Der Framing Effekt - Wie uns Sprache manipuliert

Die Formulierung eines Problems oder einer Situation beeinflusst unsere Wahrnehmung der Situation. Etwas kann bewusst positiv oder bewusst negativ formuliert werden. Die Formulierung kann einzelne Aspekte in den Vordergrund stellen und betonen, ohne die Unwahrheit zu sagen. Da Entscheidungen häufig schnell und unter unvollständigen Informationen getroffen werden müssen, erliegen wir der Manipulation. Die Art und Weise wie etwas an uns herangetragen wird, beeinflusst unsere Situationseinschätzung. Wir bemerken die unterschwelligen Betonungen nicht und agieren auf der Basis eines subjektiv verzerrten Bilds der Wirklichkeit. Selbst wenn die Sprache objektiv sein soll, gelingt es doch nie wirklich die ganze Wahrheit ohne Beeinflussung darzustellen. Bereits die gewählten Worte und die Satzstellung kann die Objektivität verzerren. Denn die Wahrheit ist kompliziert und übersteigt sowohl unseren eigenen Verstand wie auch die begrenzten Möglichkeiten, die verbale Sprache uns mitgibt.

 

Ein berühmtes Beispiel des Framing-Effekts entwickelte 1995 Diekmann.
Hier wird eine abgewandelte Version vorgestellt.

 

Die Hasengrippe:

Stellen Sie sich vor eine schwere Epidemie, nennen wir die Krankheit die Hasengrippe, ergreift ein ganzes Dorf mit all seinen 600 Einwohnern und droht das Dorf bis zum letzten Mann auszurotten. Sie sind Bürgermeister der Stadt und konsultieren den Rat eines angesehenen Mediziners und Wissenschaftlers. Er hat zwei experimentelle Behandlungsmethoden entwickelt und stellt Ihnen beide vor. Sie müssen eine Auswahl treffen, welche der beiden Methoden gewählt werden soll. Sie können nur eine wählen.Der Mediziner erklärt Ihnen die Auswirkungen der beiden Methoden folgendermaßen:

 

Methode 1: "Behandlungsmethode 1 besteht aus einem biologischen Wirkstoff. Setzen wir sie ein können wir 200 Personen retten"

Methode 2: "Behandlungsmethode 2 besteht aus einem chemischen Wirkstoff. Setzen wir sie ein müssen mit einer Wahrscheinlichkeit von 66% alle sterben, mit 33% werden 600 leben."

 

Welche Wahl treffen Sie?

Welche Behandlungsmethode wählen Sie?

Hätte sich ihre Wahl verändert, wenn sie folgendes gehört hätten?:

Behandlungsmethode 1: "Setzen wir sie ein müssen 400 Menschen sterben"

Behandlungsmethode 2: "Setzen wir sie ein muss mit einer Wahrscheinlichkeit von 1/3 nicht ein einziger sterben, mit einer Wahrscheinlichkeit von 2/3 sterben 600"

 

Mathematisch gesehen sind beide Behandlungsmethoden jedoch gleich.
Denn (1/3) * 600 = 200
(2/3) * 600 = 400
Dennoch werden sie von den meisten Menschen unterschiedlich wahrgenommen.
Die meisten Menschen bevorzugen ein sicheres gegenüber einem unsicheren Ergebnis.
Jedoch bekommt man bei groß angelegten Umfragen unterschiedliche Ergebnisse, je nachdem wie die Antwort des Mediziners formuliert wurde: Wird betont, dass mit Sicherheit 200 Menschen leben oder mit Sicherheit 400 Menschen sterben?

 

Das Ellsberg Paradoxon - Wie Unsicherheit meine Entscheidung beeinflusst

Stellen Sie sich ein Glücksspiel vor, in der aus einer Urne mit bunten Bällen ein Ball gezogen wird und über Ihr Glück entscheidet:

 

In der Urne sind 90 Bälle, 30 davon sind rot und 60 sind entweder gelb oder schwarz.
Sie wissen aber nicht wie viele der 60 verbleibenden Kugeln gelb sind und wie viele schwarz.

 

Situation 1: Auf was wetten Sie?
Situation 2: Auf was wetten Sie?

Bei dem beschriebenen Glückspiel gibt es keine richtige oder falsche Entscheidung. Wir kennen die Verteilung von schwarzen und gelben Bällen nicht.

 

Jedoch müsste eigentlich jeder bei Situation 1 und Situation 2 dieselbe Entscheidung treffen.

Denn bei Situation 2 wird sowohl bei A wie auch bei B Schwarz als Gewinnmöglichkeit hinzugefügt. Schwarz gewinnt auf jeden Fall, egal ob man A oder B wählt. Situation 2 lässt sich also wieder auf das Glücksspiel "Rot vs. Gelb" zurückführen. Dennoch zeigen Studien, dass viele Menschen bei Situation 2 etwas anderes wählen als bei Situation 1.

 

Fazit

Der Mensch trifft Entscheidungen häufig nicht aus rational durchdachten Überlegungen sondern aus dem Bauch heraus. Seine Entscheidungen sind nicht immer in sich konsistent. Einmal trifft er jene Entscheidung, ein anderes Mal trifft er eine ganz andere Entscheidung. Der Mensch lässt sich durch Sprache und seine Sinne verführen. Häufig fehlt ihm sogar die Fähigkeit eine Frage richtig beantworten zu können, weil er nicht intelligent oder schlau genug ist oder genug Zeit hatte darüber nachzudenken. Soziale Normen, sein Gerechtigkeitsempfinden, Freundschaft, Liebe oder der  Sexualtrieb beeinflussen sein Handeln. Er kann nur eine beschränkte Menge an Informationen aufnehmen und verarbeiten. Seine Sinne und Persönlichkeit verzerren außerdem die Art und Weise wie er die Informationen verarbeitet.

 

All das führt zu fehlerhaften Risikoeinschätzungen. Weil ein Flugzeugabsturz oder die Schweinegrippe wochenlang im Fernsehen thematisiert werden und der Verkehrsunfall auf der Autobahn um die Ecke nur auf Seite 10 der Tageszeitung landet, wird der Flugzeugabsturz als die größere Bedrohung wahrgenommen. Weil der Arzt die Überlebenschancen des einen Medikaments betont und die Risiken des anderen, wählt man das Medikament, das positiv dargestellt wurde. Weil man unter Unsicherheit entscheiden muss, sieht man Unterschiede wo keine sind, oder übersieht Unterschiede wo man hätte unterscheiden müssen. Es werden Wahrscheinlichkeiten falsch eingeschätzt und ein in sich irrationales oder inkonsistentes Verhalten an den Tag gelegt...

Autor seit 4 Jahren
13 Seiten
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