Die Milchfaser oder von der Milch zur Faser

Kasein Grundbaustein für schöne Wäsche

Möchte man heute Erfolg im Verkauf haben, so reicht es häufig nicht mehr nur aus, ein Produkt anzubieten, das qualitativ hochwertig, funktionell oder schön ist. Der Käufer achtet immer häufiger auch auf die Verwendung natürlicher Rohstoffe und darauf dass die Materialien biologisch abbaubar sind. Das führt bedauerlicherweise auch dazu, dass mit Begriffen wie »Bio«, »Öko«, »natürlich« und vielen anderen viel Unfug getrieben wird, und letzten Endes der Käufer oftmals getäuscht wird. Dennoch ist es generell eine positive Entwicklung, dass das Bewusstsein der Kunden für natürliche Rohstoffe in den letzten Jahren stark gewachsen ist. 

Und zum Glück gibt es ja auch noch Menschen, die es tatsächlich ehrlich meinen und den Ausdruck »aus natürlichen Rohstoffen« nicht bloß als Etikett sehen. Bei der Textilindustrie denkt man an alle möglichen pflanzlichen Rohstoffe, wenn man von Öko etc. spricht. Als letztes hätte man bisher aber wohl an Kuhmilch gedacht. Doch die Mikrobiologin Anke Domaske hat zusammen mit dem Faserinstitut Bremen genau das möglich gemacht, nämlich eine Faser entwickelt, die ohne giftige Chemie auskommt und tatsächlich aus Kuhmilch hergestellt wird, wobei das Verfahren sehr Ressourcen schonend sein soll.

Grundstein für die Milchfaser ist das Kasein, das in der Milch enthalten ist. Inzwischen gibt es in der Tat bereits zahlreiche Kleidungsstücke aber auch Tücher, Decken und anderes die aus Milchfasern bestehen.

Sind Milchfasern verschwendete Lebensmittel?

Wenn man heute mit offenen Augen durchs Leben geht, können einem schon größte Zweifel kommen, ob auf unserem Planeten noch alles mit rechten Dingen zugeht. Massenweise werden Lebensmittel vernichtet, nur weil sie überproduziert werden, in Größe und Aussehen nicht in eine bestimmte Norm passen oder das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist. Da stellt sich natürlich auch die Frage, ob es nicht auch Lebensmittelverschwendung ist, wenn nun Milch dazu verwendet wird, Textilien herzustellen.

Die Frage ist natürlich berechtigt. Bei der Herstellung von Milchfasern werden jedoch nur Abfallprodukte verwendet, d.h. Milch, die aufgrund von Hygienemängeln nicht für die Lebensmittelproduktion verwendet werden darf oder das Zentrifugat aus der Käseherstellung. Zumindest ist dies derzeit noch so, je größer jedoch der Markt werden wird, umso mehr muss genau dies überprüft werden, schließlich vermehren sich die schwarzen Schafe immer dann, wenn es lukrativ wird. Kritiker mögen vielleicht vorbringen, dass es so etwas wie eine Ökobilanz gibt und dass selbstverständlich immer erst »unter dem Strich« zusammengerechnet werden darf.

Stimmt. Demnach könnte man noch den Methan Ausstoß der Kühe, der ja tatsächlich häufig mitverantwortlich am Klimawandel gemacht wird, anführen, doch das ist eine Diskussion für sich und ob die zu einem Ergebnis führen würde, bleibt dahingestellt.

Milchfasern als hautverträgliche Alternative

Bequem wie Seide

Natürliche Rohstoffe, ob zu Recht oder nicht, wecken in einem gerne die Assoziation mit kratzenden, wenig modernen bis sackähnlichen Textilien, die wie Ladenhüter des Secondhandshops aussehen. Davon, dass dies bei Produkten aus Milchfaser nicht der Fall ist, kann man sich leicht überzeugen. Sowohl Schnitte als auch Muster der Kleider sind modisch und optisch keinesfalls von herkömmlichen Textilien zu unterscheiden.

Der große Unterschied liegt aber darin, dass die Milchfasern frei von Giftstoffen sind und antiallergisch auf der Haut wirken können, wie man das vor allem im Baby- und Kleinkinderbereich von speziellen Molkeprodukten kennt. Stoffe die aus Milchfasern gewoben werden, kommen vom Tragekomfort und von Gefühl sehr nahe an Seide heran, was solche Kleider zusätzlich ausgesprochen interessant machen.

 Gerade im Bereich der Unterwäsche, sprich bei der Kleidung, die direkt mit der Haut in Kontakt stehen, sind Michfasern ausgesprochen empfehlenswert, da sie hautverträglich sind. Die Kleidungsstücke können genauso wie herkömmliche Kleidung, gewaschen werden mit dem großen Vorteil, dass nichts "ausgewaschenwerden" kann, da keine künstlichen Stoffe bei der Produktion hizugefügt werden müssen und so Stücke aus Milchfasern dauerhafter sind. Somit lohnt sich in aller Regel auch der meist etwas höhere Anschaffungspreis.

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