit einer Ladung Industriealkohol an Bord brach die Crew von New York City auf, um nach Genua in Italien zu segeln. Kapitän Briggs galt als erfahrener Seemann und das Schiff inzwischen als intakt und absolut funktionstüchtig.

Nach seinem Aufbruch wurde das Schiff erst gut einen Monat später wieder gesichtet. Am 4. Dezember 1872 von der Bark "Dei Gratia". Diese war sieben Tage nach der "Mary Celeste" aus New York aufgebrochen, um Kerosin nach Gibraltar zu liefern. Äußerlich wirkte die "Mary Celeste" völlig intakt. Einzig die Segel wirkten ein wenig beschädigt. Der Kapitän der " Dei Gratia", Kapitän Morehouse, ließ das Schiff zwei Stunden lang beobachten und stellte fest, dass das Schiff ziellos wirkte. Trieb das Schiff etwa gänzlich ohne Führung im Ozean? Um sich Gewissheit zu verschaffen, ließ er drei Männer seiner Mannschaft in einem Beiboot zu der "Mary Celeste" übersetzen. Der Verdacht des Kapitäns bestätigte sich. Es befand sich niemand mehr an Bord der "Mary Celeste". Der Kapitän, die Besatzung und die Passagiere waren verschwunden.

Die Männer von Kapitän Morehouse begannen, das Schiff zu untersuchen. Sie konnten jedoch nichts Bedenkliches am Schiff feststellen. Die "Mary Celeste" war in einem guten Zustand. Das einzig Auffällige war, dass die Kajüten völlig durchnässt waren und der Ofen in der Kombüse aus seinem Platz gerissen war. Weiterhin fehlten der Sextant und der Chronometer, was darauf hindeuten könnte, dass das Schiff von der Besatzung freiwillig verlassen wurde. Es ist bis heute jedoch noch nicht geklärt, ob das einzige Rettungsboot der "Mary Celeste" sich noch auf dem Schiff befand oder nicht.

Das Rätsel der "Mary Celeste"

Vom Kapitän, den Besatzungsmitgliedern und den Passagieren der "Mary Celeste" fehlt bis heute jede Spur. Ein solches Geschehnis bietet natürlich Anlass zu diversen Spekulationen und so ranken sich bis heute diverse Schauergeschichten, Mordtheorien und Erklärungsversuche um das mysteriöse Verschwinden der Crew.

Wie bei fast allen Schiffsunglücken der damaligen Zeit, waren zahlreiche Menschen der festen Überzeugung, dass die Besatzung der "Mary Celeste" von einem Seeungeheuer in die Tiefe des Meeres gezogen und dort verschlungen wurde. Eine andere vom Aberglauben geprägte Theorie geht gar davon aus, dass ein blinder Passagier des Schiffes seine Seele an den Teufel verkauft hat. Der Teufel sei demnach an Bord gekommen, um seinen Tribut einzufordern und die Besatzung sei in blanker Panik mit dem Rettungsboot geflohen. Nach dieser These soll der Teufel selbst die "Mary Celeste" noch ein paar Tagen durch die Fluten gesteuert haben, bis er endlich das Schiff verließ.

Doch es gibt auch diverse Zeitzeugen, die ein Mordkomplott an Bord witterten. Im Mittelpunkt all dieser Theorien steht der Kapitän Briggs. Nach der einen Meinung soll die Crew, betrunken vom Rohalkohol, den Kapitän und seine gesamte Familie umgebracht und die Leichen über Bord geworfen haben. Die Spur der Mörder verliert sich dann auf der Flucht mit dem Rettungsboot. Eine andere Meinung geht hingegen davon aus, dass Briggs seine gesamte Crew ermordete. Grund dafür soll ein Geheimbündnis von Briggs mit Morehouse (dem Kapitän der "Dei Gratia") gewesen sein, die sich vor dem Ablegen der Schiffe darauf geeinigt hatten, dass Bergungsgeld für die "Mary Celeste" zu teilen. Brigg soll anschließend mit seiner Familie geflohen sein. Also war es vielleicht gar kein Zufall, dass Morehouse mitten im Atlantik auf die umhertreibende "Mary Celeste" traf?

Welches Schicksal die Menschen am Bord der "Mary Celeste" wirklich ereilte wird wohl für alle Ewigkeit ein Rätsel bleiben. Allerdings gibt es ernstzunehmende Theorien, wonach es an Bord der "Mary Celeste" schlicht zu einer Verpuffung des geladenen Rohalkohol kam, wodurch der Ofen aus seiner Verankerung flog. Die Crew soll demnach aus Angst vor weiteren Explosionen auf das Rettungsboot geflohen und dann von einem Sturm mitgerissen worden sein,

Also doch eine unspektakuläre Erklärung für das Schicksal eines der berühmtesten Geisterschiffe?

 

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