Sex sells

Spätestens seit den Werbekampagnen der 1970er Jahre kennt man den Spruch »sex sells«. In veränderter, vereinzelt auch subtilerer Form gilt das auch heute noch. Doch trifft dies auch bei Faschingskostümen zu? Hier scheint es eher ein anderes Phänomen zu sein, denn über die Werbeanzeigen von Kostümen wird kein anderes Produkt verkauft, sondern eben dieses selbst. Sprich, wenn ich eine Krankenschwester mit reichlich Rundungen und knappen, nein knappsten, Röckchen sehe, will die mir weder Joghurt noch Autoreifen schmackhaft machen, sondern eben genau dieses Kostüm.

Eine Möglichkeit …
Damen Kostüm weiß
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Dass ein Mann dies sieht und lechzend gleich ein Exemplar seiner Frau schenkt wäre noch einigermaßen leicht nachzuvollziehen, denn in dem Fall würde das »sex sells« wieder zutreffen, doch wenn es eine Frau für sich selbst kauft, eher nicht. Was sind demnach die Beweggründe für Frauen, sich als sexy Krankenschwester, sexy Polizistin, sexy Zimmerdame oder gar als sexy Pizza (!) zu verkleiden? Liegt es daran, dass im Handel bald jedes Kostüm sehr aufreizend ist oder wenigstens das attribut sexy trägt oder werden so viel angeboten, weil Frauen vorwiegend nur noch solche Kostüme kaufen? Diese Frage muss hier wohl offen bleiben und kann nur von entsprechenden Fachleuten beantwortet werden, mir bleibt nur dies zu beobachten und zu hinterfragen.

Wo bleibt die Originalität beim Fasching

Fasching war stets geprägt durch Originalität und Fantasie. Das zeigt sich bei den traditionellen Hästrägern aber auch in den Hallen, Gaststätten und Partykellern. Aus alten Kleidern wurden und werden Fantasiekostüme hergestellt und übrall wimmelt es nur so vor Hexen, Cowboys, Indianer, Comichelden, Filmstars und Computerspiele-Protagonisten. Gibt man bei den einschlägigen Online-Versandhäusern einen dieser Begriffe ein, bekommt man schnell ein großes Angebot auf den Bildschirm. Und man kann fast schon davon ausgehen, dass ein Großteil davon als »sexy …kostüm« bezeichnet ist.

eine andere Möglichkeit
Oma Kostüm
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Stellt sich nur die Frage, weshalb eine Polizistin sexy sein muss? Muss eine Krankenschwester tatsächlich zwingend einen Ausschnitt bis knapp über das Schambein haben und der Rock des Dienstmädchens eher der Kategorie Hüftgürtel zugeschrieben werden? Gut, vielleicht ist die Frage ein wenig übertrieben, denn natürlich geht es bei Karnevalskostümen selten um ein genaues Abbild der Realität, sonst könnte man das Verkleiden ja auch sein lassen. Aber ist es wirklich so originell aus jedem Kostüm ein sexy Kostüm zu machen? Oftmals lässt sich die Zuordnung der Kostüme zu einer bestimmten Berufsgruppe kaum mehr treffen und ist nur noch anhand mitgeführter Accessoires zu erahnen.

Das weiße Kleidchen mit den weißen Strapsen wird zur Krankenschwesteruniform erst durch ein Häubchen mit rotem Kreuz oder einer große Spritze nebst Stethoskop. Ohne Mütze oder Handschellen ist die Polizistin im blauen Kleidchen häufig auch kaum zu erkennen und nur der Staubwedel macht die Kostümträgerin zum Zimmermädchen. Bisweilen könnte man meinen, die Närrinnen seien gar einem Erotikfilmchen eines Privatsender entsprungen und hätten sich auf den Karneval verirrt.

Nun gut, es gibt so viele Möglichkeiten sich zu verkleiden und ich möchte mich hier auch nicht grundsätzlich gegen ein sexy Kostüm aussprechen, aber originellere Kostüme gibt es allemal und vielleicht lohnt es sich ja, ein wenig zu stöbern und anstatt eines sexy Hamburgers eine Großmutter oder das Krümelmonster zu geben …

In diesem Sinne ein sexy Helau und sexy Alaf!

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