Platz 5: Sondersendungen zu Corona, Wahlen und anderen Ereignissen

Endlich ist es Abend. Weil man ja regelmäßig brav seine GEZ-Gebühren entrichtet, möchte man auch mal etwas davon haben. Mediatheken oder kostspielige Streamingdienste sind nämlich auf die Dauer auch langweilig.

 Zwangsverpflichtete Gebührenzahler und werbegenervte Privatsender-Konsumenten freuen sich also auf eine bestimmte Fernsehserie oder einen schönen Film. Stattdessen flimmert plötzlich irgendeine Sondersendung über die Mattscheibe. Egal, ob Naturkatastrophe, US-Wahl, Sportereignis oder Corona: Irgendwie haben anscheinend fast alle Fernsehanstalten beschlossen, die immer gleichen und dürftigen Informationen in künstlich ausgedehnte Sondersendungen zu verpacken. Darin erfährt der Zuschauer dann allerdings oft auch nicht mehr als aus den regulären Nachrichtensendungen. 

Alternativprogramme gibt es anscheinend kaum. Offenbar sind in solchen Momenten die meisten Programmchefs der Meinung, ihre Zuschauer interessiert durchweg nur dieses aktuelle Ereignis. Selbst in laufende Filme, Serien, Dokumentationen und Shows wird zumindest eine Unterzeile eingeblendet und auf eine baldige Sondersendung verwiesen. Zeit also, auf die rote Off-Taste zu drücken und wieder mal einen Blick ins Bücherregal zu werfen…

Platz 4: Updates und andere Verschlimmbesserungen

Wer träumt nicht gern von dem Computer-Zeitalter, als Windows noch ein verlässliches und nützliches Betriebssystem war? Man war meistens noch uneingeschränkter Herrscher über seinen Rechner, bestimmte autonom die Intervalle der Updates und legte eigenständig fest, wann welches Wartungsprogramm was tun sollte.

Vorbei!

Bevor ein Computer heute noch richtig hochgefahren ist, haben Virenscanner, Software-Updates und andere Leistungsfresser bereits ihre Arbeit aufgenommen. Versucht man, die eine oder andere Anwendung anzuhalten, um wenigstens erst einmal arbeiten zu können, erscheint prompt die Meldung: "Zugriff verweigert". Soviel zu den angeblichen Administratorrechten… Der genervte Nutzer kann dann nur warten, bis ihm die eigenständig agierende Technik wieder die vollumfängliche Nutzung des Geräts erlaubt…

Das Ergebnis so genannter Updates besteht zudem mitunter darin, dass Einstellungen am Rechner verändert und Funktionen verschlimmbessert wurden oder dass das jeweilige Programm sich nun selbst Rechte eingeräumt hat, über die es vorher nicht verfügte.

Platz 3: Das Gendersternchen und weitere Sprachverirrungen

Grün*innen, Aktivist*innen und andere politisch korrekte Mensch*innen treiben uns langsam, aber sicher in den Wahnsinn. Angesichts mancher Texte, bei denen es mehr Gendersternchen als Interpunktionen gibt, müssen wir uns eigentlich nicht wundern, falls die Zahl der deutschen Lesemuffel weiter ansteigt. Typ*innen, die immer noch nicht kapiert haben, was ein generisches Maskulinum ist, schwingen sich zur Sprachpolizei auf und verhunzen so die einst erhabene Sprache der Dichter und Denker. Stilistisch nicht weniger schlimm ist es übrigens, aus Studenten kurzerhand Studierende zu machen…

Quasi die Steigerung dieses politisch korrekten Sprechens ist die so genannte Cancel Culture, die mit wirklicher Kultur allerdings nichts zu tun hat. Eifrig wird nachgeforscht, welche historische Persönlichkeit welchen Dreck am Stecken hat (Falls dieser Dreck allerdings durch politisch linke Persönlichkeiten verursacht wurde, wird meist wohlwollend darüber hinweggesehen…). Auch unsere Sprache wurde von der Cancel Culture im Jahr 2020 natürlich nicht verschont. Begriffe wie Mohren-Apotheke, Zigeunersteak oder "getürkt" erregten den Zorn selbstgerechter Sprachapostel. Auch der freundliche, dunkelhäutige Herr als Logo einer bestimmten Reismarke wird wohl daher bald in den zwangsweisen Ruhestand gehen müssen. Da fragt man sich doch: Was ist eigentlich die größere Diskriminierung? Die Abbildung eines Farbigen oder seine politisch korrekte, konsequente Tilgung als Werbefigur?

Platz 2: Verschwörungstheorien, Klimahysterie und andere Fake News

Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut. Es sollte uns daher niemals nerven, wenn Mitmenschen andere Ansichten haben. Das bereichert unseren Horizont und macht im Idealfall die optimale Lösung eines Problems sichtbar.

Was hingegen nervt, sind Zeitgenossen, die ein gewisses Herrschaftswissen für sich reklamieren. Sie meinen, scharfsinniger als andere zu sein und zu wissen, welchen Quellen man allein glauben darf. Diese Spezies durchzieht das gesamte politische Spektrum: Da tauchen Aluhut-Träger, Chemtrails-Gläubige und QAnon-Wissende ebenso auf wie Leute, welche die fiesen Impfabsichten von Bill Gates durchschaut haben wollen, die Kanzlerin wider besseren Wissens als Stasiagentin bezeichnen, alles auf den angeblich menschengemachten Klimawandel schieben oder unverdrossen behaupten, die DDR sei ein Paradies gewesen… Ihre Meinung tun diese Menschen inflationsartig online in unzähligen Kommentaren kund, unabhängig davon, ob der kommentierte Text irgendetwas damit zu tun hat.

Was an diesen Leuten nervt, ist nicht ihre Meinung, sondern ihre Besserwisserei, ihre Leugnung jeglicher Gegenbeweise und ihre Verunglimpfung Andersdenkender. Die Meinungsfreiheit, die sie für sich reklamieren, gestehen sie anderen nicht zu. By the way: Die selbstgewählte Gefangenschaft in der eigenen, ideologischen Filterblase ist kein Phänomen der Verschwörungstheoretiker, Greta-Jünger und Corona-Leugner. Auch ein erschreckend großer Anteil der öffentlich-rechtlichen Medien scheint davon betroffen zu sein.

Platz 1: Cookies und das Märchen vom Datenschutz

Mal schnell etwas im Netz nachlesen? Geht schon lange nicht mehr. Viele Websites sowie zahlreiche Suchmaschinen und Browser lassen zunächst ein großes Fenster aufploppen. Man soll doch bitte erst der Nutzung von Cookies und anderen Analysetools zustimmen. Auch bei akribischer Durchsicht dieser Abfragen gelingt es nicht immer, die beabsichtigte Datenerhebung abzulehnen. Manche Anbieter schwafeln sogar vom berechtigten Interesse an den Daten anderer! Gern wird dabei auf eine angebliche Verpflichtung durch die EU verwiesen. Das ist allerdings eine grobe Verzerrung der Sachlage:

Die EU zwingt selbstverständlich keinen Websiteinhaber und keinen Internetkonzern dazu, Kunden oder Nutzer in den Wahnsinn zu treiben. Die Regelungen des Datenschutzes besagen schlichtweg: Wer andere ausspionieren möchte, soll sich das bitte von den Betroffenen erlauben lassen. Das ist ja irgendwie auch logisch. Nur bei den Datenschutz-Märchenerzählern eben nicht...

Mal ehrlich: Haben wir keine anderen Sorgen? Die Bekämpfung der Pandemiefolgen zum Beispiel, solide Wirtschaftspolitik, zeitgemäße Bildung, Vernunft und Stabilität in der internationalen Politik? Müssen wir uns da wirklich mit Klimahysterie, Genderwahn, Verschwörungstheorien und Pseudo-Datenschutz herumschlagen? Eigentlich gibt es doch auch so schon genug Baustellen auf dieser zunehmend chaotischen Welt. 

Autor seit 9 Jahren
233 Seiten
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