Stella und ihr Futter - was ist kittengerecht?

In einem meiner ersten Berichte über meine kleine Prinzessin habe ich die Qual der Futtersuche für ein Kitten bereits erwähnt. Kittenfutter, auch Juniorfutter genannt, ist sehr selten im Regal zu finden. Selbst bei den bekannten Raiffeisen- und Tiermärkten. Im E-Center steht bei einigen bekannten Marken eine Sorte für Katzenbabys daneben (aber jeweils in nur einer Geschmacksrichtung), andere Supermärkte führen gar kein Kittenfutter. 

Das Essen ist für die Kleinen besonders wichtig. Kitten benötigen permanenten Zugriff auf Futter in ihrem Schälchen, um essen zu können, sobald sie Hunger verspüren. Der Energiehaushalt läuft einfach noch etwas anders ab als bei ausgewachsenen Katzen. Nach einem Jahr kann man dazu übergehen, feste Futterzeiten einzuführen - idealerweise wie beim Menschen drei Mahlzeiten täglich - Menge je nach Gewicht der Katze.

Außerdem benötigen Katzenbabys in ihrem gesamten ersten Lebensjahr, also wirklich 12 Monate lang, mehr Zusatzstoffe. Dabei ist ganz wichtig, dass das Verhältnis von Calcium zu Phosphor im Futter stimmt. Stimmt dies nicht, können u.a. Nierensteine entstehen, die jahrelang nicht bemerkt werden. Ich finde dies hier ganz gut erklärt.

Übrigens: Die Mineralstoffe werden beim Dosenfutter der bekannten Marken meist künstlich hergestellt und zugeführt. Nun könnte man meinen ist doch okay, die Hauptsache das Zeug ist drin im Futter. Gesund wäre aber, wenn das Fleisch an sich bereits so gesund ist, dass es noch alle Nährstoffe enthält, das Futter also natürliche Mineralstoffe enthält.

So. Und nun geht mal los und findet das Zeug für die Junioren. 

Ich wurde im Raiffeisenmarkt an ein Regal geführt, das angeblich nur das ganz gesunde Katzenfutter (= glutenfrei, getreidefrei, laktosefrei) enthält.

1. Ist das Futter wirklich ohne Getreide (insbesondere Weizen, aber auch Mais, Reis etc.), dann wäre es eigentlich automatisch auch glutenfrei. Oder? Getreidefrei bedeutet für die Hersteller aber "ohne Weizen" und fertig. Wo noch Weizen drin ist, braucht man ihn angeblich als Bindemittel oder für die Verdauung der Katze. Eh... klar, ich sehe auch ständig Katzen am Feldrand auf der Suche nach Weizen. Vermutlich sind sie es, die diese Getreidekreise heimlich ins Feld markieren. Nach dem Motto: "suche hier!"

2. Da inzwischen wirklich jedem Menschen bekannt sein sollte, dass man Katzen nicht mit Milch, insbesondere nicht mit Kuhmilch, füttern darf (!!), sollte sämtliches Katzenfutter, das in Deutschland angeboten wird, automatisch ohne Laktose sein. Warum sollte man als Futterhersteller dann extra laktosefreies Futter herstellen? Das hieße im Umkehrschluss ja, dass in den anderen Futtersorten Laktose enthalten ist - ohne auf dem Etikett genannt zu werden!

Fazit: So ein Regal mit "gesünderem Futter" ist ziemlicher bis totaler Blödsinn oder anders ausgedrückt: offensichtlich totale Abzocke.

Zurück zu meinem Einkauf und der Situation vor jenem "gesunden" Regal. Nun gab es dort nur eine einzige Sorte Juniorfutter. In Tüten, ihr kennt die Dinger. Ich hab einen 12-er Pack mitgenommen, um die ersten Tage versorgt zu sein und später in Ruhe weiter zu suchen und online zu bestellen. Ursprünglich sollte ich Stella eine Woche später bekommen, deshalb meine Eile.

Jetzt denkt sich Stella bei jenem Juniorfutter "oh, das riecht aber gut", geht hin und schlabbert nur das Gelee. Was übrig bleibt sind Häppchen, die für die Kleinen viel zu groß sind. Die isst sie nicht. Ist halt ein wirklich kluges Mädchen. Also habe ich ihr die Juniorhäppchen von Whiskas (sorry, aber da muss ich die Marke mal erwähnen, falls jemand ähnliches erlebt) besorgt. Das ist echtes Kittenfutter, die Häppchen maximal halb so groß wie die für erwachsene Katzen und kein Gelee, sondern richtige Soße für den Flüssigkeitshaushalt. Damit kommen wir zum nächsten Problem - das Trinken!

Stella und das geheimnisvolle Wasser

Katzen trinken Wasser - egal wie alt. Katzenmilch wird im Handel angeboten, aber nur, weil wir Menschen denken, Babys brauchen Milch - so bestimmt auch Kitten. Ist nicht so, sie trinken nach der Muttermilch Wasser. Sollten sie ohne Mutter aufwachsen und vom Menschen mit der Hand aufgezogen werden, so wird ihnen eine bestimmte Aufzuchtmilch gegeben, die aber nichts mit Kuh-, Ziegen- oder sonstiger Milch für Menschen zu tun hat. Sie ist, wie die Muttermilch, eine Vollnahrung für die ersten Wochen. Dann trinken auch die Kitten Wasser. 

Stella trinkt beispielsweise nicht wirklich, sondern nippt immer nur kurz an dem Wasser. Angeblich soll ein Trinkbrunnen helfen, doch die sind meistens - wie oben beschrieben - aus Plastik. In so einem Trinkbrunnen fließt das Wasser in einem Kreislauf. Man gibt beispielsweise einen Liter Wasser hinein, stellt die Pumpe an und diese pumpt das Wasser aus dem Tank über eine schräge Fläche. Unten wird das Wasser aufgefangen und in den Tank zurückgeleitet. Die Katze trinkt angeblich lieber aus so einem Brunnen, weil sie dort a) fließendes Wasser hat und b) das Wasser aufnehmen kann, indem sie an der schrägen Fläche schlabbert. Das soll Katzen angenehmer sein als aus Schälchen zu trinken. Mein Kater hat im Garten Regenwasser getrunken. Aus einer großen Terracotta-Schale, aus der auch die Vögel trinken und sogar darin baden. 

Es ist für uns alle, für Katzen insbesondere, wichtig, ausreichend zu trinken. Trinkt die Katze zu wenig, können schnell Probleme mit den Nieren sowie der Blase entstehen. Angefangen bei kleinen Nierensteinen bis hin zur chronischen Niereninsuffizienz. An letzterer sterben die Katzen früher oder später. Wird sie früh erkannt, kann die Katze noch ein paar Jahre mit Diätfutter und spezieller Medikation leben - am Ende stirbt sie dennoch daran.

Deshalb mache ich mir im Moment Gedanken, wie ich unsere kleine Prinzessin zum Trinken bringe. Im Moment ist es einfach. Ich gebe etwas zusätzliches Trinkwasser (bitte nie Mineralwasser nehmen, auch kein stilles Mineralwasser!) - ins Futter. Unser Wasser hier ist nahezu kalkfrei. In Berlin z. B. ist das Leitungswasser sehr kalkhaltig. In diesem Falle sollte es für die Katze im Wasserenthärter entkalkt werden, bevor es dem Tier gegeben wird.

Nun tun sich Katzen zwar meistens schwer mit dem Trinken von Wasser, aber im Garten ist es die Attraktion überhaupt. Unsere Nachbarn haben einen etwas erhöhten Teich mit Fröschen, von dem aus fließt ein kleiner Wasserlauf zu einem tiefer liegenden Teich mit Goldfischen. In jenem ist sogar eine Wasserfontaine. Es plätschert und quakt und sprudelt also nur so - sofern die jeweiligen Pumpen eingeschaltet wurden. Dies und jede Regentonne, jede Gießkanne, jeder Regenguss am Fenster oder sonstiges Wasser, das vielleicht aus der Dachrinne überläuft sind besser als jedes Animationsprogramm für Katzen, insbesondere für unsere Stella. Es soll auch Katzen geben, die das nicht mögen. Doch sobald ich hier den Gartenschlauch mit fließendem Wasser unter die Haselsträucher lege (zur Bewässerung) kommen auch zu uns die Katzen der Nachbarschaft zum Beobachten und sie sehen alle sehr glücklich dabei aus. Theaterprogramm der anderen Art. Vielleicht sollten wir Georg Friedrich Händels Wassermusik dazu spielen.

 

Gewichtskontrolle - auch wenn alles gesund aussieht

Das normale Gewicht für Kitten wird pro Lebenswoche bestimmt und richtet sich auch nach dem Geburtsgewicht. Wenn alles normal verläuft, wiegt ein frisch geborenes Kitten zwischen 80 und 100 Gramm. Alle weiteren Angaben gelten jeweils zum Ende der Lebenswoche:

Ende 1. Woche: 100 bis 120 g

Ende 2. Woche: 200 bis 250 g

Ende 3. Woche: 300 bis 350 g

Ende 4. Woche: 400 bis 450 g

usw. Dabei handelt es sich nur um Richtwerte. Selbstverständlich gibt es hier nicht nur Unterschiede zwischen Katze und Kater, sondern auch Rassenunterschiede. So hat beispielsweise eine Main Coon Katze viel mehr Fell als die normale Hauskatze (EKH) und diese exotischen Nacktkatzen sind ein anderes Extrem. Wie bei allem kommt es also darauf an.

Wichtig ist, dass eine leichte, stetige Gewichtszunahme stattfindet.

Wer keine Küchenwaage hat, kann sich mit dem Tier im Arm auf seine Personenwaage stellen, Gewicht merken, dann Tier absetzen und sich selbst allein wiegen - und rechnen. Gesamtgewicht (Tier und Mensch) abzüglich Gewicht des Menschen sollte nach Adam Riese dem Tiergewicht entsprechen. ;)

Nach dem jeweiligen Körpergewicht richtet sich nun auch die tägliche Futtermenge. Schließlich sollen die Kitten nicht zur Fettleibigkeit erzogen werden. Also bitte Finger weg vom "Päppelfutter" - es sei denn, es wurde ärztlich angeordnet. Ist das Kätzchen gesund, hat es ein natürliches Hunger- und Sättigungsgefühl und wird Futter stehen lassen. Das ist normal und zeigt, dass das Kitten gesund ist. Isst das Katzenbaby wirklich wenig und man hat das Gefühl irgendwas stimmt nicht, sollte man - wie in meinem Falle mit den zu großen Stückchen - das Futter checken und ggf. wechseln.

Für ausgewachsene Katzen gilt eine Futtermenge von 50 Gramm Nassfutter pro kg Körpergewicht. Ein Kater von 6,2 kg, wie mein Stellan, isst also täglich etwas über 300 Gramm und isst nur so viel, wie er benötigt, wenn er als Kitten rund um die Uhr Zugang zu seinem Futter hatte.

Kitten brauchen 24 Stunden lang Zugang zu ihrem Futter, das idealerweise Nassfutter sein sollte, wegen der erwähnten Zusatzstoffe. Der Magen eines jungen Kitten ist am Anfang so groß wie ein Daumennagel. Da ist die Nahrung/Energie beim Toben schnell aufgebraucht. 

In diesem Sinne werde ich jetzt mal das Mittagessen für alle vorbereiten. Ich habe den Artikel vor zwei Tagen begonnen und daher wog unsere Prinzessin Stella wog heute früh schon ca. 1000 Gramm. Sie blieb leider nie still sitzen, deshalb schwankte es zwischen 980 und 1020. Also auf geht's: Buon appetito für alle!

Lili, am 29.06.2019
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Bildquelle:
Foto privat © Elisabeth Meier (Ein Kätzchen zieht ein und wird Prinzessin (Stella Teil 1))
Foto: privat © E. Meier (Die Prinzessin ist eingezogen (Stella Teil 2))
Foto: privat © E. Meier (Die Katzenprinzessin und die klugen Tipps für Kitten (Stella Teil 3))

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