Die einzige Päpstin ist historisch umstritten
Die Päpstin

Gab es Päpstin Johanna alias Johannes XIII. wirklich?

Offiziell wird die Geschichte einer Päpstin im Mittelalter als Legende bezeichnet. Wieviel davon Dichtung ist und was im Kern der Wahrheit entspricht, weiß man nicht. Es gibt nur sehr wenig Quellen, deren Angaben nicht einmal einheitlich sind. Selbst über die historischen Eckdaten wie ihre Amtszeit herrschte im Verlauf Uneinigkeit. Hinzu kommt, dass die ersten Überlieferungen erst einige hundert Jahre später, nämlich im 13. Jahrhundert, herauskamen. Zudem ist nicht auszuschließen, dass in einer so langen Zeit aussagekräftigere Quellen verloren gingen.

In einer Sage wurde die Existenz von Päpstin Johanna zunächst im 11. Jahrhundert vermutet. Später verdichteten sich die Hinweise, dass sie eher im 9. Jahrhundert gelebt und gewirkt haben könnte. Man nimmt an, dass es sich bei der Päpstin um Johannes XIII. handeln könnte, der von 872 bis 882 amtierte, zwischen den Päpsten Leo IV. und Benedikt III. Nach einer der Chroniken, in denen sie erwähnt wird, soll sie Engländerin gewesen sein und in Athen als Mann verkleidet studiert haben, bevor sie nach Rom ging. Ihre Bildung und ihre Intelligenz begeisterte in Theologenkreisen so, dass sie aufstieg und es letztlich auch auf den Papstthron geschafft haben soll.

Manche Varianten fügten noch einen Liebhaber hinzu und eine Schwangerschaft, die sie schließlich entlarvt und zur Verbannung ins Kloster führt. Wieder andere ändern Namen und Orte. In dem Roman "Die Päpstin" von Donna W. Cross ist Johanna eine Deutsche.

Auch wurde erzählt, dass nach Johannes XIII. Päpste sich im Rahmen der Papstkrönung auf einen speziellen Stuhl setzen mussten. Im Verlauf des Krönungsrituals war es früher üblich, dass der zukünftige Papst hintereinander auf verschiedenen Stühlen Platz nehmen musste. Einer davon war eine Art Toilettenstuhl. (Ob das Wort "Stuhlgang" ursprünglich darauf zurückgeht? Richtige Toiletten gab es ja damals noch nicht.) Dieses Sitzmöbel wies ein Loch in der Mitte auf. Damit soll die tatsächliche Männlichkeit des werdenden Kirchenoberhauptes geprüft worden sein.

Unabhängig davon, was verschiedene Quellen aus dem vorhandenen Material gemacht haben, bleibt die spannende Frage: Ist die mittelalterliche Päpstin Johanna eine historische Persönlichkeit? Oder ist sie ein faszinierender Mythos, der im Zeitalter der Emanzipation in noch blühenderen Farben wieder aufgelebt ist? Das bleibt leider bis auf Weiteres der Phantasie überlassen. Aber ich will gerne an einen wahren Kern glauben. Eine schöne Vorstellung ist es allemal.

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Frauen und Karriere - in der katholischen Kirche bisher Fehlanzeige

Zur Zeit der umstrittenen Päpstin hatten Frauen besonders, was Jobs betrifft, keine echten Perspektiven. Aber welche berufliche Rolle spielt die Frau heute in der Kirche? Was hat sich überhaupt verändert?

Es gibt zahlreiche Aufgaben, welche Frauen in dieser Religionsgemeinschaft mit großem Fleiß und oft sehr aufopferungsvoll bewältigen. Viele arbeiten in pädagogischen und in sozialen Berufen, denen sie in den kirchlichen Einrichtungen nachgehen. 55% aller Mitarbeiter innerhalb der katholischen Kirche sind weiblich. Das ist zwar deutlich weniger als der Frauenanteil in der evangelischen Kirche, die ganze 74% Frauen beschäftigt. Im Bildungsbereich erledigen bei den Katholiken aber immerhin 70% weibliche Lehrkräfte die Arbeit.

Doch obwohl Frauen einen nicht unerheblichen Anteil der in der katholischen Kirche anfallenden Arbeiten leisten, tendieren ihre Karrierechancen dort gegen Null. Außerdem werden sie, wie in vielen anderen Branchen auch, in ihrem Job bei der Kirche wesentlich schlechter bezahlt als Männer in vergleichbaren Positionen. Viele rackern sich "für Gottes Lohn", also ehrenamtlich ab, damit in der Kirche alles gut organisiert ist und immer ein hübsches Sträußchen und Kerzen etc. bereitstehen. Führungspositionen bleiben ihnen hingegen weitgehend verwehrt. Nur 5% aller höheren Stellen werden in der katholischen Kirche von Frauen besetzt; ganz oben bei den Bischöfen und Kardinälen findet man gar keine.

Während die weltlichen Aufgabengebiete also zu mehr als der Hälfte – wenn auch für bescheidenes Entgelt – von Frauen übernommen wird, müssen sie im theologischen Bereich noch viel mehr entbehren. Sich weiterbilden, Theologie und die Bibel studieren steht ihnen natürlich frei. Damit Karriere machen können sie zumindest in der katholischen Kirche vergessen. Wenn sie diesen Weg einschlagen, bleibt ihnen nur, ein bescheidenes Leben im Kloster mit Beten und den täglichen Abläufen und unbezahlten Pflichten zu führen. Bestenfalls schaffen sie es im fortgeschrittenen Alter zur Schwester Oberin. Nicht einmal Priesterin können sie werden, geschweige denn sämtliche Ämter darüber.

Bei den Protestanten sieht es vergleichsweise besser aus. Immerhin ein Drittel aller Pastoren sind hier weiblich. Auch die Aufstiegsmöglichkeiten im Job sind dort ein bisschen besser als in der katholischen Kirche. Wer als Theologin eine Karriere einschlagen will, kann sich in dieser Religionsgemeinschaft am ehesten Hoffnungen auf Erfolg machen. Doch auch in der evangelischen Kirche gilt noch: Je weiter man nach oben schaut, umso mehr sinkt die Frauenquote bis zu einem verschwindend geringen Anteil. Auch bei den Protestanten ist das Entwicklungspotential in punkto Karrierefrauen noch groß. Aber immerhin weist die evangelische Kirche bereits 3 Bischöfinnen von insgesamt 22 Geistlichen auf diesem Posten auf. Von diesen Berufsperspektiven könnte sich die katholische Kirche mal eine dicke Scheibe abschneiden!

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Wer wird Nachfolger?

War das Berufsziel "Papst" für Frauen bis jetzt wenn überhaupt nur mit so pfiffigen Methoden wie der Verkleidung als Mann erreichbar, schürt die Liste der aktuellen Kandidaten für die Nachfolge von Benedikt XVI. ebensowenig Hoffnungen auf eine Päpstin. Alle Kandidaten sind offensichtlich Männer. Schauen wir sie uns trotzdem einmal an.

  • Peter Turkson (64): Kurienkardinal aus Ghana, befürwortet Verhütung und glänzt durch soziales Engagement im Bereich Menschenrechte. Leider hält sich seine Toleranz für Schwule, Lesben und sonstige sexuelle Minderheiten sehr in Grenzen.
  • Odilo Scherer (63): Brasilianischer Kardinal mit saarländischen Wurzeln, setzt sich für die Rechte der Armen in seinem Land ein.
  • Francis Arinze (80): Nigerianischer Erzbischof, der sich für die Versöhnung zwischen Angehörigen des Islam und des Christentums engagiert. Er war mit Benedikts Vorgänger Papst Johannes Paul II. befreundet.
  • Leonardo Sandri (69): Kurienkardinal von Argentinien, unterstützt den Dialog zwischen den Religionen.
  • Luis Antonio Tagle (55): Erzbischof in Manila auf den Philippinen.
  • Italienische Kandidaten: Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone (78) und der Erzbischof von Genova, Angelo Scola (71) und Angelo Bangasco (70).
  • Timothy Dolan (63): Medienaffiner Erzbischof in New York, wird als gemäßigt konservativ eingestuft.
  • Marc Ouellet (68): Emeritierter Erzbischof im kanadischen Québec, pflegt gute Beziehungen mit Südamerika. Er hat einen Doktortitel in Dogmatik inne, was wohl eher auf eine konservative Denkweise schließen lässt.
  • Christoph Schönborn (68): Österreichischer Kardinal, würde von der Richtung her wohl ebenfalls in Ratzingers Fußstapfen treten.

Als positiv bewerte ich die Internationalität der zur Auswahl stehenden Päpste in spe. Ebenso lobenswert ist, dass auch Kandidaten unter 70 sowie solche mit liberaleren Ansichten berücksichtigt wurden. Beides deutet auf eine Entwicklung nach vorn hin. Allein, dass auch farbige Papstkandidaten vorgeschlagen wurden, ist ein wichtiges Zeichen. Jedoch bleibt mit dieser Wahl eine viel globalere Diskriminierung in der Kirche weiter erhalten: Die Diskriminierung oder zumindest fehlende Wertschätzung und Gleichberechtigung der Frau innerhalb dieser Institution!

Doch noch ist nicht aller Tage Abend! Am 28. Februar endet Ratzingers Amtszeit. Mitte März findet die Wahl des Papstes traditionell in der Sixtinischen Kapelle statt. Bis dahin kann sich noch einiges tun. Nun ja, in der katholischen Kirche vielleicht nicht so viel. Aber: Noch ist Zeit, eine weibliche Kandidatin zu finden. Also, liebe Geschlechtsgenossinnen: Sollte eine von Ihnen, die das hier liest, zufällig kirchliche Angestellte sein und sich zu diesem Amt berufen fühlen, dann trauen Sie sich! Zeigen Sie es den Männern im Vatikan und stellen Sie sich zur Papstwahl!

Warum ein weiblicher Papst her muss - Vorteile einer Päpstin - gerne auch farbig

  • Eine Frau auf dem Papststuhl würde frischen Wind in den Vatikan und die eingestaubte katholische Kirche bringen. All die Kardinäle, Bischöfe und sonstigen Mächtigen innerhalb dieser Glaubensgemeinschaft wären gezwungen, ihr hoffnungslos veraltetes Frauenbild und die Rolle der weiblichen Geistlichen in dieser Religion zu überdenken. Anders als auf solch radikale Weise wird sich nie etwas in den verknöcherten Strukturen der katholischen Kirche ändern.
  • Mit einer Päpstin gäbe es keine lang dauernde Diskussion darüber, ob geschehene Fälle von Missbrauch in Einrichtungen innerhalb dieser Institution verjährt seien oder nicht. Ein weiblicher Pontifex würde sich um eine konsequente Aufklärung kümmern sowie nach Wegen suchen, der Gefahr einer Wiederholung solcher Missbrauchsfälle vorzubeugen. Die Täter würden - zusätzlich zu einem ordentlichen Strafverfahren - ein für allemal aus ihren Kirchenämtern suspendiert. Es würde aber auch die Diskussion um mögliche solche Zustände fördernde Ursachen sowie Sinn und Unsinn von Regelungen wie dem Zölibat, wie sie bis heute in der Kirche bestehen, neu belebt werden.
  • Einem weiblichen Kirchenoberhaupt würde es eher einleuchten, dass es ebenso Gründe gegen wie für ein Kind geben kann und dass verantwortungsvolle Menschen dies für sich selbst entscheiden möchten. Die schon lange übliche Geburtenkontrolle und Verhütung, die schließlich nicht nur vor einer Schwangerschaft, sondern im Fall der Fälle auch vor Krankheiten und nicht vorhandene Kinder vor einem unglücklichen Leben schützen kann, würde eine Päpstin nicht so schnell ablehnen. Frauen haben einen ganzheitlicheren Blick auf diese Themen. Unabhängig davon, wie das Leben künftiger Päpstinnen vor dem Kloster aussah und aus welchen persönlichen Motiven sie beschlossen haben, Nonne zu werden.

Autor seit 6 Jahren
112 Seiten
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