Caroline Regnard-Mayer: Frauenpower trotz MS

Klare Antworten

Multiple Sklerose, kurz MS, ist auch bekannt unter der Bezeichnung "die Krankheit mit den tausend Gesichtern". Damit ist nichts anderes gemeint, als dass sich diese Erkrankung bei jedem Betroffenen anders äußern wird.

Aber auch, wie ich jetzt hinzufügen möchte, dass sich jeder Betroffene mit dieser Erkrankung anders zu arrangieren versuchen wird. Im Grunde hat jede MS so ihre ganz eigenen Erlebnisse, die sie dem jeweiligen Betroffenen bieten wird. Auch gibt es mittlerweile doch eine Reihe von Therapien – für eine genauere Auseinandersetzung mit diesen bitte ich, selber zu recherchieren, auch auf dem Blog von Caroline, den ich noch anführen werde. Im Falle des selbst Betroffen seins würde ich persönlich aber ehrlich gesagt den behandelnden Arzt genauestens befragen, denn er ist im konkreten Fall wohl der beste Ansprechpartner mit dem nötigen Wissen und der nötigen Erfahrung.

 

Klare Antworten sucht man bei vielen Dingen im Leben lange oder auch vergeblich.

Bei Multiple Sklerose sieht es keineswegs anders aus.

Aber fest steht: nicht jeder Betroffene "landet irgendwann im Rollstuhl" (selbst wenn gibt es aber Schlimmeres), nicht jeder Beroffene "braucht irgendwann einen Rollator oder Stöcke" (siehe meine Antwort in der vorigen Klammer) und JA, man kann an MS sterben. Dies passiert aber nur mehr vergleichsweise wenigen Menschen im Gegensatz zu früheren Zeiten, wo schon die Diagnose selber sehr schwierig war. Vor Jahrzehnten musste man schon eine sehr schwere Form der MS haben, um dann tatsächlich daran zu sterben. Allerdings kann man durchaus sagen, heute zumindest noch...sterben MS-Kranke MIT ihrer Diagnose MS. Vorerst wenigstens noch.

Das Buch "Frauenpower trotz MS"

...finde ich äußerst empfehlenswert, denn es erzählt sehr ehrlich und auch recht schonungslos Carolines Lebensgeschichte mit dieser Erkrankung, welche sie scheinbar aus heiterem Himmel "mitten im Leben" getroffen hat. Allein mit zwei Kindern wünscht man sich wohl anderes als vom Arzt mitgeteilt zu bekommen, dass man eine unheilbare Krankheit hat. Für mich unfassbar: Carolines Beschreibung, dass sie ihre Diagnose zeitgleich mit einer anderen Betroffenen im gemeinsamen Krankenzimmer erfahren hat. Diesen Punkt allein finde ich ja schon schockierend, auch wenn sie selber schreibt, dass sie mit dieser Leidensgenossin heute eine Freundschaft verbindet.

Sie beschreibt hervorragend, wie sich daraufhin ihr bisheriger Alltag "erledigt hat". Wenige ihrer Erfahrungen kenne ich selber in dieser teils extremen beziehungsweise gnadenlosen Form, dafür habe ich manche andere, welche bei ihr so nicht vorkommen – aber unsere Leben unterscheiden sich ja auch, und dasselbe kann man auch von MS sagen: jede/r erlebt sie anders. Bei jedem kann sie ganz anders verlaufen... Und selbst bei Therapien ist es so, dass sie wohl jeder anders erleben wird, und auch die Wirkung dürfte durchaus variieren.

Caroline beschreibt in diesem Punkt manches, was mich persönlich bestürzt gemacht hat. Kortison würde ich beispielsweise nie nehmen. Da ich keine Ärztin bin, kann ich aber nicht sagen, weshalb sie so viele andere Therapien ausprobieren musste und offenbar auch keine von diesen wirklich super geholfen hat. Ihre Erfahrungen mit Kortison aber hat mir eine andere Frau in nahezu derselben Form "bestätigt" (sie wusste nicht, dass ich knapp zwei Wochen zuvor "ihre Erfahrungen" in Carolines Buch gelesen habe...).

Empfehlenswert auch für die "nicht Betroffenen"

Ihr Buch ist meiner Ansicht nach auch für die Angehörigen von Erkrankten sehr interessant. Caroline schreibt in einer wunderbaren, deutlichen Sprache und spricht auch Themen an, die "nicht Betroffene" sich meist eher nicht zu fragen trauen werden. (Ich würde ihnen auch nicht raten, bei Betroffenen direkt nachzufragen – diese Vorgehensweise ist meist nicht so recht willkommen, jedenfalls nicht zu Anfang dieser Diagnose)

Allerdings sollte man sich vor Augen halten, dass jeder seine MS anders erlebt – vielleicht auch je nach Schwere, oder je nach den Symptomen, die einen "beschäftigen".

Selber Betroffenen empfehle ich, beim Lesen dieses Buchs nicht in Panik zu verfallen. Es ist natürlich tröstlich, zu lesen, wie es anderen gehen kann, wenn sie "auch MS" haben. Allerdings sollte man sich vor Augen halten – Stichwort die Krankheit mit den 1000 Gesichtern – dass das Erleben von MS so unterschiedlich sein kann wie die jeweiligen Verläufe. Caroline erzählt sehr ehrlich und auch mit einem sehr guten Hintergrundwissen, und beides ist mit Sicherheit auch für andere sehr hilfreich, denn sie wissen so, dass sie nicht allein damit sind.

Allerdings muss ich ihr leider in einem Punkt widersprechen: "kämpfen" im Sinne, dass man sich von dieser Krankheit nicht "widerspruchsfrei wegbügeln lassen will" sollte man meiner Ansicht nach schon. Jedoch bin ich der Ansicht, dass dies jeder Betroffene mit sich selbst ausmachen muss. Denn: Wie mein jeweiliger Weg aussieht, muss ich selbst für mich entscheiden.

Wo sie allerdings ganz sicher recht hat: wenn man an dem Punkt angelangt ist (falls), an dem man sieht, jede Art von Kampf oder Widerstand ist offenbar zwecklos...sollte man wirklich besser aufgeben und lieber überlegen, wie man das Leben langfristig angelegt besser weiterführen kann. "Leben mit MS" sollte ja kein ewig andauerndes Schlachtfeld sein.

 

Links zu Caroline

Interessant ist sicher auch ihr Blog: http://caroregm.blogspot.co.at/

Mehr über die Autorin und ihre Veröffentlichungen ist unter anderem hier zu finden: https://www.frauenpowertrotzms.com/

 

 

Autor seit 4 Jahren
99 Seiten
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