Vom HiFi-Rack zum flexiblen Alleskönner

Mp3, NAS, Netzwerk und WLan Lautsprecher eröffnen ganz neue Möglichkeiten

Musik hören, ob ganz bewusst oder während der Arbeit und beim Hobby nebenher, ist schon lange eher die Regel als die Ausnahme. Die Technik und ihre stete Weiterentwicklung hat ihren Beitrag dazu geleistet: Immer hochwertigere und dabei günstiger werdende Verstärker, Kassettendecks die klanglich immer besser wurden und dann das (scheinbar) Ultimative:

Die Compact Disc (CD). Und dennoch ergeht es dieser Technik genauso wie allem, was durch die Weiterentwicklung überholt wird – man belächelt es heute.

Heute geht es tatsächlich um ein vielfaches einfacher und vor allem multifunktionaler. Im Prinzip genügen in der einfachsten Version ein Paar WLan Boxen und ein meist ohnehin schon vorhandenes Smartphone um Musik in guter Qualität zu genießen – und das selbst in der einfachsten Version um ein vielfaches komfortabler als mit der alten Stereoanlage (Nostalgiker mögen mir verzeihen).

Unterschied zwischen WLan Lautsprecher und herkömmlichen Boxen

Das Detail steckt im Inneren

Der offensichtliche Unterschied lässt sich natürlich schon in der Bezeichnung ablesen, WLan bedeutet auf jeden Fall schon mal »kabellos«. Das ist in der Tat ein enormer Fortschritt, denkt man an das umständliche Strippen ziehen durch den Raum und dann womöglich sogar noch um den Türrahmen herum. Diese Probleme entfallen bei WLan Lautsprechern naturgemäß. Doch dies ist beileibe nicht der einzige Unterschied zu herkömmlichen Boxen.

Das Detail steckt hinter der, im Übrigen meist sogar sehr konventionell oder gar bewusst »altertümlich« im Retrolook gestalteter Optik. Die Technik die sich im Inneren verbirgt, ist so angelegt, dass sie von unterschiedlichen Geräten drahtlos angesteuert werden kann, im einfachsten und zugleich wohl häufigsten Fall ist dies ein Smartphone oder Tablet.

Mit speziellen, in der Regel sogar kostenlosen, Apps bringt man ganz bequem die Lieblingsmusik auf die WLan Lautsprecher. Der Bedienungskomfort ist dabei ohne Frage dem einer Stereoanlage bei weitem überlegen, schließlich hat man sich seit Einführung von mp3 an eine durchaus neue Art des Musikgenusses und der Titelverwaltung gewöhnt. Die CD oder gar Langspielplatte hat in den meisten Haushalten vermutlich weitestgehend ausgedient. Kaum jemand möchte mehr darauf verzichten, dass ihm Titel, Interpret, Cover und andere Informationen angezeigt werden. Auch das Auswählen der Musikstücke hat sich zwangsläufig verändert.

Der Gang zum Plattenschrank und das Stöbern darin, ist Erinnerung. Bequem blättert man auf dem Smartphone in Verzeichnissen, nutzt die Suchfunktion, um Titel oder Interpreten zu suchen und lässt nicht zuletzt den Zufall entscheiden, was und in welcher Reihenfolge aus der großen Musiksammlung gespielt wird (shuffle mode).

Was benötigt man für den WLan Musikgenuss

Wie immer – je nach Anspruch.

Schon bei der Stereoanlage galt: dem einen reicht eine kleine Kompaktanlage, für den anderen müssen es hochwertige Einzelkomponenten mit bestimmten Eigenschaften sein. Ganz ähnlich ist dies beim Hören über WLan Lautsprechern auch. Wer übrigens bei Amazon (hier einige Beispiele) oder anderen Shops sucht, sollte auch nach »WLan Box«, »Multiroom Player« oder »Netzwerk Lautsprecher« Ausschau halten, denn eine einheitliche Bezeichnung gibt es für WLan Lautsprecher leider nicht.

Lautsprecher Boxen benötigten schon immer eine Klangquelle und so ist das auch mit den WLan Lautsprechern. Als solche wird in diesem Fall ein Server benötigt. Das kann z.B. ein NAS-Laufwerk, ein Computer, eine an den Router angeschlossene Festplatte oder ganz einfach ein Smartphone sein. Doch der Server muss nicht zwangsläufig ein Gerät sein, das sich irgendwo im Haus befindet, auch ein Server über das Internet kann genutzt werden.

Welche einfache Möglichkeiten gibt es?

  • Der PC als Server: Wer seine Cds auf die Festplatte des PCs geripped (»überspielt«) hat, kann relativ bequem diesen als Server nutzen, allerdings, bedarf es dabei noch kleinerer Einstellungen, die nicht immer sofort zum Erfolg führen, wenn man sich in der Materie nicht auskennt. Zunächst muss man dem Verzeichnis natürlich sagen, dass andere Geräte darauf zugreifen dürfen, man benötigt also eine Netzwerkfreigabe. Ganz ohne zusätzliche Software geht es in der Regel auch nicht. Zwar kann man nach der Freigabe von einem anderen PC der sich im Netzwerk befindet auf die Musik zugreifen, nicht jedoch vom Fernseher oder anderen Abspielgeräten. Hierfür benötigt man noch eine spezielle Software. Doch auch die gibt es natürlich und sogar kostenlos. Ich hatte im Vorfeld einige kostenlose, sowie Demoversionen von kostenpflichtigen getestet und dabei stellte sich leider sehr häufig Frust ein. Dann endlich der »Aha-Effekt«. Das kostenlose Programm »PS3 Media Server« (Download auf Chip) ist sehr einfach zu bedienen, enorm schnell bei der Ordnerfreigabe (ein Klick genügt!) und zudem lief alles ohne auch nur einen Abbruch – perfekt. Einzig der Name könnte verwirren. Man benötigt keinesfalls eine PlayStation, um diese Software zu nutzen. Sicherlich ein Nachteil bei dieser Variante ist, dass man den PC eingeschaltet haben muss, sonst kommt natürlich keine Musik auf die Boxen (logisch …).
  • NAS Laufwerk: Bei einem NAS Laufwerk handelt es sich gewissermaßen um eine »aktive« Festplatte, d.h. sie wird nicht an einen PC angeschlossen, sondern hat selbst einen kleinen Computer mit Betriebssystem integriert. Dieses Laufwerk wird an den Router Angeschlossen so dass von jedem Gerät also auch von den WLan Boxen im Netzwerk auf diese zugegriffen werden kann. Diese Lösung ist deutlich komfortabler als die PC-Variante, allerdings auch ein wenig anspruchsvoller bei der Einrichtung, wobei es auch gute bereits vorkonfigurierte NAS Laufwerke gibt.
  • Der Router als Server: Noch wesentlich bequemer und je nach Ausführung zudem noch Energie sparender als ein NAS Laufwerk, ist es, den Router selbst als Server zu nutzen. Allerdings muss hierbei der Router diese Funktion auch mitbringen, was keinesfalls die Regel ist.

Der wohl am häufigsten verwendete Router für diesen Zweck ist die Fritz!Box, an die man ganz einfach eine normale externe Festplatte über USB anschließt und die Box als Server freigibt. Tipp: Sollte die Festplatte nicht erkannt werden oder ein Knacken zu hören sein, liefert der USB Ausgang nicht genügend Strom für diese. Deshalb muss man nicht gleich eine Festplate mit Netzteil kaufen, ein aktiver Hub für ein paar Euro fünfzig reicht vollkommen aus.

  • Smartphone/Tablet: Wer keine allzu umfangreiche Musiksammlung besitzt oder aber eine ausreichend große Speicherkarte eingebaut hat, kann auch sein Smartphone oder Tablet als Server und zugleich Bedienteil verwenden. Die WLan Lautsprecher müssen aber nicht unbedingt auf die interne Musiksammlung zugreifen, auch online Inhalte können mit dem Smartphone abgerufen und über die WLan Lautsprecher abgespielt werden.

  • Online Streaming Dienste: Beliebt aber nichts für Sparfüchse, sind Streaming Dienste im Internet. Dabei ist aber nicht etwa illegales Downloaden etc. gemeint, sondern es handelt sich um kostenpflichtige Anbieter, die eine gigantische Menge an Titeln zum Streamen zur Verfügung stellen

Was für WLan Lautsprecher gibt es?

Für jeden Anspruch das passende Gerät

Am besten ist es, sich selbst erst einmal Gedanken zu machen, was einem an Komfort bei WLan Lautsprechern wichtig erscheint. Es gibt schon im unter 100 Euro-Bereich durchaus ordentliche Systeme für einen einfachen Gebrauch, etwa Boxen, die direkt per Smartphone angesteuert werden und über WLAN oder Bluetooth die Musik abspielen.

Eine Spur professioneller geht es natürlich auch. Wer im ganzen Haus auf seine Musiksammlung zurückgreifen möchte, und dabei auf echten Komfort Wert legt, der wird sich für WLan Lautsprecher entscheiden, die man per Drahtlosnetzwerk komplett miteinander verbinden kann und das eben nicht nur in einem Raum, sondern über mehrere Räume hinweg. Hierbei wiederum gibt es zwei unterschiedliche Möglichkeiten. Entweder man nutzt die »altbekannte« indem man die WLan Boxen einfach ins bestehende Heimnetzwerk einbindet oder aber man erstellt ein eigenes Funknetzwerk zwischen den Boxen, was zu einer größeren Stabilität bei der Übertragung der Audiodaten führt. Hierfür benötigt man in der Regel auch nur wenige Schritte und kein Informatikstudium.

Kann man ein bestehendes WLan Lautsprecher System erweitern?

Wer klein anfängt muss nicht klein bleiben

Wer nicht gleich den ganz großen Schritt wagt und sein komplettes Haus mit WLan Lautsprechern bestücken möchte, der kann auch in kleinen Schritten den Weg zum absoluten Hörgenuss gehen. Einfach mal im Wohnzimmer beginnen und die Möglichkeiten der WLan Boxen erfahren und erleben. Wer von der neuen Audiowelt überzeugt ist (und das dürfte so ziemlich jeder sein) kann problemlos sein System nach Lust und Laune erweitern. Genial dabei ist die Möglichkeit per App, den einzelnen Lautsprechern eine Funktion zu geben, bzw. einzeln anzusteuern. Möchte man etwas mehr »Bums« im Raum schaltet man den Subwoofer dazu, alle Boxen der Etage lässt man die gleiche Musik spielen, was die Hausarbeit deutlich angenehmer macht oder verschiedene Smartphones steuern unterschiedliche Räume an. Es lassen sich bequem Gruppen bilden oder auch wieder trennen, so dass die Möglichkeiten genial einfach oder einfach genial sind.

Wer sich für WLan Lautsprecher entscheidet, für den wird jedenfalls eines klar: Kassettendeck war gestern!

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