Fotograf ohne Meisterbrief?

Der zunächst einmal wichtigste Aspekt auf dem Weg zur Fotografie ist: nur mit Ausbildung ist man auch ein Fotograf! Wie bei jedem Ausbildungsberuf gibt es auch für die Fotografie ein mehrjährige Ausbildung, an deren Ende der Meisterbrief steht. Nur wer diesen hat, darf den geschützten Begriff "Fotograf" oder "Berufsfotograf" auch wirklich verwenden. Die meisten Hobbykünstler werden aber kaum den Weg der Ausbildung wählen und daher sollte man auf einen nicht geschützten Begriff ausweichen.

Denkbar wäre z.B. Fotodesigner, Fotoartist oder Bildjournalist. Wer sich trotzdem Fotograf nennt läuft schnell Gefahr, empfindlich abgemahnt zu werden. Die ausgebildeten Kollegen sind nämlich durchaus daran interessiert sich von den Amateuren abzugrenzen und ein schwarzes Schaf wird gerne mal gemeldet. Aber keine Sorge: die wenigsten Menschen kennen oder beachten den Unterschied wirklich und auf die Erfolgschancen hat dies keinen allzugroßen Einfluss. Dennoch: der Weg zum Berufsfotografen ist kein leichter und schon aus Respekt sollte man diese Grenze nicht verletzen.

Die Handwerkskammer

Auch wenn die Fotografie inzwischen nicht mehr durch die Handwerksordnung geschützt ist: Wer "handwerkliche" Fotografie betreibt, also Portraitaufnahmen, Paßbilder oder einfach generell Auftragsarbeiten von Personen und Objekten anfertig, muss der Handwerkskammer beitreten. Dieser Beitritt ist Grundvorraussetzung für die Gründung des Gewerbes und kostet einmal einen kleinen Betrag, sowie abhängig vom Umsatz eine jährliche Gebühr. Wer im üblichen Rahmen eines Kleingewerbes bleibt, hat hier jedoch keine großen Ausgaben zu befürchten. Anders sieht es aus, wer als "künstlerischer Fotograf" in die Freiberuflichkeit geht. Hier ist keine Mitgliedschaft notwendig, eine Ausübung von "handwerklicher Fotografie" kann dann jedoch abgemahnt werden.

Das Finanzamt

Neben dem Beitritt zur Handwerkskammer muss der Fotograf noch die Existenzbegründung selbst vornehmen. Dabei gibt es mehrere Alternativen:

Künstlerische Fotografen (keine Auftragsarbeiten, s.o.), können sich als freiberuflicher Künstler eintragen lassen. In diesem Fall erhält man eine Steuernummer, unter der man seine Einnahmen bei der Einkommensteuererklärung verbuchen muss. Eine einfache Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) reicht für das Finanzamt hier aus. Damit ist eine einfache Auflistung von Einnahmen und Ausgaben mit letztlicher Angabe des Gewinns (dem was übrig bleibt) gemeint.

Meldet man ein Gewerbe an, so erhält man durch den Beitritt zur Handwerkskammer die Möglichkeit zur Auftragsarbeit. Bis 50.000€ Gewinn pro Jahr ist auch hier nur eine einfache EÜR notwendig. Darüber muss eine vollständige Buchführung erfolgen. Wer nur wenig Einnahmen hat kann hier auch das Recht wahrnehmen, auf die Verrechnung der Mehrwertsteuer zu verzichten (man kann sie also weder absetzen noch abrechnen), was bei wenig Ausgaben aber durchaus seine Vorteile haben kann und einiges an zusätzlicher Arbeit spart.

Neben dem Kleingewerbe gibt es verschiedene andere Arten der Unternehmerschaft (GmbH etc.), die Vor- und Nachteile in unterschiedlichen Bereichen haben und sich ab einem gewissen Umsatzvolumen zu lohnen beginnen. Diesbezüglich rate ich zum Aufsuchen eines Steuerberaters, der sich mit den nötigen Formalitäten und den Vorzügen am besten auskennt.

Abschliessende Worte

Beachtet man diese Ratschläge so sollte man rechtlich auf der sicheren Seite sein. Das Wichtigste, vor allem am Anfang, ist dann nur noch die genaue Buchführung und die Trennung privater und geschäftlicher Ausgaben. Zum Beispiel sind Anschaffungen für den Nebenberuf (Kameras und Ausrüstung) unter Umständen anders zu versichern als Privateigentum. So greift die normale Hausratsversicherung für Eigentum eines Unternehmens nicht. Um lückenlos nachweisen zu können, welche Investitionen privat oder beruflich getätigt wurden, sollte man nicht versäumen, dies lückenlos nachzuhalten. Ebenso sollten Einnahmen direkt notiert und durch Belege gesichert werden, damit am Ende des Jahres eine ordentliche Bilanz vorgewiesen werden kann.

Wer diese Ratschläge beherzigt wird sich sicherlich bald in seiner neuen Rolle als nebenberuflicher Fotograf zurechtfinden und viel Spaß an seiner Arbeit haben! Ich wünsche viel dafür viel Erfolg und stets gute Motive!

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Mehr über mich findet ihr auf meiner Seite http://www.fotoartdh.de

Dieser Artikel ist Teil einer Serie. Weitere Artikel sind:

Teil 1) Fineartprint und Posterlounge - Geld verdienen mit "Print on Demand" Anbietern

Teil 2) Nebentätigkeit als Fotograf: Rechtliche Aspekte

Teil 3) Marketing und Werbung als Hobbyfotograf - 4 Seiten, die Sie kennen sollten

Teil 4) Fineart America - Geld verdienen mit eigenen Bildern

Ruhr1900, am 28.08.2013
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