Die Autorin scheint sich gut auzukennen, in der Filmwelt Russlands: Anhand eines Films, Okraina, der in mehreren Remakes und "Verwandten", wenn man so will, vorliegt, analysiert sie die Bedeutung und den Hintergrund des Werkes. Der Film durfte, ob seiner Art der Sichtweise auf das postsowjetische Russland nicht im russischen Fernsehen gezeigt werden. Er wurde kritisiert, als gefährlich gebrandmarkt und letztlich auf Festivals gezeigt. Internationale Kritiker, die Autorin weiter, bewerteten den Film allerdings mit großem Interesse.

 

Der Film erzählt die Geschichte einer Bauerngemeinschaft, die in den 90er Jahren, aufbrach, um herauszufinden, wie es geschehen konnte, dass ihr Land, das angeblich legal verkauft wurde, ohne ihres Wissens in fremde Hände geraten konnte. Unter dieser Prämisse gehen sie nach Moskau, um die Umstände dieses Überganges zu erhellen. Es stellt sich als überaus kompliziertes mitunter gewalttätiges Unterfangen dar. Einerseits birgt es eine russische Auffassung von Legaltität, nämlich "Po-zakonu", das praktisch bedeutet, Dokumente zu produzieren, die von der behördlichen Seite her einwandfrei sind, nicht aber die tatsächlichen Gegebenheiten widerspiegeln. Andererseits aber auch eine Diskrepanz innerhalb der "Gleichheit" der Menschen in Rusland, die vermuten lässt, dass hier eine Menge Schmiergeld fließt, was etwa am Versprechen, ein Motorrad als Geschenk für die Ausstellung der Dokumente zu übergeben, festgemacht werden kann. Letztlich killen sie den Ölmagnaten, der die Dokumente vorlegen kann.

 

Drei Dimensionen von Erinnerungskultur

Drei Dimensionen von Erinnerungskultur (Bild: Nostalgie nach Veränderung, Magisterarbeit 2014)

Erinnerungskultur

Letztlich ist dieses Werk auch eines der Erinnerungsklultur. Und damit ist es für das kollektive Gedächtnis relevant, ein sehr interdisziplinärer, komplexer und weites Forschungsgeld. Woran will sich eine Gesellschaft erinnern?

 Das kollektive Gedächtnis gibt jedoch kein objektives Abbild der Vergangenheit wieder, sondern konstruiert kreativ bestimmte Vergangenheitsversionen (…), schreibt die Autorin der Forschungsarbeit. Wenn wir Gedenktage begehen, wenn wir an Feiertagen die Wohnzimmer der Familienmitglieder entern, wenn wir einen Besuch in einem Museum absolvieren, pflegen wir dieses gesellschaftliche Phänomen der gemeinsamen Erinnerung auch. Neben dem kollektiven gibt es das kulturelle Gedächtnis, das das Erinnern in Funktionsgedächtnis und Speichergedächtnis unterscheidet.

 

Fazit

Okraina, ein Film aus dem Jahr 1998 von Peter Lucik, wurde analysiert um herauszufinden, ob er in die Kunstströmung der Neuen Aufrichtigkeit passt, die offenbar die Kunstszene Russlands erfasst hat und eine Art Nostalgiewelle begleitet.

Daneben nimmt die Arbeit Bezug auf sowjetische Mythen, die sich im Film etwa als patriotischer Held manifestier(t)en, aber auch auf die gegenwärtige Nostalgiewelle, die Gesellschaft, Kunst und Film Russlands erfasst und zu einer gewissen Verkitschung führt.

Ist es nun Nostalgie, Aufrichtigkeit oder ist die Verklärung Teil dieser Neuen Aufrichtigkeit? Die Antwort gibt uns die Autorin in einem Absatz, fast am Ende des Werks: Es gibt zwei Arten von Nostalgie, eine in der die Sowjetzeit idealisiert und beschönigt wird, eine andere, in der die Menschen einige Aspekte dieser zeit bewahren und sich "einen positiven Zugang zur Sowjetunion" erlauben. Der Film will, so die Autorin, nicht die Sowjetzeit beschönigen, sonder zeigen, dass es in der Gegenwart etwa an diesem "Helden aus dem einfachen Volk" mangelt.

 

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