Einleitung - Lieber kritisierter Mensch!

Wenn Sie den Artikel bis hierhin gelesen haben, dann haben Sie wahrscheinlich ein begründetes Interesse an diesem Thema. Möglicherweise gehören Sie dann zu denen, die sich schnell durch Kritik aus der Bahn geworfen fühlen und gerne erfahren möchten, wie sie ihren Umgang mit Kritik verbessern können.

Natürlich kann ich hier keine allgemeingültigen Tipps geben, da ich Ihr ganz individuelles Problem mit der Kritikfähigkeit ebenso wenig kenne wie Ihre konkrete Situation. Ich möchte aber versuchen, zumindest auf die wichtigsten Aspekte im Umgang mit Kritik einzugehen und hoffe, Ihnen mit diesen allgemeinen Ratschlägen zumindest etwas weiterzuhelfen. Falls diese Tipps nicht ausreichen sollten, wenden Sie sich bitte an entsprechendes Fachpersonal.

Meine Ausführungen beziehen sich auf meine ureigenen, ganz individuellen Erfahrungen und Strategien, die mir geholfen haben, kritikfähiger zu werden. Wobei ich natürlich immer noch weiter an mir arbeite. Ich erhebe jedoch keinerlei Anspruch auf Allgemeingültigkeit der erwähnten Hilfsmaßnahmen. Die möglichen Lösungen sind wohl so vielfältig wie die Menschen, die kritisiert werden und ihre Kritikfähigkeit optimieren wollen.

Tipp Nr. 1: Betrachten Sie die Kritik in der richtigen Relation!

Ein Problem, mit dem Menschen mit Schwierigkeiten bei der Kritikfähigkeit häufig zu kämpfen haben, bezieht sich auf die emotionale Reaktion darauf. Selbst bei sachlich geäußerter Kritik fühlen sie sich oft leichter gekränkt und – meist fälschlicherweise – als Person herabgesetzt. Die Kritik wird dann von ihnen im negativen Sinne überbewertet, was Gefühle des Versagens zur Folge haben kann. Auch das Selbstwertgefühl kann bei so einer Tendenz zur Überbewertung der Kritik darunter leiden. Umso wichtiger ist es für Menschen, die auf diese Weise empfindlich auf Kritik reagieren, dem innerlich gegenzusteuern.

Wenn Sie sich in den vorigen Ausführungen wiedererkannt haben, sollten Sie diesen Abschnitt weiterlesen. Lieber kritisierter Mensch, bitte werden Sie sich bewusst, dass sich die von anderen Menschen geäußerte Kritik nicht gegen Sie persönlich richtet. Ein Fehler, der objektiv kritisiert wird, macht Sie noch lange nicht zu einem schlechten Menschen. Auch Sie sind ein wertvoller Mensch mit einzigartigen Talenten!

Versuchen Sie es so zu sehen: Wenn jemand zum Beispiel eine Leistung von Ihnen kritisiert, dann bezieht sich diese Person in aller Regel auf eine konkrete Sache, die verbesserungswürdig ist. Es ist keineswegs das Ziel, Sie persönlich herabzusetzen, sondern Ziel ist, Ihnen eine Einschätzung oder ein Feedback zu geben, damit Sie die Chance haben, sich in dem betreffenden Punkt zu verbessern.

Der Fokus der Kritik liegt somit im Normalfall nicht auf Ihnen, sondern auf dem Aspekt, der an Ihrer Arbeit kritisiert wurde. Deshalb rate ich Ihnen unbedingt, das Ganze in einer vernünftigen Relation zu sehen. Dazu ist ein gewisser mentaler Abstand erforderlich, den Sie ggf. herstellen müssen.

Wie Sie das schaffen? Hierfür gibt es kein Patentrezept. Sie werden selbst am besten wissen, wie Sie am besten mental Abstand von einer Situation nehmen können. Eine einfache Methode ist, etwas Zeit verstreichen zu lassen, bis sich Ihr Gemüt beruhigt hat.

Machen Sie hierzu zum Beispiel einen Spaziergang, meditieren Sie in Ruhe oder beschäftigen Sie sich mit einer anderen Tätigkeit, die Sie entspannt und Ihnen hilft, sich geistig von Ihrer emotionalen Reaktion auf die Kritik zu distanzieren.

Falls das noch nicht ausreicht, können Sie es mit Autosuggestion probieren. Sagen Sie sich im Geiste immer wieder einen positiv formulierten Satz wie: "Ich bin gut, so wie ich bin. Die Kritik ist nicht persönlich gemeint." Formulieren Sie Ihren Satz so, wie es sich für Sie gut anfühlt und wie Sie das Gefühl haben, dass er Ihnen hilft, Abstand zu der Situation zu gewinnen.

Doch woran merken Sie, ob Sie schon genug Abstand zu der Kritik gewonnen haben? Das merken Sie daran, dass Sie innerlich nicht mehr so heftig darauf reagieren. Sie sind dann so weit, dass Sie die geäußerte Kritik objektiv betrachten können, ohne sich davon persönlich verletzt zu fühlen. Mitunter ist das ein Prozess. Lassen Sie sich ruhig Zeit dafür. Schreiben kann Sie ebenfalls dabei unterstützen, Abstand zum Erlebten zu gewinnen und es im richtigen Verhältnis zu sehen.

Wenn Sie die Kritik so weit verarbeitet haben, dass Sie sich von Ihrer Reaktion darauf distanzieren können, dann ist die Zeit gekommen, den nächsten Schritt im Umgang damit zu wagen.

Tipp Nr. 2: Fragen Sie im Zweifel nach, wie die Kritik gemeint war!

Sobald Sie bereit dazu sind, sollten Sie die etwaigen noch offenen Fragen im Zusammenhang mit der vorgebrachten Kritik mit der Kritikerin oder dem Kritiker klären. Der gewonnene Abstand ist hierbei eine gute Grundlage für Sachlichkeit. Es ist wichtig, dass Sie hierbei niemals die sachliche Ebene verlassen. Nur auf der sachlichen Ebene ist es möglich, vernünftig miteinander zu kommunizieren, und nur so kommen Sie zu einem Ergebnis.

Dieses Ergebnis sollte beinhalten, dass Sie die erhaltene Kritik (idealerweise im vollen Umfang) richtig verstanden haben. Das ist nötig, damit Sie mit der Kritik für sich etwas anfangen, Ihre Schlüsse daraus ziehen und davon lernen können. Wenn Sie hingegen keine Klarheit darüber gewonnen haben, wie genau die Kritik zu interpretieren ist, dann wird solch ein Ergebnis wahrscheinlich eher unbefriedigend für Sie sein.

Tragen Sie deshalb in jedem Fall dafür Sorge, dass eine gute Kommunikation zwischen Ihnen und der Sie kritisierenden Person möglich ist.

Achten Sie darauf, dass die Kommunikationsatmosphäre positiv und nüchtern bleibt. Dabei hilft Ihnen die Berücksichtigung des Tipps Nr. 1.

Natürlich kann es auch vorkommen, dass trotz aller Bemühungen die Kommunikation nicht klappt. Möglicherweise helfen Ihnen die nachfolgenden Bücher in so einem Fall weiter. Sollte jedoch die Kommunikation partout nicht funktionieren, ist es ab einem bestimmten Punkt vielleicht sehr entlastend, die Situation einfach so zu akzeptieren.

Es kann auch Sonderfälle geben, wo Sie sich ungerechtfertigt kritisiert oder herabgesetzt fühlen. Es würde jedoch den Rahmen dieses Artikels sprengen, auf solche sehr speziellen Fälle einzugehen. Zum Thema Mobbing und dem Umgang damit gibt es bereits andere informative Artikel.

Tipp Nr. 3 zum Umgang mit Kritik: Zeigen Sie Entgegenkommen!

Signalisieren Sie dem Sie kritisierenden Gegenüber, dass Sie die Kritik ernst nehmen und seine Sicht der Dinge respektieren. Hat die Sie kritisierende Person ihren Standpunkt für Sie verständlich begründet und haben Sie alle offenen Fragen zu dem Feedback klären können, dann haben Sie eine gute Grundlage, mit der Sie weiter arbeiten können. Spätestens, wenn alle noch offenen Fragen geklärt sind, ist es gut, wenn Sie sich bei der Kritikerin oder dem Kritiker für ihre / seine Ehrlichkeit bedanken. Das macht einen höflicheren Eindruck und zeigt, dass Sie das Gegenüber mit seiner Sichtweise wertschätzen.

Als nächstes sollten Sie für sich Konsequenzen daraus ziehen. Zeigen Sie aber auch der Sie kritisierenden Person, dass die Kritik Ihnen zu wichtigen Erkenntnissen verholfen hat und Sie bereit sind, daraus zu lernen. Wenn möglich, schlagen Sie konstruktive Lösungsmöglichkeiten für die Zukunft vor. Damit zeigen Sie, dass Sie sich Gedanken machen, wie etwas verbessert werden kann, und dass Sie über den eigenen Horizont hinausdenken.

Kritik sollte immer konstruktiv geäußert werden.

Nachwort

Sie sehen: Mit ein paar einfachen Maßnahmen lässt es sich gut üben, kritikfähiger zu werden und generell den Umgang mit Kritik zu verbessern. Seien Sie aber auch geduldig mit sich und anderen; seien Sie nicht enttäuscht, wenn sich nicht sofort riesengroße Erfolge bezüglich Ihrer Kritikfähigkeit einstellen. Wie alle persönlichen Entwicklungen braucht es auch hier Zeit, bis sich die veränderten Denkmuster und Gewohnheiten eingependelt haben. Das menschliche Gehirn ist sehr lernfähig, aber es braucht nun einmal seine Zeit, bis sich die neuen Muster verfestigt haben und sie zur Routine geworden sind.

In jedem Fall wünsche ich Ihnen viel Erfolg bei der Optimierung Ihrer Kritikfähigkeit!

Herzliche Grüße

Karin Scherbart

Autor seit 6 Jahren
112 Seiten
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