Streitbar. Schwierig. Eigensinnig.

Werner wollte sich die Rollen aussuchen. Und dies führte nach den doch recht arbeitsreichen Fünfziger Jahren immer seltener zum Ziel, wenn auch sich in den Sechziger Jahren für den feschen Wiener Präsenzen in eindrucksvollen Streifen ergaben. Allen voran kann hier "Das Narrenschiff" (1964) und auch "Interlude" (1968) genannt werden. Speziell an "Das Narrenschiff" hat er einen "Narren gefressen", wie sein Sohn in einem Interview erzählte. Er hielt dieses 'Picture' für seine bedeutendste Arbeit. Daneben spielte er oft auch noch am Burgtheater oder wirkte an anderen Projekten mit.

Oskar Werner - Burgtheater Wien.

Oskar Werner - Burgtheater Wien. (Bild: http://www.altertuemliches.at)

Entscheidung vor Morgengrauen (Decision Before Dawn), 1951

Der Film, gedreht in Schwarz-Weiß, erzählt die Geschichte des Sanitäters Maurer, der in den Kriegstagen – nicht so sicher, ob es tatsächlich schon die Letzten sind – die Fronten wechselt und für die Amerikaner tätig wird, in dem er sich einem Team anschließt, das die Positionen des Angriffs der Deutschen ausmachen soll, um den Widerstand zu verringern und ein rasches Kriegsende herbeizuführen. Dies war allerdings bei seinen eigenen Kameraden nicht gern gesehen, denn man sieht in ihm einen Verräter.

Er bekommt neue Ausweise, einen neuen Namen und startet in den ersten Auftrag per Flugzeug. Er soll abspringen, den Fallschirm vergraben und sich rasch bei seinem Bataillon einfinden. Auf dem Weg dorthin begegnen ihm allerlei Personen – angefangen von der SS, der Gestapo und einer Frau, Hilde, die ebenfalls dort verortet werden könnte. Er stellt fest, dass man hinter ihm her ist und dass seine Möglichkeiten, seinen Auftrag zu erfüllen, sehr gering sind, gemessen an der hohen Informationsdichte, die über praktisch jeden kursiert. Er wird einem Oberst zugeteilt, der überraschend die erforderlichen Informationen für ihn hat und ihn dann weitergeschickt. Er erreicht allerdings sein Ziel nicht, sondern stößt zu den anderen, dort operierenden Personen mit Tarnname Tiger und Rennick, der amerikanische Militärangehörige, der der Erzähler im Film ist. Er ist es auch, der am Ende – nach einer gefährlichen Rheindurchschwimmung – "Happy" allein zurücklässt und sich wieder in die Fluten wirft, um der Verhaftung durch die Deutschen zu entgehen. Das allerdings gelang dem jungen Sanitäter nicht mehr, er gelangt in die Fänge der deutschen Truppen.

 

Wer hat Recht?

 

Der Film zeigt auf höchst dramatische Weise die heute oft auf einfache Klisches reduzierte Welt von 'Gut und Böse'#, die in der damaligen "heißen" Phase noch bei weitem nicht so klar ist. Die Wahrheiten hinter den Figuren, hinter den "Jeder gegen Jeden"-Momenten und den schnellen Verdächtigungen und Zuschreibungen als Verräter oder als Deserteur, ist heute nicht mehr so fasslich. Aber auf beklemmende Weise ist die Gefahr bemerkbar, die psychische Belastung und das Pflichtbewusstsein, das man in modernen Streifen unterschätzt, damals aber zum raschen Tod führen konnte, wenn man es wegließ oder Zweifel hinterließ.

 

Interlude (Interlude), 1968

 

Ein junger Vater, der damals mit vierzig Jahren gewissermaßen schon als "alt" galt, wird von einer hübschen jungen Engländerin interviewt, die er, nach Erscheinen ihres Artikels, anruft um mit ihr Essen zu gehen. Sie gefällt ihm und nach dem zweiten oder dritten Essen mit Flirt landet er mit ihr in ihrer Wohnung, wo sie sich immer öfter treffen und lieben. Seine Frau indes scheint ihn geradezu aus dem Haus haben zu wollen, rät sie ihm zeitweise dazu, den Abend auswärts zu verbringen. Aus Publicity Gründen und auch sonst. Auch der gemeinsame Freund Lawrence wird – wie viele andere Bekannte – gerade geschieden.

Die Beziehung ist vielleicht nicht exklusiv, doch sie ist jedenfalls sehr liebevoll. Die sanfte, junge Engländerin mit den tiefblauen Augen und der sensible Künstler, der allerdings von seinem Management mit einem überdimensionalen Ego dargestellt wird, finden und treffen sich immer wieder, wenn auch die Beziehung durchaus mit seelischen Schmerzen verbunden ist, sind sie doch kein Paar im herkömmlichen Sinne. Vor allem, selbst nach ihrer gemeinsamen Zeit nahe Bodium Castle müssen sie sich wieder trennen und schließlich kommt es zur Aussprache, als sich die Situation so weit zuspitzt, dass Sally bei den Proben dabei ist, die Ehefrau Antonia aber nicht. Während er immer wieder um Geduld ersucht, pochen die beiden Damen darauf, die Situation zu kären und so kommt es zu einem Essen, bei dem sich alle drei treffen um sich kennenzulernen.

 

 

His Mistress

Auf interessante Weise zeigt der 1968 veröffentlichte Streifen einen romantischen Oskar Werner, der sich - seiner Gattin und ihrer Familie überdrüssig geworden – in eine Beziehung mit einer fröhlichen, unkomplizierten Britin stürzt, die ihrerseits langfristig doch ins ernsthaftere Fach wechseln möchte. Doch dies gestaltet sich ober der Sensibilität schwieriger, als gedacht, schließlich leidet Sally unter ihrer – aus ihrer Sicht geringen - Bedeutung als Mätresse, die ihm zwar wichtig ist, die aber vor der Öffentlichkeit – insbesondere der Boulevardpresse – verborgen wird, um sein Image nicht zu gefährden. Diese Beziehung und ihre Chance, die sie hat/te, wird vom Umstand, dass sie Journalistin ist, begünstigt. Ob aber ihre Karrierechance auch nach einer Verehelichung mit einem – ausländischen – Künstler intakt wären, ist die Frage – und führt zu einer weiteren, nämlich wie groß das Ego des Stefan Zelter tatsächlich war und wie viel davon übrig ist/wäre, nach der Scheidung.

Links

https://kurier.at/kultur/oskar-werner-der-groesste-im-letzten-winkerl/33.541.755

https://www.derstandard.at/story/1758151/oskar-werners-gestoerte-friedhofsruhe

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