Wie regional darf oder muss ein Regionalkrimi sein?

Die Frage stellt man sich bei der Lektüre von David Daniels "Herzblut". Vielleicht mögen Düsseldorfs Bewohner mehr regionalen Bezug erkennen als ihn der Rezensent gesehen hat. Es werden Straßennamen, Buslinien und Stadtviertel genannt. Auch der Tatort, die Rheinterassen, ist in Düsseldorf und dennoch hätte die Geschichte auch irgendwo in einer anderen Stadt spielen können. Es fragt sich, warum dieser Eindruck, trotz der Ortskenntnis des Autors entsteht. Es ist zu vermuten, dass die Figuren, die in dem Roman auftauchen, wenig Eigenheiten haben. Viele Regionalkrimis leben von den Macken der "Ureinwohner" der Region, in der sie angesiedelt sind. Dieser humorvolle Blick fehlt in dem Roman, was sicher manchen Leserinnen und Lesern auch gefallen wird, weil die Darstellung der Landbevölkerung als halbverblödete Deppen, wie man es aus vielen Regionalkrimis in ländlichen Regionen kennt, durchaus auch auf die Nerven gehen kann.

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Herzrasen
Herzblut: Kriminalroman aus Düsseldorf

Inhalt des Romans - Ein Vampirmörder geht um in Düsseldorf

An den Rheinterassen wird die Leiche einer jungen Frau, Melanie Langener, wird gefunden. Sie hat Bissspuren und ist, wie zu einem Ritualmord, aufgebahrt. Spuren sind keine zu finden, sonst würde das ja zu einem Gerichtsmediziner-Krimi werden.

Die Ermittlungen übernehmen Lohmeier und Menz. Das ist Handlungsstrang Nummer eins.

Daneben erleben wir noch eine Art "film noir" in Düsseldorf. Ein abgehalfterter Privatdetektiv und Ex-Knacki (wegen Kunstfälschung) wacht neben einer schönen jungen Frau, Bettina auf. Später bekommt er noch Besuch von einer geheimnisvollen aber reichen Frau, die ihn um Hilfe im Bereich Kunstfälschung beauftragt. Das ist Handlungsstrang Nummer zwei.

Der erfahrene Krimileser wird sich denken, dass das alles miteinander zusammenhängt und so kommt es dann am Ende auch heraus. Dazwischen erscheint dann einmal einmal die Frau im Bett des Detektiven als Hauptverdächtige. Bettina wird ebenfalls ermordet, hat Bissspuren und wir kommen zu dem Punkt, an dem der Detektiv selbst zum Verdächtigen wird und - ganz entgegen dem deutschen Rechtssystem, wohl vom amerikanischen Fernsehfilmen beeinflusst - meint seine Unschuld beweisen zu müssen.

Achtung SPOILER!

Wir sind es schon aus dem Fernsehen gewohnt, dass die Motive, wegen denen jemand einen Mord begeht, sich für Menschen mit normalen Rechtsempfinden meist im Bereich des Trivialen bewegen. Deshalb sind die irren Serienkiller auch so beliebt, denn deren Motive braucht man nicht zu hinterfragen, weil sie sind ja geistesgestört und hatten eine schwierige gewaltbeeinflusste Kindheit.

In David Daniels "Herzblut" ist es aber überhaupt kein Serienkiller, sondern die geheimnisvolle Dame, die ihn in der Kunstsache beauftragt hat.

Aha - so hängen die Handlungsstränge zusammen.

Die ist nämlich die Stiefmutter von Bettina und es droht, dass sie kein Geld mehr hat, wenn Bettina 19 Jahre alt wird. Da muss dann vorher etwas unternommen werden. Damit das aber nicht auffällt, erfindet die Dame ein Serienkiller, den Vampirmörder, der dann eben vorher schon einmal die Melanie Langener umbringt. Dann ist Bettina nicht so auffällig und das zweite Opfer. Die Stiefmutter hat Bettina von Rolf Wosebiski beschatten lassen und es bot sich dann an, alles so aussehen zu lassen, dass der Privatdetektiv Alexander Herz der Vampirmörder ist. Es droht dann, dass der aber auspackt und plaudert, dass die Stiefmutter Bettina umgebracht hat, weshalb er als Zeuge beseitigt werden muss. Es werden also um eine Stieftochter umzubringen noch zwei weitere Menschen umgebracht.

Motiv der Stiefmutter ist, dass sie das Geld des verstorbenen (von ihr übrigens auch ermordeten) Gatten behalten möchte. Um das zu behalten, hat sie dann schon einmal ziemlich viel Geld in den Privatdetektiv investiert und musste dazu auch noch vor dem Mordopfer, um das es ihr wirklich ging, noch perfekt und spurenfrei ein anderes Mädchen, nämlich Melanie Langener, umbringen. Den Leser beschleicht das Gefühl, dass sie das vielleicht einfacher hätte haben können. Das Geld braucht die Stiefmutter aber auch dafür, dass ihr leibliches Kind mit dem verstorbenen Gatten erkrankt ist und in den USA teuer behandelt werden muss. Das könnte sie natürlich auch noch machen so lange sie Zugriff auf das Geld hat (bevor Bettina also 19 wird). Daneben hat das leibliche Kind nach deutschen Recht auch noch - selbst wenn es vom Gatten enterbt worden sein sollte - einen Anspruch auf den Pflichtteil. Aber so vernünftig darf man die Motive der Mörderin wohl nicht hinterfragen. Das Geld wäre vielleicht besser in einen Anwalt investiert gewesen, anstatt in den Privatdetektiv und den ganzen Aufwand einen Serienmörder zu erfinden.

Kritik - Bedingt spannend

Bei den meisten Krimis kann man, wenn man sie gelesen hat, Schwachpunkte vor allem in den Motiven der Täter finden. Insofern sticht David Daniels "Herzblut" Roman nicht negativ heraus (aber auch nicht positiv). Was stört ist der ständige Perspektivewechsel, der es dem Leser schwer macht, in den Roman einzutauchen. Die verschiedenen Sichtweisen (nur die Hauptperspektiven) sind:

  • Der Privatdetektiv Alexander Herz - Ich Erzähler
  • Der Kommissar
  • Der Detektiv Rolf Wosebiski

Die einzelnen Abschnitte sind manchmal nur zwei Seiten lang. Es dauert vielleicht zwei Drittel des Buches bis man bemerkt, dass wohl der Ich-Erzähler, also der Privatdetektiv Alexander Herz, die Hauptfigur sein soll. Man kann sich mit keiner der Figuren identifizieren, weshalb die Geschichte einem auch ziemlich egal ist.

Fazit:

Lesbar und für Menschen mit einem Bezug zu Düsseldorf als Geschenk geeignet. Insgesamt gibt es aber spannendere Regionalkrimis.

Rabe, am 26.12.2012
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Bildquelle:
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Autor seit 6 Jahren
33 Seiten
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