Le nozze di Figaro

Le nozze di Figaro (Bild: © Salzburger Festspiele / Ruth Walz)

Le nozze die figaro

Le nozze die figaro (Bild: © Salzburger Festspiele / Ruth Walz)

Ouvertüre

Erster Lichtblick an einem Nachmittag, einem Abend, der in seiner gesamten Dramaturgie, in seiner unerhört erfrischenden, faszinierenden Qualität keinen Vergleich zu scheuen braucht: Nicola Löwenstein, die charmant, herzerfrischend, gelassen und überzeugend mit feiner Eingangsmoderation fachlich hervorragend vorbereitet ihre Doppelaufgabe Moderation und Interviewführung mit Bravour und zauberhaftem Lächeln meistert.

Welch wohltuender Unterschied tritt da zutage! Kann man doch der Versuchung nicht widerstehen und vergleicht die so locker, leger, fröhliche, dennoch profunde Sachkenntnis ausstrahlende Löwenstein mit den verzopft-blasierten ORF-Moderatorinnen und Moderatoren!

Erfrischend und leicht, leger und dennoch informativ das Gespräch mit Anett Fritsch (Gräfin), das noch knapp vor Beginn der Ouvertüre zustande kommt. Das Interview mit dem zwischen mehreren Sprachen beständig wechselnden Dirigenten Dan Ettinger versteht die Moderatorin ebenso in geordnete Bahnen zu lenken wie dem scheinbar mürrischen, ein wenig wortkargen Regisseur Sven-Eric Bechtolf das Geständnis zu entlocken, dass der Figaro seine Lieblingsoper aus dem Da Ponte Zyklus sei.

Natürlich könnte man hier von Belanglosigkeiten oder netten Details sprechen, könnte man, ja. Nicht aber, nachdem man diese Übertragung erleben durfte, um die Handschrift und meisterhafte Arbeit, das kongeniale Zusammenspiel von Dirigent und Regisseur zu entdecken!

Dan Ettinger zollt mit seinem einfühlsamen, präzisen Dirigat der schwierigen Aufgabe allen Respekt. Er vollbringt dies bar jeglicher Dirigentenallüren, bescheiden, beinahe gar ein wenig schüchtern, exzellent vorbereitet, präzise und verlässlich. Ohne Schnörkel, ohne Effekthaschereien lässt er den Wiener Philharmonikern spielerischen Freiraum, der dieses Orchester akkurat das ausführen lässt, was es am besten zu leisten vermag: Mozart, Mozart, Mozart!

Sven-Eric Bechtolfs Regie fügt sich harmonisch in dieses Klangwunder. Da ist keine Geste verschwendet, Mimik akzentuiert und auf den Punkt gebracht, beziehen die Protagonisten wie selbstverständlich ihre Positionen, die im sehr reduziertem Bühnenbild von Alex Eales und der Dramaturgie von Ronny Dietrich reüssieren.

Alles stimmig, alles klar, alles akzentuiert umrissen, um den handelnden Personen die Bühne zu bereiten. Hier will niemand das Publikum mit effekthascherischem Regie-Theater samt banalen oder aberwitzigen Einfällen quälen.

Wechselspiele

Selten hat man eine so perfekt auf Da Pontes quirligen Text eingeschworene, abgestimmte, verschworene Schicksalsgemeinschaft dabei beobachten können, wie diese dem geschriebenen Wort des Libretto-Textes derart zauberhaft-geniales, schwungvolles Leben einhaucht.

Martina Janková ist die Idealbesetzung der Susanna, die sie schelmisch, klug, spitzbübisch, verliebt, sehnsüchtig, eifersüchtig, liebeskrank, herrisch, zärtlich wie entschieden charakterisiert und sich dabei auf eine Stimme verlassen kann, die von atemberaubender Klarheit in lyrischer Schönheit strahlt.
(Wessen Idee war es eigentlich, diese Rolle unlängst einer Anna Netrebko umzuhängen? Klassische Fehlbesetzung!)

Adam Plachetka ist ein stattlicher Figaro, eine eindrucksvolle Erscheinung zweifellos, der man nie und nimmer ansehen würde, dass er von seiner Susanna nach Strich und Faden gegängelt, manipuliert und in die Irre geführt wird und sich dies obendrein alles gerne gefallen lässt (gefallen lassen muss!). Fabelhaft seine facettenreiche Stimme, fabelhaft sein großes Schauspieltalent, fabelhaft seine Bühnenpräsenz.

Graf (Luca Pisaroni) und Gräfin, die jeweils eigene Interessen befördern und bedienen wollen, sehen sich alsbald selbst in den sich immer schneller drehendem Sog der Ereignisse gefangen, die Da Pontes teuflisch-heiterer Text so mühelos hervorzuzaubern imstande ist. Anett Fritsch verleiht dank ihrer weichen, einprägsamen Alt-Stimme dem Profil der feinfühligen, edlen, hohen Aristokratin außergewöhnliche Farben und Präsenz. Sie weiß um ihre Fähigkeiten, die nicht bloß den von inneren Kämpfen und Zweifeln beherrschten Cherubino (Margarita Gritskova, hervorragend!) an den Rande der Verzweiflung und darüber hinaus führen, sondern auch ihren angetrauten Mann letztlich flehend wieder um sie werben lässt.

Ergänzt wird dieses schier ausweglose Suchen und Finden, Verstecken und Entdecken, Tarnen und Täuschen, Verzweiflung und trügerische Hoffnung durch eine professionell agierende Mannschaft an Nebenfiguren, die allesamt hier aufzuführen den Rahmen sprengen würde. So viel sei gesagt und geschrieben, dass man auch die unscheinbarste (wiewohl es strenggenommen keine unscheinbaren Rollen in diesem Meisterwerk geben kann) Rolle mit hochkarätigem Sänger-Personal bestückt hat: Ann Murray(Marcellina),Carlos Chauson,(Don Bartolo), Paul Schweinester (Don Basilio), Franz Supper (Don Curzio),Christina Gansch (Barbarina),Erik Anstine (Antonio).

Wenn man partout herausstellen müsste, wer denn, welche Szene denn, welcher Sänger, welche Sängerin einen mehr als prägenden Eindruck hinterlässt, so kann man mit Fug und Recht tatsächlich die Cherubino-Szenen anführen, die genial inszenierte Kostbarkeiten sind und getragen werden vom Zusammenspiel großartiger Gesangs-Stimmen von höchster Präzision und außergewöhnlich betörend, schönem Klang.

Besser kann man Oper nicht inszenieren.Besser kann man Oper nicht zur Aufführung bringen.Besser kann man Oper nicht präsentieren.

Eine ausgeklügelte wie dezente gehandhabte Kameraführung verstärkt die Strahlkraft und die Dynamik dieses denkwürdigen und bezaubernden Abends.

Servus TV hat sich dieser großen Herausforderung, diesem Wagnis, das eine Direkt-Übertragung stets ist, gestellt und mit Bravour gemeistert. Der Salzburger Sender hat dieses fulminante Opernereignis von Weltformat mit sichtlich großem Enthusiasmus und qualitativ hervorragendem Personal begleitet.

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