Nachtgefährten

Nachtgefährten (Bild: Ariane Abt)

Nein, hier wird niemandem Hoffnung gemacht, hier wird garantiert kein "Happy End" den Leser, die Leserin wieder in behütete und ruhige Gefilde bringen, nein, es wird auch jene Beklemmung nicht weichen, jenes Unbehagen, das sich still und heimlich in das Gemüt des Lesers, der Leserin einnistet. 

Will man sich diesen mysteriösen, dunklen Geschichten annähern, so tut man gut daran, die einführenden Worte der Autorin zu beherzigen:..."Wenn Gedanken sich wie ein Huckauf im Kopf einnisten, dort festkrallen und jeden Anflug von Schlummer ins Nirgendwo treiben, dann schleichen auf leisen Sohlen Gespenster herbei, flüstern und raunen gruselige Geschichten ins Ohr. Schaurige Dämonen huschen über den düsteren Flur. Morsche Dielen knarren. Geschöpfe aus fernen, dunklen Zonen malen zuckende Schatten an die Wand, begleiten durch Furcht und Finsternis. Sie entführen in Sphären jenseits der Grenzen unserer Wirklichkeit...die Nachtgefährten."

Soll also niemand sich beklagen, er wäre nicht gewarnt worden!

Entdeckungsreisen 

Tatsächlich heben die meisterhafte Sprache, die wie ein stabiles, Vertrauen erweckendes Gerüst all diese Nachtgeschichten umschließt, sowie die aberwitzigen, sonderbaren, verrückten oder unerwarteten Winkelzüge, die sich in den Texten finden, diese großartige Sammlung weit über das, was in diesem Genre in letzter Zeit publiziert worden ist. Klar, Horror und Schauderhaftes findet man zuhauf, wird munter geschrieben und auch veröffentlicht, allerdings nicht in jener literarisch sorgfältig und aufwändigen Meisterschaft, wie es Ariane Abt hier vorlegt. 

Hervorheben muss man vor allem die Auswahl an Gedichten, die Ariane Abt den Geschichten beigefügt hat. Da finden sich Zeilen, Strophen, Reime, die all das ausdrücken, beweisen und verdeutlichen, was Lyrik sein soll, was Lyrik ausmacht: Die Tiefe ausloten, das Gefühl, die Stimmungen, die Farben, die Geräusche beschreiben, die Eindrücke wiedergeben, wieder erlebbar machen, empfindsam. 

Liest man beispielsweise die Gedichte "Walpurgisnacht", oder "Im Schattenreich", "Schattenhaus" und "Heidemond", so kann man wohl mit Fug und Recht behaupten, dass diese Textperlen ein eigenständiges Leben im Rahmen eines Gedichtbandes verdient hätten!

 

Es wird relativ rasch klar, dass da in jeder Geschichte, in jedem Gedicht Autorenherzblut, Autorenmeisterschaft, Autorenstolz mitschwingt, sei es in der einleitenden Geschichte "Das Findelkind", die mithilfe des vorangestellten Gedichts "Heidemond" eine Einheit bildet, sei es mit der Geschichte "Im Moor", die tiefen Eindruck macht. "Das unheimliche Fenster" wiederum ist ein Text, der sich langsam und stetig in einem Spannungsbogen bewegt, um schließlich eben dort zu enden, wo die meisten jener düsteren Geschichten enden: als Rätsel, als Mysterium. 

Immer jedoch kann man sich getrost auf die unaufgeregt gekonnte Sprache der Autorin verlassen, die mit sicherer Hand und zauberhaften, poetischen Bildern diesen Nachtgefährten Leben einhaucht. In diesem Reigen an schaurig-schönen Geschichten geschieht dem Leser, der Leserin eines auf alle Fälle: Man wird gefangen, man ist gefesselt, man ist ausgeliefert, man ist mit klopfendem Herzen und stets drängender werdenden Neugier konfrontiert mit einem unvergleichlichen Kosmos der Nacht, dem Schattenreich, dem Totenland, dem Makabren und Übersinnlichen, das Ariane Abt in allen Facetten und Nischen beleuchtet, stets darauf bedacht, das Wesentliche nicht außer Acht zu lassen: Die meisterhafte Handhabung ihrer poetischen, melodischen Sprache, die das Lesen dieser wahrhaft spannenden Texte zu einem Vergnügen allerersten Ranges werden lässt.

 

 

 

 

 

 

njrottensteiner, am 27.06.2013
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Bildquelle:
W. Zeckai (Wie macht man eine Lesung erfolgreich?)
Amazon Prime - Video, Film (Der Hundertjährige der aus dem Fenster stieg und verschwand)
Mag.a Bernadette Maria Kaufmann (Farbspiel Band 1: Weiß)

Autor seit 5 Jahren
25 Seiten
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