Im Vergleich zu vielen anderen europäischen Ländern, wo die Einrichtung von Nationalparks längst begonnen hatte, war die Bundesrepublik Deutschland in der Nachkriegszeit relativ rückständig, wenn es um Naturschutzbelange ging. Das aufstrebende Wirtschaftswunderland hatte andere Sorgen, als dem Erhalt von intakter Natur mit artenreicher Pflanzen- und Tierwelt Beachtung zu schenken. Man wollte in der Welt wieder anerkannt werden, und nach dem verlorenen Krieg an die wirtschaftliche Bedeutung früherer Zeiten anknüpfen. Doch beklagten auch damals schon viele Bundesbürger/innen das Schwinden an Lebensqualität wegen der fortschreitenden Naturzerstörung durch Straßenbau und andere Baumaßnahmen, sowie Flurbereinigung, Flußbegradigungen und Verkehrslärm.

 

In diesem Artikel finden Sie:

1970 wird der erste deutsche Nationalpark eröffnet

1997 wurde das Nationalparkgebiet auf 242 km² vergrößert

Karte des Nationalparks Bayerischer Wald

Klima und Wetter im Bayerischen Wald und Böhmerwald

Öffentliche Verkehrsmittel im Nationalpark

Einrichtungen für Besucher

Nationalparkzentrum Lusen - Informationszentrum für Besucher bei Neuschönau

Nationalparkzentrum Falkenstein bei Ludwigsthal

Wanderwege und Ausflugsziele im Nationalpark

Das Felswandergebiet bei Neuschönau

Filze – ein wichtiger Lebensraum für Pflanzen und Tiere

Die Schachten bei Buchenau – die Almen des Bayerischen Waldes

Artenreiche Laubwälder, Mischwälder und Nadelwälder - mit seltenen Pflanzen und Tieren

Nagetiere

Insektenfresser

Huftiere

Raubtiere

Luchse - ihre Rückkehr ist ein großer Erfolg für den Naturschutz

Singvögel

Spechte

Schreitvögel

Eulen

Taggreifvögel

Raufußhühner

Amphibien

Reptilien

Fische

Wirbellose Tiere

Der Nationalpark - wichtig für Mensch und Natur

Luchse - die Stars des Nationalparks

Luchse - die Stars des Nationalparks (Bild: Dirk Schumacher / Pixabay)

1997 wurde das Nationalparkgebiet auf 242 km² vergrößert

Seit 1997 sind nunmehr 242 km² auf deutscher sowie 680 km² auf tschechischer Seite als Nationalpark ausgewiesen. Dies ist ein in Mitteleuropa einmaliges flächendeckendes und grenzübergreifendes Großschutzgebiet. Seit dem Fall des "Eisernen Vorhangs" können auch Tiere über die Grenze wechseln. So sind schon Luchse aus Böhmen in den Bayerischen Wald eingewandert. Bisweilen tauchen sogar Wölfe und Elche auf. Die Luchse in Bayern sind leider durch Wilderei sehr gefährdet - die Gefahr ist groß, dass die schöne, für Menschen ungefährliche Wildkatze im Freistaat ein zweites Mal ausgerottet wird!

Bayern muss Luchsland bleiben! - Hier ein Artikel vom Bund Naturschutz

Der Luchs - in Bayern trotz Schutz ...

Der Luchs - in Bayern trotz Schutz sehr gefährdet! (Bild: sipa / Pixabay)

1970 wird der erste deutsche Nationalpark eröffnet

Erste Forderungen nach einem größeren Naturreservat im Bayerischen Wald gab es schon Anfang des 20. Jahrhunderts. Sogar zur Zeit des nationalsozialistischen Terrors Ende der 1930er Jahre war die Einrichtung eines Nationalparks geplant. Durch den Zweiten Weltkrieg wurde die Nationalparkidee erst einmal ausgesetzt.

1966 setzte sich besonders der Frankfurter Zoodirektor und Tierfilmer Professor Bernhard Grzimek für die Einrichtung eines Nationalparks im Bayerischen Wald ein. Das allgemeine Interesse in der Bevölkerung, aber auch die Bedenken der Einheimischen im Bayerischen Wald waren groß. Widerstände und Bedenken in der lokalen Bevölkerung konnten überwunden, oder zumindest eingeschränkt werden. 1969 beschloss der Bayerische Landtag einstimmig die Errichtung des Nationalparks, und schließlich wurde 1970 der erste deutsche Nationalpark eröffnet. Er hatte damals eine Größe von 132 km². Bis 1992 wurde noch etwas Forstwirtschaft zugelassen, allerdings nicht in den noch vorhandenen Resten von ursprünglichem Wald.

Karte des Nationalparks Bayerischer Wald

Klima und Wetter im Bayerischen Wald und Böhmerwald

Lange oft schneereiche Winter und kurze warme Sommer sind typisch für den Bayerischen Wald und den Böhmerwald. Die meisten Regenmengen gibt es im Juli, während im Dezember und Januar besonders viel Schnee fällt. Besonders in den Hochlagen kann die Schneehöhe manchmal über drei Meter Höhe erreichen, und hier liegen bisweilen bis zu neun Monate Schnee. In den tieferen Lagen des Bayerischen Waldes ist das Klima weit weniger rau. Sogar etwas Wein wird am Fuß des Bayerischen Waldes angebaut. Das kleinste Weinanbaugebiet Bayerns liegt nahe bei Regensburg.

Der Nationalpark selbst liegt an der tschechischen Grenze im, auch "Hinterer Bayerischer Wald" genannten Böhmerwald. Daher ist das Klima hier mehr kontinental geprägt, mit langen schneereichen Wintern.

Öffentliche Verkehrsmittel im Nationalpark

Seit 2000 gibt es ein neues Verkehrskonzept, das Gästen einen autofreien Urlaub im Nationalpark und im benachbarten, noch größeren Naturpark Bayerischer Wald ermöglichen soll. Mit dem Bayerwald-Ticket wurde ein neues Verbundtarif-Angebot eingeführt. Die sogenannten Igelbusse sind zwei Bussysteme, die mit Erdgas fahren und im Gebiet des Nationalparks verkehren. Es gibt auch eine Waldbahn, mit der Besucher in die Urlaubsorte anreisen können.

Einrichtungen für Besucher - Informationszentren, Tier-Freigelände, Pflanzen- und Gesteinsgärten und ein Baumwipfelpfad

Zwei große Informationszentren gibt es im Nationalpark. Das ältere ist das Nationalparkzentrum Lusen bei Neuschönau. Bei Ludwigsthal befindet sich das Nationalparkzentrum Falkenstein, das zweite der beiden großen Besucherzentren.

Im waldgeschichtlichen Museum St. Oswald finden Besucher eine Nationalpark-Infostelle sowie Informationen über die Geschichte des Bayerischen Waldes, auch über die Entwicklung des Waldes nach der letzten Eiszeit. In einem begehbaren Baum sind verschiedene Ausstellungen auf drei Stockwerken miteinander verbunden.

Auch im Naturparkhaus Zwiesel sowie im Grenzbahnhof Bayerisch-Eisenstein gibt es Info-Stellen über den Nationalpark. Außerdem kann man sich hier über den angrenzenden tschechischen Nationalpark Šumava sowie über den Naturpark Bayerischer Wald informieren. Weitere Informationsstellen bieten die Gemeinden Mauth und Spiegelau sowie das Glasmuseum Frauenau.

 

Mehr Menschlichkeit für Tiere - Vier Pfoten engagiert sich auch für Wildtiere!

Nationalparkzentrum Lusen - Informationszentrum für Besucher bei Neuschönau

Das Nationalparkzentrum Lusen ist eines von zwei Besucherzentren und eine wichtige Anlaufstelle. Der Eintritt ist frei, auch in das dazugehörende Tier-Freigelände sowie in das Pflanzen-Freigelände und das Gesteins-Freigelände. Nur für die Parkplätze wird eine Gebühr verlangt.

Im Hanns-Eisenmann-Haus können sich Besucher aus erster Hand über den Nationalpark informieren. Sachkundige Beraterinnen an der Besuchertheke beantworten alle Fragen zum Nationalpark. Einen interessanten Überblick über die Pflanzen- und Tierwelt des Parkgebiets findet man in Ausstellungen, Schautalfeln und Broschüren.

Eine besondere Attraktion ist das Tier-Freigelände, dessen Eingang sich neben dem Hanns-Eisenmann-Haus befindet. Auf einer Fläche von ungefähr 2,5 km² sind in Volieren und weitläufigen Wildgehegen Tiere untergebracht, die im Bayerischen Wald heute noch vorkommen oder früher verbreitet waren. Nicht alle Tiere sind immer zu sehen, da viele tagsüber ruhen und erst in der Dämmerung oder nachts aktiv werden, wie zum Beispiel Dachse.

Das Pflanzen-Freigelände, ein 0,04 km² großer Naturgarten, umgibt das Hanns-Eisenmann-Haus. Informationstafeln erklären den Besuchern die Pflanzen, die mit über 700 Arten im Freigelände zu finden sind.

Das Gesteins-Freigelände bietet anschauliche Informationen über die Geologie des Bayerischen Waldes und erklärt auch, wie sich Gebirge auffalten und wie die Erde entstanden ist.

Im Jahr 2009 wurde mit dem weltweit größten Baumwipfelpfad eine weitere Besucherattraktion eingeführt. Hier können Besucher über einen Einstiegsturm auf die Holzkonstruktion gelangen. Gebrechliche oder gehbehinderte Besucher können den Lift im Einstiegsturm benutzen. In einer Höhe von 8 bis 25 Metern über dem Waldboden können Besucher den Wald erfahren, sozusagen auf Augenhöhe mit Vögeln und Eichhörnchen. Der etwa 1.300 Meter lange und barrierefreie Höhenpfad ist auch für Besucher mit Kinderwägen oder Rollstuhlfahrer geeignet.

Der Baumwipfelpfad

Der Baumwipfelpfad (Bild: kheinz46 / Pixabay)

Nationalparkzentrum Falkenstein bei Ludwigsthal

Ludwigsthal, ein Ortsteil der Gemeinde Lindberg, liegt etwa 5 km nördlich der kleinen Stadt Zwiesel. 2005 wurde hier das Infomationszentrum Falkenstein mit dem Haus der Wildnis sowie einem Tier-Freigelände und einer Steinzeithöhle eröffnet.

Im weitläufigen Tier-Freigelände sind Wildpferde und rückgezüchtete Wildrinder zu sehen, die den leider im 17. Jahrhundert ausgerotteten Auerochsen sehr nahe kommen. Die anderen Gehege sind mit Luchsen und Wölfen besiedelt.

Wanderwege und Ausflugsziele im Nationalpark

Inmitten der naturbelassenen Nadel-, Laub- und Mischwälder, am Rand der Filze, über die Schachten und auf die Berge des Nationalparks werden Besucher auf angelegten und ausgewiesenen Wegen geleitet. Wanderwege, Radwege und Reitwege dürfen allerdings nicht verlassen werden, um keine Pflanzen zu zertreten. Auf keinen Fall sollen die Tiere des Nationalparks durch Besucher gestört werden. Daher müssen Hunde an der Leine geführt werden. Auch im Winter können Besucher die verschneite Landschaft auf ausgewiesenen Skiloipen erkunden. Besucher werden um Verständnis gebeten, dass Parken nur auf ausgewiesenen Parkplätzen erlaubt ist.

Im Nationalpark gibt es Wanderwege, die verschiedene Orte miteinander verbinden. Diese Verbindungswege sind mit einem Pflanzensymbol auf weißem Schild versehen.

Die Rundwanderwege haben ein Tiersymbol auf gelbem Grund. Auf diesen Wegen kehrt man zum Ausgangspunkt zurück.

Auch einige Fernwanderwege führen durch das Parkgebiet. Für diese Wege wurde das auch außerhalb des Parks geltende Symbol übernommen.

Der Große Rachel, zweithöchster Berg des gesamten Bayerischen Waldes, ist mit 1.453 Metern die höchste Erhebung des Nationalparks. Am Fuß des mit Mischwald und Fichtenwald bewachsenen Berges befindet sich der eigenartige Rachelsee. Sein dunkelbraun gefärbtes Wasser ist ziemlich sauer, daher sind nur wenig Lebewesen im See zu finden. Nur einige Algen und Mikroorganismen überleben in dem See, der einen pH-Wert von 4 bis 5 aufweist. Außerdem wurden Larven von Köcher- und Schlammfliegen sowie von Libellen in dem sauren Gewässer festgestellt. Oberhalb des Sees befindet sich die ganz aus Holz gebaute Rachelkapelle.

Nordwestlich des Großen Rachels befindet sich der Kleine Rachel. Er erreicht 1.399 Meter Höhe.

Im Osten des Nationalparks nah der tschechischen Grenze erhebt sich der 1.373 Meter hohe Lusen. Der unverwechselbare, mit Granit-Felsblöcken bedeckte Gipfel ist eine geologische Besonderheit in Bayern. 1995 begannen viele Bäume des Bergwaldes durch Befall des Borkenkäfers abzusterben. Für viele Besucher war die Entscheidung der Nationalparkverwaltung, das Totholz nicht zu entfernen, unverständlich. Diese Entscheidung war dennoch richtig, denn der Wald wächst wieder nach, und die abgestorbenen Bäume dienen vielen Tieren als Unterschlupf. Die natürliche Waldentwicklung geht weiter. Ein neuer Wald entsteht.

Seit die Fläche des Nationalparks erweitert wurde, gehört auch der Große Falkenstein (1.315 Meter hoch) zum Parkgebiet dazu. Unterhalb des Berges liegt das Höllbachgspreng, ein bewaldetes Felsmassiv, durch das der Höllbach eine tiefe, enge Schlucht eingeschnitten hat. Hier gibt es noch Reste des einstigen Urwaldes, ebenso im Urwald Mittelsteighütte. Er liegt zwischen dem Großen Falkenstein und dem 1.190 Meter hohen Kleinen Falkenstein. Richtigen Urwald, also von Menschen völlig unberührten Wald, gibt es auch im Bayerischen Wald keinen mehr, aber die Wälder kommen einem Urwald doch recht nahe. Das Ziel der Nationalparkverwaltung ist, wieder einen Urwald entstehen zu lassen.

Auf alle Berggipfel führen markierte Wanderwege, die festes Schuhwerk und gute gesundheitliche Kondition erfordern. Der Aufstieg durch die naturbelassenen Wälder zu den Gipfeln lohnt sich, nicht nur wegen der schönen Aussicht.

Das Felswandergebiet bei Neuschönau

Eine Wanderung durch einen Bergmischwald mit alten, teils umgestürzten Bäumen und imposanten, oft bizarren Felsformationen kann man im Felswandergebiet östlich der Gemeinde Neuschönau unternehmen. Der "Rundweg Haselhahn" dauert etwa 1,5 Stunden, der teils steile Aufstieg zu den Felsvorsprüngen Kanzel (1.002 Meter hoch) und Kleine Kanzel (1.010 Meter hoch) wird durch angelegte Steinstufen etwas leichter. Der Höhenunterschied bei diesem Wanderweg beträgt etwa 190 Meter. Rastplätze, eine Schutzhütte und Aussichtspunkte, von denen man an klaren Tagen bis zu den Alpen sehen kann, sind vorhanden. Parkplätze befinden sich beim nahen Jugendwaldheim.

Filze – ein wichtiger Lebensraum für Pflanzen und Tiere

Besonders für Kleintiere sind die durch Regen gespeisten Hochmoore, in Bayern Filze genannt, von großer Bedeutung als Lebensraum. Viele spezialisierte Schmetterlinge wie der Hochmoor-Perlmutterfalter oder der Hochmoorgelbling sind auf die Filze angewiesen. Zahlreiche Libellenarten, Käfer und Spinnen sind auf diesen Lebensraum spezialisiert.

Die Waldeidechse, die Kreuzotter und verschiedene Amphibienarten wie der Moorfrosch finden hier ihr Refugium. Seltene Pflanzen wie die Heidekrautgewächse, die Wollgräser sowie Zwergbirke und Waldkiefer gedeihen nur auf den sauren Böden gut.

Diese einzigartigen Lebensräume dienen außerdem als Wasserspeicher und sind auch für das regionale Klima von großer Bedeutung, da sie als Wasserspeicher zu Beginn der Vegetationsperiode für eine langsamere Erwärmung sorgen.

Die Schachten bei Buchenau – die Almen des Bayerischen Waldes

Die baumfreien Hochflächen auf den Bergkämmen zwischen Rachel und Falkenstein befinden sich in einer Höhe von 950 bis 1200 Metern Höhe nahe der tschechischen Grenze. In früherer Zeit als Weideflächen gerodet, bieten die ehemaligen Almweiden für viele Pflanzen und Tiere einen idealen Lebensraum. Reizvoll ist eine Wanderung durch die abwechslungsreiche Vegetation mit lichtem, oft windzerzausten Bestand an freistehenden Bäumen – die weiten Flächen bieten einen wunderbaren Ausblick auf die waldreichen Berge der Umgebung. Unterwegs gibt es keine bewirtschafteten Almen oder Berghütten, daher ist bei einer Schachtenwanderung Rucksackverpflegung notwendig. Fünf Kilometer östlich von Buchenau liegt der Latschensee, ein Hochmoorsee ohne Abfluss.

 

Bild: Der Ruckowitzschachten

Artenreiche Laubwälder, Mischwälder und Nadelwälder - mit seltenen Pflanzen und Tieren

Das Vorkommen von etwa 7.300 Arten an Pflanzen und Tieren im Nationalparkgebiet gilt als gesichert. 760 Arten von Gefäßpflanzen, 340 Flechten- und 490 Moosarten sowie 1.860 Pilzarten konnten nachgewiesen werden. Von den ungefähr 3.850 Tierarten sind die meisten den Wirbellosen zuzurechnen. An Wirbeltieren gibt es inzwischen wieder Vögel und Säugetiere, die bereits durch menschlichen Einfluss ausgestorben waren. Durch Wiederansiedlungsprojekte und gezielte Schutzmaßnahmen bei rückwandernden Tieren konnten erfreuliche Erfolge verzeichnet werden.

Die Vegetation im Park ist je nach Höhenlage unterschiedlich. Prägend für die höheren Lagen des Parkgebiets sind Bergfichtenwälder, während an den Hängen ein Mischwald, bestehend aus Rotbuchen, Weißtannen Bergulmen und Fichten sowie zu finden ist. In den Tälern wächst, je nach Bodenbeschaffenheit, Laubwald, Mischwald oder Nadelwald. Der Reichtum an seltenen Pflanzen ist im Parkgebiet bemerkenswert. So wachsen Gebirgs-Frauenfarn, Siebenstern, der insektenfressende Sonnentau, Türkenbund-Lilie und Pannonischer Enzian an vielen Stellen im Unterwuchs der Bergwälder, besonders in Schluchten und an Abhängen. Der Blaue Tarant hat am Großen Falkenstein eines seiner wenigen Vorkommen in Deutschland. Die seltene Enzian-Art kommt sonst nur auf dem Balkan, den Alpen und Pyrenäen vor.

Etwa 156 Arten von Wirbeltieren wurden im Park festgestellt, sowie über 3.690 Wirbellose Tiere. Einige der Vertreter der Pflanzen- und Tierwelt möchte ich Ihnen hier vorstellen:

Nagetiere

Verschiedene Arten von Nagetieren, von kleinen Mäusen, wie der Waldmaus, der Gelbhalsmaus, der Rötelmaus und der Brandmaus, bis hin zum großen Biber (Castor fiber), kommen im Gebiet vor. Eichhörnchen sind überall verbreitet, und auch die vier einheimischen Bilche, Siebenschläfer (Glis glis), Gartenschläfer (Eliomys quercinus) und Haselmaus (Muscardinus avellanarius) kommen vor. Sogar Baumschläfer (Dryomys nitedula)wurden festgestellt, die im Bayerischen Wald, dem Fichtelgebirge und den Alpen ihre westlichste Verbreitungsgrenze haben. Alle Bilche halten Winterschlaf, in der warmen Jahreszeit sind kleinen flinken Nager dämmerungs- und nachtaktiv.

Insektenfresser

Auch die Gattung der Insektenfresser ist im Nationalpark vertreten: Igel und einige Spitzmausarten, darunter die seltene Alpenspitzmaus kommen vor. Fledermäuse sieht man in der Abend- und Morgendämmerung ausfliegen, darunter wurden auch besonders seltene Arten wie die Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus), die Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteini) und das Große Mausohr (Myotis myotis) festgestellt.

Huftiere

Das Europäische Reh (Capreolus capreolus) ist ein häufiges Tier im gesamten Bayerischen Wald. Dies war aber nicht immer so. Um 1800 gab es kaum noch Rehe, und auch Rothirsche (Cervus elaphus) waren sehr selten. Die Gründe lagen in übermäßiger Bejagung. Heute sind die Bestände gesichert.

Manchmal tauchen sogar Elche (Alces alces) im Nationalpark auf. Sie kommen aus einem Teichgebiet in Südböhmen, wo sich ein kleiner Bestand von 20 bis 30 Tieren gebildet hat. Einige der mächtigen Hirsche mit dem Schaufelgeweih gelangen auf ihren Wanderungen bis Österreich und Deutschland. Vielleicht wird mit der Zeit ein kleiner Bestand an Elchen entstehen.

Wildschweine (Sus scrofa) kommen in den Laub- und Mischwäldern mit einem hohen Anteil an Eichen und Buchen vor. Zu beobachten sind die Tiere am besten im Tier-Freigehege im Nationalparkzentrum Lusen.

Rothirsch (Bild: Hans Braxmeier / Pixabay)

Raubtiere

Zahlreiche Arten von Raubtieren sind im Nationalparkgebiet zu finden. Der Rotfuchs (Vulpes vulpes) ist weit verbreitet, aber nur selten zu sehen. Der Europäische Dachs (Meles meles) führt ein heimliches Leben, da er überwiegend in der Dämmerung und nachts aktiv ist. Außer der größten heimischen Marderart gibt es noch kleinere Vertreter dieser dieser Raubtierfamilie. Das Hermelin (Mustela erminea), dessen Fell sich im Winter weiß färbt, und das Mauswiesel (Mustela nivalis) sowie Baummarder (Martes martes) und Steinmarder (Martes foina) kommen vor. Der Iltis (Mustela putorius) ist besonders in den "Filzen" zu finden. Und sogar der seltene Fischotter (Lutra lutra), der flinke, wendige Wassermarder, hat an den einsamen Waldbächen sein einziges Vorkommen in Bayern.

Braunbären (Ursus arctos) kommen derzeit (noch) nicht im Nationalpark vor. Einzelne Wölfe (Canis lupus) tauchen manchmal auf, ein fester Bestand hat sich noch nicht gebildet. Für die Europäische Wildkatze (Felis silvestris silvestris) ist der Bayerische Wald im allgemeinen zu schneereich.

Luchse - ihre Rückkehr ist ein großer Erfolg für den Naturschutz

Der Nordluchs (Lynx lynx), auch Eurasischer Luchs genannt,dagegen hat sich inzwischen im Parkgebiet fest etabliert. Allerdings wird auf die schönen Tiere immer wieder illegal geschossen. Wie hoch der Bestand der heimlich lebenden Raubkatzen mit den markanten Pinselohren ist, steht nicht sicher fest. Die Nationalparkverwaltung geht von einem festen Bestand von ungefähr sechs Luchsen im Parkgebiet aus. Seit 1970 wurden im Nationalpark einzelne Luchse gezielt angesiedelt. Außerdem wanderten einige der schönen Raubkatzen mit dem Stummelschwanz seit dem Fall des "Eisernen Vorhangs" aus Tschechien ein. Im gesamten ostbayerischen Grenzgebirge kommen inzwischen Luchse vor. Die größte Raubkatze Europas ist für Menschen völlig ungefährlich; die heimlichen Beutegreifer ernähren sich von Mäusen, Hasen, kranken oder schwachen Rehen und Vögeln.

Stoppt die Wilderer, rettet den Luchs! - Seit Jahren werden im Bayerischen Wald streng geschützte Luchse erschossen, vergiftet und verstümmelt!!! Keiner der Täter ist bis heute gefasst, die offenen Fragen sind ungeklärt, die Regierung bleibt untätig!!!

Wir wollen endlich Aufklärung und einen wirksamen Schutz der wunderbaren Katzen!!!

Singvögel

Viele Singvögel, die auch in dichter besiedelten Gegenden Mitteleuropas vorkommen, trifft man auch im Bayerischen Wald an. Viele Finken- und Meisen-Arten, Stare und alle einheimischen Drosseln leben und brüten in den Wäldern. Eine Besonderheit ist die Ringdrossel (Turdus torquatus), die sonst nur in Nordeuropa sowie in den Alpen und anderen hohen Gebirgen vorkommt.

Alle Arten von Rabenvögeln kommen im Bayerischen Wald vor. Saatkrähe, Rabenkrähe, Eichelhäher und Elster, aber auch der auf die nordeuropäische Taiga sowie auf Gebirgswälder Europas und Asiens beschränkte Tannenhäher (Nucifraga caryocatactes) ist im Gebiet des Nationalparks zu finden. Und der größte Rabenvogel, der Kolkrabe, ist ebenfalls hier heimisch.

Entlang schnell fließender Gewässer macht die Wasseramsel Jagd auf Kleintiere. Dabei taucht sie auch, als einziger Singvogel, auch ganz ins Wasser ein.

Spechte

Alle einheimischen Spechtarten brüten im Parkgebiet, darunter auch die größte einheimische Art, der Schwarzspecht. Der seltene Dreizehenspecht sowie der Weißrückenspecht und der Wendehals kommen ebenso im Nationalpark vor wie Buntspecht, Mittelspecht, Kleinspecht, Grauspecht und Grünspecht.

Schwarzstorch (Bild: Harald Matern / Pixabay)

Schreitvögel

Der seltene Schwarzstorch brütet in den dichten Wäldern, da er, anders als der Weißstorch, die Nähe von Menschen meidet. Der scheue Waldvogel ist etwas kleiner wie der Weißstorch, der bisweilen im Vorland des Bayerischen Waldes vorkommt und seine Nester gerne in menschlichen Siedlungen aufbaut. Schwarzstörche bauen ihre Nester auf Bäumen versteckt im Wald.

Der Bestand an Graureihern konnten sich seit den 1970er Jahren wieder vermehren.

Eulen

Von den einheimischen Eulen sind fast alle Arten vertreten. Sogar der ausgestorbene Habichtskauz (Strix uralensis), manchmal auch Uralkauz genannt, konnte erfolgreich wieder angesiedelt werden. Weitere vorkommende Eulenarten sind der Waldkauz, Raufußkauz, Sperlingskauz, Schleiereule und Waldohreule sowie der Uhu.

Uhu - die größte einheimische Eulenart (Bild: Andreas Nieß / Pixabay)

Taggreifvögel

An Greifvögeln finden sich der Mäusebussard, der Wespenbussard, Habicht und Sperber sowie Turmfalke, Baumfalke und Wanderfalke. Manchmal können sogar Schreiadler bei der Jagd beobachtet werden. Die sehr seltene Adler-Art brütet bislang nur auf der tschechischen Seite, war aber früher auch auf der bayerischen Seite verbreitet. (Es  gibt in Deutschland etwa 100 Schreiadler, überwiegend in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Der Bestand ist leider rückläufig. Hoffentlich greifen die Schutzmaßnahmen für diese Adler-Art, die überwiegend in Osteuropa verbreitet ist.)

Raufußhühner

In den weiten Wäldern konnten die schönen Raufußhühner letzte Rückzugsgebiete finden. Das Auerhuhn (Tetrao urogallus) bevorzugt die Nadelwälder, während das Haselhuhn (Tetrastes bonasia)in Laub- und Mischwäldern zu finden ist. Das Birkhuhn (Lyrurus tetrix) dagegen lebt in Feuchtgebieten, Heidelandschaften und lichten Wäldern. Alle Arten von Raufußhühnern sind sehr anfällig für Störungen. Die Bestände gehen dann leider sehr schnell zurück, wenn die Tiere zu wenig Ruhe in ihrem Lebensraum finden. Daher wird besonders zur Brutzeit versucht, Wanderer von den Brutplätzen der scheuen Vögel durch Absperrungen fernzuhalten.

Amphibien

Ein besonders markanter Vertreter der Amphibien ist der Feuersalamander (Salamandra salamandra). Die schönen Lurche kommen besonders in feuchten Laubwäldern vor, benötigen aber auch trockene Versteckmöglichkeiten. Teichmolch, Bergmolch, Erdkröte, sowie die Gelbbauchunke und der Grasfrosch kommen ebenso im Nationalpark vor.

Feuersalamander (Bild: Harald Matern / Pixabay)

Reptilien

An Reptilien wurden die ungiftige Ringelnatter und die Schlingnatter festgestellt. Mit der Kreuzotter ist auch eine Giftschlange vertreten, die aber nicht angriffslustig ist und für Menschen normalerweise keine Gefahr darstellt. Außerdem findet man die Waldeidechse, Bergeidechse, die Zauneidechse sowie die Blindschleiche, die eigentlich eher wie eine kleine Schlange aussieht. Sie ist eine Eidechse mit rückgebildeten Beinen.

Fische

Die standorttreuen Bachforellen leben in den klaren Gebirgsbächen praktisch immer am gleichen Platz, und auch die aus Nordamerika stammenden Regenbogenforellen bevorzugen das Wasser der sauberen, schnell fließenden Bergbäche. In den klaren, kühlen Gewässern findet die Äsche ihr Refugium.

Admiral (Bild: Bogdan Ch / Pixabay)

Wirbellose Tiere

Eine Vielzahl von Insekten kommt im Parkgebiet vor. Schmetterlinge, Heuschrecken und Käfer kommen besonders auf den Schachten vor. Diese Lichtungen mit leichtem Baum- und Strauchbestand entsprechen den Almen der Alpen.

Die seltene Flußperlmuschel war bereits fast ausgestorben. Durch strenge Schutzmaßnahmen ist sie in einigen Bächen des Nationalparks wieder heimisch.

Der Nationalpark - wichtig für Mensch und Natur

Die einheimische Bevölkerung war in der Gründungszeit des Nationalparks absolut nicht gut auf die Nationalpark-Idee zu sprechen. Sie befürchteten Einbußen und Einschränkungen durch den Park. Inzwischen ist der Nationalpark zu einem attraktiven Reiseziel für Ausflugsgäste, Schulklassen und Urlauber geworden. Und die Urlaubsgäste kommen nicht nur aus Deutschland. Somit wurden die Einnahmen durch die Nationalpark-Besucher auch zu einem wichtigen Motor für die einheimische Wirtschaft. Dies führte endlich zu einer zunehmenden Akzeptanz der Anwohner.

Bitte unterschreiben Sie diese PETITION: BAYERNS SCHÖNHEIT BEWAHREN!

 

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