Ein Tablet musste her - aber welches?

Insider ahnen sicher schon, worauf das hinausläuft. Ein Tablet-PC musste her. Allerdings gibt es da eine große Spannbreite des Angebots, was die Funktionen betrifft. Einen allgemeingültigen Standard wie bei PCs oder Notebooks gibt es noch nicht. Wer mit der Anschaffung so eines Mini-Rechners liebäugelt, sollte sich deshalb zunächst darüber klar werden, wozu er das Gerät benutzen möchte, wo seine Prioritäten liegen und worauf er verzichten kann.

Weniger wichtig, aber ganz nett

  • Musik hören
  • Videos ansehen

 

Außerdem sollte das alles nicht zu teuer sein. Ein iPad kam also schon wegen des Preises für mich nicht infrage, aber auch, weil ich nicht Mitglied der geschlossenen iTunes-Gesellschaft werden wollte. Es standen also verschiedene Tablets mit Android-Betriebssystem zur Auswahl, die es von Billigausführungen für ca. 100 Euro bis hin zum Samsung Galaxy Tab 10.1N für über 500 Euro gibt. Das Letztere fiel natürlich für mich wegen des Preises auch von vornherein aus. Nachdem ich dann mehrere Tage und Nächte damit verbracht hatte, mir Tests und Kundenbewertungen verschiedener Tablets anzusehen, hatte ich mir ein Gerät ausgeguckt, das sich im Nachhinein wirklich als ideale Wahl für mich herausstellte: das Odys Space.

Für mich waren folgende Funktionen unverzichtbar

  • Telefon
  • eBook-Reader
  • Internetzugang über die SIM Card
Mein persönlicher Testsieger, das Odys Space
Odys Space 17,8 cm (7 Zoll) Tablet-PC (Touchscreen, 800MH...

Das Tablet hat alles, was ich brauche: Internetanschluss nach Belieben über WLAN oder 3G, es kann eBooks in beliebigen Formaten darstellen und man kann damit telefonieren. Zusätzlich hat es auch noch eine Kamera und eine GPS-Funktion, eignet sich also als Navigationsgerät. Durch einen Mini-USB-Anschluss kann es mit einem PC verbunden werden, alternativ auch über eine drahtlose Bluetooth-Verbindung, außerdem ist Platz für eine Micro-SD-Karte. Dadurch lässt sich der eingebaute 4-GB-Speicher um bis zu 32 GB erweitern. Telefonieren kann man entweder über das eingebaute Mikrofon und die Lautsprecher oder über das mitgelieferte Headset. Auch USB-Kabel und Ladegerät sind dabei.

Einzelne Funktionen des Odys Space

Alle Funktionen konnte ich noch nicht testen, weil mir für einige die Voraussetzungen fehlen und andere mir nicht wichtig genug sind, um dafür einen größeren Testaufwand zu treiben. Mit dem, was ich bisher ausprobiert habe, bin ich jedoch vollkommen zufrieden. Einige kleinere Einschränkungen sind durchaus vorhanden, lassen sich meistens aber geschickt umschiffen.

eBook-Reader

Das Odys Space hat einen 7-Zoll-Bildschirm im Format 16:9. Dadurch ist es relativ schmal und lässt sich gut in einer Hand halten. Mit 420 Gramm ist es leichter als so mancher dicke Wälzer. Welche eBook-Formate sich darstellen lassen und wie sie auf dem Bildschirm aussehen, hängt weniger von der Hardware als von dem verwendeten Programm ab. Für das Betriebssystem Android gibt es zahlreiche kostenlose eBook-Reader-Apps, die man sich zusätzlich zu dem vorinstallierten Aldiko-Reader aus dem Netz herunterladen kann. Mit der Kindle-App für Android lassen sich zum Beispiel alle Bücher im Amazon-Format lesen, für PDF-Dateien benutzt man am besten die Adobe-Reader-App. Der Moon+-Reader stellt fast alle üblichen Formate außer dem amazoneigenen mobi-Format dar. Auch für die eBooks selbst braucht man sich nicht gleich in Unkosten zu stürzen. Klassiker, deren Urheberrechtsschutz abgelaufen ist, lassen sich außer bei Amazon zum Beispiel beim Projekt Gutenberg kostenlos herunterladen. Auch die Buchkette Thalia bietet kostenlose Schnupperangebote über ihren hauseigenen Oyo-Reader.

All diese tollen Bücher lassen sich dank der Hintergrundbeleuchtung des LCD-Bildschirms auch im Dunkeln lesen. Da der Akku des Odys Space bei intensiver Nutzung (Internet, Filme, Musik, GPS) ca. sechs Stunden hält und bei weniger intensiver Nutzung (eBooks lesen) entsprechend länger, wird das Lesevergnügen nur selten durch einen leeren Akku unterbrochen.

Internet

Der Zugang zum Internet ist wahlweise über WLAN oder 3G möglich. Da ich keinen WLAN-Anschluss besitze, konnte ich diese Funktion leider nicht ausprobieren. Um über Mobilfunk ins Internet zu gelangen, müssen die richtigen Zugangsdaten eingetragen werden. Dazu gibt es eine Anleitung für die verschiedenen Provider auf der Firmenseite von Odys. Bei meinem Provider musste ich außerdem nach Einlegen der SIM Card ein paar Stunden auf eine SMS warten, bis der Internetzugang möglich war. Jeden, der da am Anfang Probleme hat, kann ich beruhigen. Es geht, man muss nur herausfinden, wie!

Die ersten Stunden im Internet verbrachte ich mit dem Auskundschaften verschiedener Apps. Für mich war das Neuland, da ich ja vorher kein Smartphone besaß. Doch selbst ich als ziemlicher Smartphone-DAU (= dümmster anzunehmender User) hatte nach kurzer Zeit schon die für mich wichtigsten Apps gefunden, heruntergeladen und installiert.

In diesem Zusammenhang muss kurz ein Problem angesprochen werden. Auf dem Odys Space scheint zunächst der Android-Market, also die Quelle für fast alle Anwendungsprogramme, nicht zugänglich zu sein. Stattdessen ist nur eine etwas abgespeckte Version, die AndroidPIT, vorinstalliert. Viele beliebte Apps sind darin nicht verfügbar. Dieses Problem ist jedoch nur ein scheinbares. Auch der Android-Market ist auf dem Odys Space vorhanden, er ist nur nicht sichtbar. Mit einer alternativen Benutzeroberfläche lässt er sich hervorzaubern. Aber auch ohne diesen Trick gibt es mehrere Möglichkeiten, auch Apps aus dem Android-Market zu installieren. Es geht zum Beispiel, wenn man bei Google registriert ist oder wenn man die Installationsdatei zunächst auf einen PC lädt und dann auf das Odys Space überträgt. Wie es bei mir funktionierte, kann ich gar nicht genau sagen, denn auch ich hatte am Anfang Schwierigkeiten, bestimmte Apps zu finden. Aber etwas Hartnäckigkeit und Rumprobieren zahlen sich aus. Jedenfalls hatte ich nach wenigen Stunden bis auf ein paar Ausnahmen alles installiert, was ich haben wollte.

Navigation über GPS

Google Maps ist zum Beispiel eine der Apps, die sich nur über Umwege installieren lassen. Wie ich es genau gemacht habe, weiß ich nicht mehr, aber sie ist drauf und funktioniert! Alternativ gibt es aber auch in der AndroidPIT eine ganze Reihe kostenloser Navigationsprogramme, von denen sich bestimmt zumindest einige problemlos installieren lassen. Jedenfalls habe ich nun immer einen Stadtplan dabei und kann mich - egal, ob als Autofahrer, Radfahrer oder Fußgänger - bequem zu meinem Ziel lotsen lassen. Wobei ein kleines Restquantum an gesundem Misstrauen allen Programmen gegenüber nicht ganz falsch ist. Denn ganz aktuell sind die Informationen nicht immer, wie ich schon feststellen konnte.

Multimedia

Die Tonqualität des Odys Space ist eher bescheiden, vor allem über die Lautsprecher. Mit dem mitgelieferten Headset oder mit Kopfhörern wird es etwas besser. Verwöhnte Klassikhörer kommen allerdings nicht auf ihre Kosten. Aber da ich es ohnehin abartig finde, unterwegs Musik zu hören, stört mich das nicht sehr.

Noch gar nicht ausprobiert habe ich die Videofunktion. Der vorinstallierte Mediaplayer spielt wohl nur zwei Formate ab und hat mit höheren Auflösungen Probleme. Auch das soll sich laut anderen Kundenstimmen durch die Installation eines anderen Players umgehen lassen, aber man sollte hier die Kirche auch mal im Dorf lassen. Die Hardware ist bei diesem Gerät nun mal eingeschränkt, dafür kostet es auch nur ca. 200 Euro. Wer HD-Filme gucken und Musik in guter Tonqualität hören möchte, sollte sich nach etwas anderem umsehen und ein paar Euros mehr lockermachen. Wenn man seine Lieblingsfilme immer erst in das passende Format umwandeln muss und dann auch noch das Bild ab und zu ruckelt, ist der Spaß doch sehr begrenzt.

Ebenso ist die eingebaute Kamera mit ihren zwei Megapixeln nicht das geeignete Werkzeug für gestochen scharfe Aufnahmen, sondern eher eine Notlösung, wenn gerade nichts anderes zur Hand ist. Es handelt sich dabei übrigens nicht um eine Webcam.

Fazit

Wer kein Spielzeug zur Dauerberieselung mit Videos und Musik oder zum Zocken mit anspruchsvollen Spielen sucht, sondern ein Arbeitsgerät für unterwegs, der hat mit dem Odys Space ein erstaunlich vielseitiges und funktionsfähiges Tablet gefunden. Es hat einen sehr gut reagierenden kapazitiven Touchscreen, einen ausdauernden Akku, mehr Anschlüsse als das iPad und lässt sich durch eine große Auswahl an Apps für die eigenen Bedürfnisse einrichten. Manchmal ist ein wenig Kreativität bei der Installation gefragt, und allzu übertriebene Ansprüche an die Performance sollte man auch nicht haben. Aber für die alltäglichen Aufgaben eines Durchschnittsbenutzers, der auch unterwegs nicht von der virtuellen Welt abgeschnitten sein will, reicht es vollkommen aus, und ich möchte es nicht mehr missen. Ach ja, und telefonieren kann man damit auch.

Federspiel, am 11.12.2011
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