Vorbereitung

Suchen Sie für den Ehrentag eine leichte Wanderung aus, eine Tour, auf der Sie an einem Bach oder Fluss vorbeikommen, wo es eine Bank gibt und auf halbem Weg einen gemütlichen Gasthof. Reservieren Sie am besten schon zwei Wochen vorher dort einen Tisch.

Packen Sie Papier, Filz- oder Buntstifte ein, Band, Klebstoff, Kordel und eine Schere. Bitten Sie jeden aus der Gruppe, ein Foto von der Mutter mitzubringen. Organisieren Sie ein paar Lichtertüten. 

Einstimmung

Zu Beginn des Ausflugs können Sie sich locker austauschen über positive wie negative Erinnerungen an die Mutter, über ihren Charakter, ihre Eigenheiten. Erzählen Sie Anekdoten aus ihrem Leben. Dabei kommt es erfahrungsgemäß zum Gelächter. Vergessen Sie für heute Ihren Ärger mit ihr. Hatte sie Vorlieben für eine bestimmte Musikrichtung? Wie ging sie mit den Wechseljahren um? Mit ihrer schulischen Leistung? Mit Ihrer ersten Verliebtheit? Führte sie ein Haushaltsbuch? Verdiente der Vater das Geld oder arbeitet sie? Und und und..

Unterwegs erzählen (Bild: Foto von Alicia Vaness)

Das gute Essen

Unsere Mütter haben fast täglich mindestens einmal Essen gekocht. Etwa 10000 mal, bis die Kinder ausgezogen. Essen Sie heute im Gasthof, bestellen Sie das Lieblingsgericht ihrer Mutter oder das, was Ihnen selber am besten geschmeckt hat. Erinnern sie sich, wie Ihnen das Wasser im Mund zusammenlief beim Einatmen des Dufts von Braten und Soße. War es der Kalbsbraten? Dann bestellten Sie ihn. War sie Meisterin von Salatsoße? Essen Sie Salat. Machte sie die besten Knödel aller Zeiten? Dann bestellen sie welche. Nehmen Sie die Mahlzeit mit Bedacht zu sich.

Zeigen Sie sich gegenseitig zwischen Hauptmahlzeit und Nachtisch ein Foto Ihrer Mutter. Ähneln Sie ihr oder mehr dem Vater? War sie eher kränkelnd oder das blühende Leben? Hatte sie Zeit für Hobbys? Welche waren das? Hat sie genäht, gestrickt, gestickt?

Und welchen Nachtisch fand sie unwiderstehlich? War es ein Eis? Dann gönnen Sie sich auch eine Kalorienbombe mit Sahne, hätte ihre Mutter auch getan. 

So langsam sollten die Mütter im Jenseits aufhorchen.

Duftender Sonntagsbraten, wie damals (Bild: http://pixabay.com/static/u...)

Wanderung bis zur Bank

Setzen Sie gut gesättigt die Wanderung fort. Halten Sie die Augen auf. Unterwegs begegnen Sie sicher in Flora und Fauna etwas, was Sie an Ihre Mutter erinnert; vielleicht den Ehrenpreis, an dem sie sich so erfreute, die Pfefferminze, die sie frisch für den Tee ansetzte, das Schöllkraut, mit dessen gelbem Saft sie Ihre Warzen einstrich, oder die Schmetterlinge, die freilich zu ihren Lebzeiten einen reicheren Lebensraum vorfanden. 

Ehrenpreis am Wegesrand (Bild: Foto von Aliclia Vaness)

Kreative Rast

Als Kinder haben wir der Mutter gerne Herzen geschenkt. Nehmen Sie bei der ersten Rast Papier und Stifte zur Hand und machen es wieder. Das geht auch ohne Tisch. Malen Sie die Herzen in der Lieblingsfarbe ihrer Mutter aus, sofern sie eine bevorzugte, und hängen Sie sie nach dem Ausschneiden an ein Band zwischen zwei Bäume. Erinnern Sie sich noch, welche Gefühle Sie damals beim Überreichen des Geschenks hatten?

Jetzt werden sich die Mütter freuen, als längst Verstorbene mal wieder im Mittelpunkt zu stehen.

Wenn Sie gar keine Lust auf Zeichnen haben, können Sie ja ein großes Herz auf der Wiese gestalten, aus Steinen, Zweigen, Tannenzapfen und Blättern. Halten Sie das Ergebnis auf einem Foto fest.

Betrachten Sie Ihr Gemeinschaftswerk noch eine Weile, werden Sie sich auch Ihres mentalen Erbes bewusst. Welche Talente und Stärken haben Sie von ihrer Mutter mitbekommen? Handarbeiten, Kochen, Singen, Durchsetzungsvermögen, ein bisschen Verrücktheit, Humor...Schreiben Sie alles auf, was Ihnen spontan einfällt und falten dann aus dem Papierbogen ein Schiffchen für später.  

 

Herzen aus Papier aufs Band geklebt

Kuchen im Café

Was war der Lieblingskuchen Ihrer Mutter? In unserm Kreis ist es einstimmig die Schwarzwälder Kirschtorte. Selbstverständlich genehmigen wir sie uns im nächsten Café und verspeisen sie mit Genuss.

Die Mütter im Himmel würden vermutlich gerne mal kurz runterkommen. 

Winken Sie ihnen symbolisch zu. 

 

Reinhauen in Gedenken (Bild: http://pixabay.com/static/u...)

Die Schiffchen auslaufen lassen

Lassen Sie beim Bach oder Fluss die beschrifteten Schiffchen auf die Reise gehen. Werden Sie sich bewusst, dass nicht nur das Wasser fließt, auch das Erbe, egal in welcher Hinsicht, vor allem die notierten Talente.

Gleich geht's in den Fluss

Gleich geht's in den Fluss (Bild: Foto von Alicia Vaness)

Ausklang

Wenn Sie Lust haben, bleiben Sie bis zum Sonnenuntergang zusammen, vielleicht in einem Park oder bei jemandem aus dem "Hommagekreis" zu Hause auf dem Balkon. Beschriften Sie die Lichtertüten.

Wie geht es den Müttern wohl jetzt am Ende des etwas anderen Muttertags?

Versprechen Sie ihnen bei einem letzten Glas Wein, dass sie nächstes Jahr wieder "dran" sind. Lassen Sie sie gedanklich in Frieden schlafen gehen.

 

Lichtertüten

Lichtertüten (Bild: Foto von Alicia Vaness)

AliciaVaness, am 28.03.2013
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