Die Vorbereitung auf die Heilpraktikerprüfung

In meiner langjährigen Arbeit mit Menschen, die sich auf die Heilpraktikerprüfung vorbereiten, ist mir immer wieder aufgefallen, wie häufig zwar der Wunsch und das Ziel, die Heilpraktikerprüfung bestehen zu wollen, da sind, die konkreten Wege zum Erreichen eben dieses Zieles häufig aber weniger eindeutig sind. Ich möchte daher an dieser Stelle alle, die sich gerade überlegen, wie sie die Heilpraktikerprüfung bestehen können, anregen, sich ein paar grundsätzliche praktische Gedanken zu machen bzw. folgende Anregungen zu beherzigen:

Wahl des Gesundheitsamtes

Grundsätzlich ist das Gesundheitsamt zuständig, wo auch Ihr 1. Wohnsitz ist (Meldeadresse). Einige Ämter lassen auch Prüflinge zu, die vorhaben oder angeben, künftig an dem Ort des prüfenden Gesundheitsamtes ihre Praxis eröffnen zu wollen, auch wenn sie aktuell noch an einem anderen Ort leben.

Aufgrund der zahlreichen Erfahrungsberichte und Prüfungsprotokolle, gerade zum mündlichen Teil der Überprüfung, gibt es Heilpraktiker-Anwärter/innen, die aufgrund dieser Berichte einen Wechsel des 1. Wohnsitzes in Betracht ziehen und dann zum vermeintlich "einfacheren" Gesundheitsamt wechseln

Anfrage Prüfungstermin

Wenn Sie die Zuständigkeit des Gesundheitsamtes geklärt haben, ist es sinnvoll, sich vor Antragstellung zur Prüfungszulassung zu erkundigen, wann der nächstmögliche Überprüfungstermin ist.

Manchmal kann dieser sehr kurzfristig vergeben werden, so dass die Vorbereitungszeit zu knapp ausfällt. In diesem Fall können Sie ruhig schon einmal mit der Prüfungsvorbereitung beginnen und die Überprüfung zu einem späteren Zeitpunkt beantragen.

Andersrum kann es aber auch der Fall sein, dass Sie sehr lange auf einen Termin warten müssen: Das kann z.B. in Berlin bis zu 2 Jahren dauern! Da kann bedeuten, dass Sie auf Ihrem Wissen erst einmal "sitzen bleiben" und es konservieren müssen, bis es dann endlich soweit ist.

 

Zulassungsbedingungen für die Heilpraktikerprüfung

  • Sie müssen mindestens 25 Jahre alt sein (zum Zeitpunkt der Überprüfung).
  • Sie müssen mindestens einen Hauptschulabschluss absolviert haben (dafür brauchen Sie eine beglaubigte Kopie Ihres Schulabschlusse).
  • Sie müssen ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen.
  • Sie müssen ein Gesundheitszeugnis vorlegen (ärztliches Attest über geistige und körperliche Gesundheit sowie über Drogen- und Suchtfreiheit, erstellt Ihnen Ihr/e Hausarzt/ärztin).
  • Sind Sie ausländische/r Mitbürger/in, müssen Sie eine gültige Aufenthaltserlaubnis vorlegen.
  • Physio-Heilpraktikerprüfung: Nachweis einer abgeschlossenen Physiotherapieausbildung

Finanzielle Planung

Eine oftmals große Hürde können die Kosten, die durch die Vorbereitung auf eine Heilpraktikerprüfung verursacht werden, darstellen. Folgende Posten sollten Sie dabei berücksichtigen:

 

  • Ausbildungskosten (Schule, Fernlehrgang, Coach)
  • Kosten Gesundheitsamt
  • Ausgaben für Literatur
  • Kopierkosten
  • Kosten für Untersuchungsgeräte
  • Kosten für mögliche Extrakurse, z.B. 1. Hilfe-Kurs, Kurs Untersuchungstechniken, Kurs Injektion/Blutabnahme/Infusion
  • Intensivkurs vor der Prüfung (Prüfungstraining)
  • Anfahrtskosten

 

Bitte bedenken Sie auch, dass durch die Zeit für das Studium, das Wiederholen des Lernstoffes und die Anfahrt auch Zeit wegfällt, in der Sie – trotz des Mehrbedarfes an Geld - nicht arbeiten können.

Inhalte der Heilpraktikerprüfung - Überblick über den Lernstoff

  • Allgemeine Pathologie
  • Blut
  • Immunologie
  • Gefäßsystem/Kreislauf
  • Herz
  • Atmung
  • Verdauungssystem I
  • Verdauungssystem II
  • Stoffwechsel/Ernährung
  • Niere und ableitende Harnwege/Wasser- und Elektrolyt-Haushalt
  • Geschlechtsorgane
  • Hormonsystem
  • Nervensystem
  • Psychologie/Psychiatrie
  • Pädiatrie - Schwangerschaft/Geburt/Stillzeit
  • Geriatrie
  • Orthopädie
  • Sinnesorgane
  • Infektionskrankheiten

 

-->für alle beschriebenen Kapitel jeweils die Anatomie, Physiologie, Pathogenese und Pathologie:

Definition, Ursache, Symptomatik inkl. mögl. Komplikationen, Diagnosestellung inkl. der für Heilpraktiker relevanten Untersuchungsmethoden, Differentialdiagnose, Therapie/präventive Maßnahmen, ggfs. Prognose sowie gesetzliche Einschränkungen.

Ferner die Kapitel

 

  • Hygiene
  • Gesetzeskunde
  • Differentialdiagnostik
  • Notfälle
  • Labor
  • Injektionstechniken, Blutabnahme, Infusion

 

Stoffvermittlung - Der didaktische Rahmen

Nachdem Sie sich einen Überblick über den anstehenden Lernstoff verschafft haben, stellt sich die Frage, wie Sie ihn am besten vermittelt bekommen. Ich möchte an dieser Stelle kurz die einzelnen Möglichkeiten aufzeichnen:

 

Heilpraktikerschule

Die wohl klassische Form, die sich insbesondere für Menschen mit wenigen oder gar keinen schulmedizinischen Kenntnissen anbietet. Auch mag hier für viele der vorgegebene schulische Rahmen sowie der Kontakt zu Mitschüler/innen von Vorteil sein. Viele Heilpraktikerschulen bieten auch Wochenend- oder Abendkurse an. Erkundigen Sie sich vorab über die Möglichkeit, versäumten Unterricht nachzuholen. Wichtig sind auch die Vertragslaufzeiten und Kündigungsfristen.

 

Fernstudium

Eine Möglichkeit, die Sie in Betracht ziehen sollten, wenn Ihnen die nächste HP-Schule zu weit entfernt ist oder das Erreichen mit sehr langen Anfahrtszeiten verbunden ist. Diese Form bedarf eines gewissen Maßes an Selbstdisziplin. Auch sollte bedacht werden, dass bei dieser Form der Kontakt zu anderen HP-Anwärter/innen in der Regel fehlt. Erkundigen Sie sich, inwiefern auf Ihre individuellen Bedürfnisse eingegangen werden kann.

 

Coaching zur Heilpraktikerprüfung

Heilpraktiker-Prüfungscoaching bietet Ihnen die Möglichkeit auf eine individuelle Prüfungsvorbereitung mit flexibler Zeit- und Themeneinteilung sowie eigener Schwerpunktsetzung. Eine gute Wahl auch für Menschen mit medizinischen Vorkenntnissen, die nicht noch mal bei null anfangen wollen. Auch für den letzten Schliff für die mündliche Überprüfung oder bei individuellen Lernschwierigkeiten (Motivation, Prüfungsangst) sicherlich eine gute Wahl. Diese Methode kann natürlich auch gut als Ergänzung zur Ausbildung an einer Heilpraktikerschule in Betracht gezogen werden.

 

Autodidaktische Methoden

Hier sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt! Freie Zeit- und Lernstoffeinteilung, keine Anfahrtswege, keine Unterrichtskosten, aber auch ein hohes Maß an Selbstdisziplin und die Fähigkeit, auf sich alleingestellt strukturiert durch die vielen Themengebiete zu ackern. Sollte möglichst mit einer Lerngruppe ergänzt werden. Auch wird man nicht um einige Extra-Kurse (Injektionstechniken, Untersuchungskurs, 1. Hilfe etc.) herumkommen.

 

Zeitrahmen

Setzen Sie sich den Zeitrahmen Ihrer Heilpraktikerprüfung (Bild: http://pixabay.com/actions/...)

Verschaffen Sie sich einen genauen Überblick über Inhalt und Umfang der einzelnen Kapitel! Machen Sie sich klar, in welchem Zeitraum Sie diesen erlernen wollen, d.h. nicht nur die passive Aufnahme im Unterricht, sondern auch das Erstellen einer Mitschrift, Ihres eigenen Skriptes, sowie der aktiven Wiederholung des Stoffes.

Immer wieder erlebe ich, dass Menschen, die sich auf die Heilpraktikerprüfung vorbereiten, eine recht straighte Vorstellung von der Vorbereitungsphase haben. Daher bedenken Sie bitte folgende Punkte:

 

  • Planen Sie zusätzliche Zeit für den finanziellen Mehraufwand ein – also, die Zeit, die Sie zusätzlich arbeiten müssen, um Ihre Ausbildung überhaupt finanzieren zu können.
  • Planen Sie Zeit für Ihren Urlaub ein! Und wenn es mit dem Urlaub nicht klappen sollte: Jeder Mensch braucht – gerade in intensiven Lernphasen – immer wieder regenerative Pausen. Überlegen Sie sich, was Sie als Ausgleich und zur Entspannung während Ihrer Vorbereitung auf die Heilpraktikerprüfung für sich tun möchten und planen Sie diese Zeit ebenfalls ganz bewusst mit ein.
  • Denken Sie daran, dass man über einen so langen Zeitraum auch mal krank werden kann!
  • Es passiert fast allen früher oder später: Die "Null-Bock-zum-Lernen-Phasen" – auch für sie muss mal Zeit sein!
  • Niemand kann sich 100% externen Verpflichtungen entziehen – Sie sollten diese auf ein Minimum reduzieren, aber auch mit einbeziehen, dass mal etwas dazwischen kommen kann.

 

Erfahrungsgemäß kann man für jedes Vorbereitungsjahr - also 52 Wochen - ca. 10 Wochen abziehen bzw. muss diese zusätzlich in die Gesamtprüfungszeit miteinbeziehen.

Literatur

Literatur zur Heilpraktikerprüfung (Bild: http://pixabay.com/actions/...)

Es gibt mittlerweile eine große Auswahl an HP-Literatur. Für die richtige Auswahl sollten Sie folgendes beachten:

  • Sie brauchen ein Medizinisches Wörterbuch.
  • Sie brauchen einen Anatomieatlas.
  • An HP-spezifischer Literatur empfehle ich den Kauf von maximal zwei Lehrbüchern, mit denen Sie gut klarkommen (Übersichtlichkeit, Struktur, Bebilderung etc.) und die Ihnen auch ein wenig Interesse und Spaß an der Materie vermitteln sollten. Ein Blick ins Buch vorab lohnt sich! Greifen Sie auch auf die Erfahrungen anderer zurück, z.B. über Buchrezensionen im Internet. Erwerben Sie zu viele Bücher, können Sie schnell die Übersicht verlieren und werden die vielen Nachschlagwerke auf Ihrem Schreibtisch verfluchen.
  • Zusätzlich können Sie noch Bücher mit Multiple-Choice-Prüfungsfragen in Erwägung ziehen, wobei hier die Präferenz auf Bücher liegen sollte, die nicht nur den Lösungsschlüssel sondern auch eine kommentierte Erklärung anbieten. Wildes Recherchieren nach Prüfungsfragen im Netz bringt meist wenig, da die präsentierten Fragen sehr unterschiedlicher Qualität sind und Sie häufig außer dem Lösungsschlüssel keine plausible Erklärung zum tieferen Verständnis der Antworten erhalten.
  • Kaufen Sie keine Bücher, die älter als 5 Jahre sind! Die Heilpraktikerprüfungen werden ständig aktualisiert und gute HP-Literatur geht auf diese Änderungen bzw. auf das sich stetig erweiternde Fragenspektrum ein. Auf gar keine Fall sollten Sie Bücher kaufen, die vor 2002 erschienen sind (kursieren immer noch auf diversen Verkaufsportalen im Internet). Das hängt mit der Einführung des Infektionsschutzgesetzes von 2001 zusammen, das die bis dahin gültigen gesetzlichen Bestimmungen abgelöst und dadurch auch die gesetzliche Rahmenbedingungen auch für die Heilpraktikerprüfung verändert hat.

 

... und zu guter Letzt eine Frage: Warum möchten Sie Heilpraktiker/Heilpraktikerin werden?

Eine Frage, die zunächst banal erscheinen mag, die Sie aber einmal für sich beantworten sollten. Ich habe bei vielen Menschen, die ich durch die Heilpraktikerprüfung begleiten durfte, festgestellt, dass ihnen nicht recht bewusst ist, dass sie nach der Prüfung tatsächlich diagnostizieren und behandeln dürfen. Was zur Folge hat, dass sie überrascht auf diese Frage, deren Beantwortung ja individuell sehr unterschiedlich ausfallen kann, reagieren.

Ich stelle sie unter anderem auch deswegen immer wieder gern, damit das Ziel nicht verloren geht, und das ist in der Regel ja nach bestandener Heilpraktikerprüfung die Praxiseröffnung!

Überlegen Sie sich einfach einmal, wie Sie später mit welchen Behandlungsmethoden Menschen bei ihrer Heilung unterstützen möchten. Der Weg zum Bestehen der Heilpraktikerprüfung ist mit einem hohen zeitlichen, finanziellen und energetischen Aufwand verbunden und wird Ihnen so Einiges abverlangen. Daher ist es umso trauriger, wenn Menschen nach bestandener Prüfung nicht so recht wissen, was sie damit anfangen sollen und den nächsten Schritt der Praxiseröffnung gar nicht erst angehen.

 

Also: Warum möchten Sie Heilpraktiker/Heilpraktikerin werden?

Autor seit 6 Jahren
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