Pegasus Flying Through Clouds (Bild: AllPosters)

Pferdestärken mit düsterer Familiengeschichte

Im griechischen Mythos wird als Vater des berühmten Rosses der Meeresgott Poseidon genannt. Die Geburt des Pegasus ist unmittelbar mit dem Tod seiner Mutter verbunden. Denn diese war keine Geringere als Medusa, deren Blick jeden, der sie ansah, augenblicklich in Stein verwandelte. Dem Helden Perseus gelang es jedoch, dem Monster den Kopf abzuschlagen. Ihrem Rumpf entsprang Pegasus, der sich sofort in die Lüfte erhob und den Berg Helikon, Heimatberg der neun Musen, ansteuerte. Dort angekommen, schuf er durch Aufstampfen mit seinen Hufen die Quelle Hippokrene ("Pferdequelle"), deren Wasser jeden, der davon trank, zum Dichter oder Sänger machte. Diese Episode legt nahe, seinen Namen mit dem griechischen Wort für Quelle ("pege") in Verbindung zu bringen.

Pegasus, the Winged Horse (Bild: Fortunino Matania / AllPosters)

Bellerophon Riding Pegasus Fighting the Chimaera, 1635 (Bild: Peter Paul Rubens / AllPosters)

Roß und Reiter

Nachdem sowohl Götter als auch Sterbliche immer wieder erfolglos versucht hatten, Pegasus einzufangen, nahm sich  Athene, die Göttin der Weisheit, der Sache an. Sie sandte dem korinthischen Helden Bellerohphon einen Traum, in dem sie ihm ein goldenes Zaumzeug schenkte und die Opferung eines Stiers für den Meeresgott Poseidon befahl. Als Belleorphon erwachte, fand er nicht nur zu seinen Füßen liegend das soeben geträumte Zaumzeug, sondern an der nächsten Quelle auch den friedlich grasenden Pegasus, der sich ohne jeglichen Widerstand das Zaumzeug anlegen lies. Dankbar vollzog er darauf das Stieropfer.

Im Folgenden half Pegasus Bellerophon nicht nur beim Sieg über die Schimäre, einem feuerspeienden Ungeheuer mit Löwenkopf, Ziegenkörper und Schlangenschwanz, sondern auch im Kampf gegen das feindlich gesinnte Volk der Solymer und die Amazonen. Vom Rücken seines fliegenden Reittieres aus  war es dem Helden ein Leichtes, einen tödlichen Pfeilhagel auf seine Gegner herabrieseln zu lassen.

Hochmut kommt vor dem Fall

Angesichts seiner zahlreichen Erfolge fühlte sich Bellerophon allerdings schnell zu Höherem berufen und wollte mit Pegasus bis in den Götterhimmel hinauf fliegen. Da sandte Göttervater Zeus, der solche Vermessenheit nicht dulden wollte, eine Pferdebremse von Olymp herab, die ihrem Namen alle Ehre machte, Pegasus stach und so bewirkte, dass Bellerophon vom Rücken des erschreckt buckelnden Pferdes wieder hinab auf die Erde fiel. Zwar überlebte der Held den Sturz, war aber fortan gelähmt.

Pegasus aber flog nach diesem Unglück erneut bis in den Olymp hinauf und durfte dort als Träger der Donnerkeile des Zeus verweilen. Später wurde er sogar als Sternbild an den Himmel versetzt.

Pegasus im Orient

Von einem geflügelten Wunderpferd wissen auch die Erzählungen aus 1001 Nacht zu berichten. Im Märchen "Das Zauberpferd" soll der König von Persien die Hand seiner Tochter gegen ein hölzernes Pferd eintauschen, das schneller fliegen kann als der Wind und seinen Reiter an jeden gewünschten Ort bringen kann. Ein Proberitt verschlägt den Sohn des Königs nach Bengalen, wo er sich in die dortige Prinzessin verliebt und mehrere Monate verweilt. Als der Prinz nach längerer Zeit samt Prinzessin wieder in seine Heimat zurückkehrt, wird diese aus Rache vom Schöpfer des magischen Tieres entführt. Der persische König hatte ihn zuvor in dem Glauben, dass sein Sohn bei dem Ritt auf dem Zauberpferd zu Tode gekommen sei, in den Kerker werfen lassen.

Wer hat´s erfunden?

Zum "Dichterpferd" und "Musenroß" wurde Pegasus erst in der Neuzeit. Die alten Griechen selbst verehrten die künstlerischen Schaffenskräfte in Gestalt der Musen. Für die Römer wiederum war Pegasus spruchwörtlich für seine Schnelligkeit.

Die Leiden künstlerischer Genialität, die aus Geldnot in den Dienst kunstfremder Zwecke gestellt werden muss, veranschaulicht Friedrich Schiller in seinem Gedicht "Pegasus im Joche" (im "Musenalmanach für das Jahr 1796" noch unter dem Titel "Pegasus in der Dienstbarkeit" veröffentlicht).

 

Autor seit 5 Jahren
14 Seiten
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