Einleitung

Liebe im Internet Gemobbte / lieber im Internet Gemobbter,

es tut mir sehr Leid, dass Sie Erfahrungen mit Cyber-Mobbing machen mussten. Ich kann sehr gut nachempfinden, wie sich das für Sie anfühlt. Unabhängig von Ihren jeweiligen Umständen des Mobbings im Internet ist es jedes Mal schlimm, wenn so etwas auftritt. Mir ist es schleierhaft, wie so etwas bagatellisiert werden kann. Die Folgen von Mobbing - unabhängig davon, in welcher Form es begangen wird - auf die Gesundheit und das seelische Wohlbefinden sind immer schlimm. Ihr Selbstvertrauen ist in jedem Fall angekratzt, Sie leiden darunter (egal wie stark Sie sich nach außen vielleicht geben) und bekommen Selbstzweifel. Wenn das Cyber-Mobbing ausartet, kann es sogar zu Rufmord kommen, wodurch zu den psychischen Folgen noch ein weiteres großes Problem hinzukommt.

Umso wichtiger ist es, etwas gegen das Mobbing im Internet zu tun. Aber auch, in dieser schwierigen Situation gut für sich selbst zu sorgen. Denn wenn Sie sich innerlich zu sehr vom Cyber-Mobbing beeinflussen oder sich gar zu unüberlegten Handlungen verleiten lassen, dann haben die Täter womöglich genau das erreicht, was sie wollten. Versuchen Sie also, besonnen zu bleiben und überlegen Sie jeden Schritt, den Sie tun, gründlich.

Mobbing im Internet: Welche Arten gibt es?

Cyber-Mobbing hat viele Formen und findet an verschiedenen Stellen im Internet statt.

Diese Arten kommen häufig vor:

  • Beleidigungen und Beschimpfungen im öffentlichen Web
  • Belästigung, das heißt wiederholte Angriffe mit dem Ziel, das Opfer schlechtzumachen
  • Verbreitung von Gerüchten
  • Gezielte Ausgrenzung aus einer Gruppe
  • Bloßstellung und Diffamierung gegenüber Freunden mit dem Ziel, dass sich diese von dem Opfer abwenden
  • Cyber-Stalking: nachdrückliche Belästigung und / oder Drohung
  • Bedrohung: Androhung von Gewalt

Was tun bei Cyber-Mobbing?

Sobald Sie das Gefühl haben, dass eine Form von Mobbing vorliegt, sollten Sie Beweise dafür sichern. Warten Sie nicht erst, bis es eventuell schlimmer geworden ist oder sich das Ganze womöglich weiter ausgebreitet hat. Machen Sie Screenshots von den diffamierenden Inhalten oder Kommentaren. Wenn Sie dies nicht sofort tun, kann es sein, dass Sie die entsprechenden Stellen später nicht mehr finden.

Führen Sie ein Mobbing-Tagebuch, in dem Sie aufschreiben, wann genau und unter welchen Umständen die Cyber-Mobbing-Attacken jeweils auftauchten. Zusammen mit dem Beweismaterial haben Sie so etwas in der Hand, das Ihnen später, falls Sie rechtliche Schritte einleiten, nützlich sein könnte. Außerdem erhalten Sie so auch selbst einen Überblick.

Wenn das Cyber-Mobbing auf einen bestimmten, eingeschränkten Kreis beschränkt ist, genügt es manchmal auch schon, diesen Kreis zu meiden. Lassen Sie sich auf keinen Fall von den Tätern provozieren! Bleiben Sie besonnen, gehen Sie niemals auf die Anfeindungen der Täter ein. Holen Sie sich lieber Beistand und sprechen Sie mit diesem darüber.

Rechtliche Schritte können Sie natürlich nur dann einleiten, wenn Ihnen die Identität des Täters oder der Täterin bekannt ist bzw. wenn klar ist, von wem das Cyber-Mobbing ausgeht. Im Falle von Mobbing in einer anonymen Community können Sie vielleicht etwas erreichen, indem Sie sich an den dortigen Moderator wenden. Dann kann die mobbende Person ggf. gesperrt werden.

Beim Cyber-Mobbing in Blogs können Sie über das Impressum meist leicht herausfinden, wer dahintersteckt. Hat der Blog der Mobberin oder des Mobbers kein Impressum und ist in den Seiteninformationen, die Sie mit einem Rechtsklick einsehen können, kein Name hinterlegt, ist es schwieriger, diese Person dingfest zu machen.

Gerade in solchen Fällen, wo Sie wenig in der Hand haben, sollten Sie in jedem Fall vermeiden, dass die Situation ausufert. Andernfalls verbreiten sich solche Sachen schnell im Internet. Gehen Sie am besten gar nicht auf die Provokationsversuche ein. Gießen Sie auf keinen Fall, etwa durch einen verärgerten Kommentar, noch Öl ins Feuer. Genau darauf warten die Täter ja – um dann möglicherweise hinter Ihrem Rücken weiter zu lästern. Bleiben Sie stattdessen sachlich. Begeben Sie sich nicht auf das Niveau dieser Menschen.

Geahndet werden kann Cyber-Mobbing bei nachweislicher übler Nachrede, Beleidigung und Verleumdung, im Falle wiederholter Nachstellungen (Cyber-Stalking), bei Drohungen sowie bei Missbrauch Ihrer Daten. Die Täter können je nach Schwere des Falls mit einer Gefängnisstrafe von bis zu 3 Jahren oder mit einer Geldbuße bestraft werden. Wenn bei dem Internet-Mobbing Ihre Persönlichkeit besonders schwer verletzt wurde, haben Sie zudem Anspruch auf eine finanzielle Entschädigung.

Informative Dokumentation über Cyber-Mobbing

Zum Schluss

Geben Sie niemals sich selbst die Schuld an dem Cyber-Mobbing. Nein, Sie haben nichts falsch gemacht. Und nein, es liegt nicht an Ihnen als Person. Cyber-Mobber suchen sich meistens irgendeinen fadenscheinigen "Grund", um ihre Opfer zu diffamieren. Dieser ist x-beliebig. Es kann eine harmlose Äußerung sein, die Ihnen im Mund herumgedreht wird. Oder irgendetwas an der Art, wie Sie etwas tun, gefällt den Tätern nicht, und das wird dann aufgebauscht.

Manche Mobber haben aber offenbar auch einfach Spaß daran, andere zu ärgern oder zu quälen. Solche Täter fühlen sich stark, wenn sie andere erniedrigen können. Zu verstehen ist das nicht. Es gibt keine Entschuldigung für so ein Verhalten. Aber nehmen Sie auf keinen Fall eine Schuld auf sich, die Sie nicht tragen! Sie sind immerhin das Opfer – die Täter sind die, die falsch und unfair handeln!

Lassen Sie nicht zu, dass die Täter die Macht über Sie erlangen. Nehmen Sie sich die obigen Tipps zum Umgang mit Cyber-Mobbing zu Herzen und wehren Sie sich so dagegen. Holen Sie sich Hilfe.

Ich wünsche Ihnen viel Glück und Erfolg, vor allem aber genug Kraft in Ihrem Kampf gegen das Cyber-Mobbing!

Mit mitfühlenden Grüßen

Karin Scherbart

Bildquelle: Pixabay

Weitere Infos zum Thema Cyber-Mobbing

Cyber-Mobbing: Was ist das und was kann man dagegen tun?
Ein Artikel von Ursula Martens mit einem Schwerpunkt auf dem Cyber-Mobbing bei Jugendlichen und nützlichen Links, wo diese, Ihre Eltern und Lehrer sich Hilfe holen können.

Cyber-Mobbing - So wehren Sie sich richtig
Informativer Artikel im PC-Magazin, der sich auch mit den rechtlichen Aspekten befasst.

Laden ...
Fehler!