Ist der English Cottage Garden wirklich völlig durcheinander?

Nein. Ein englischer Cottage Garten wirkt wirr und unübersichtlich, so als würde alles kreuz und quer und ohne Planung durcheinander wachsen. Dicht nebeneinander ist richtig, aber mit System. Ein "Cottage Garden" wird sehr sorgfältig geplant. Am besten beginnt ihr mit der Planung der Bereiche auf einem Blatt Papier.

Stehen auf Eurer to-do-Liste für die Gartenplanung vielleicht der Vorgarten, die Beete entlang des Hauses, Inselbeete inmitten der Rasenfläche, die Ecke für Kräuter und Gemüse, die Rasenflächen, ein Schuppen, ein Gewächshaus, Vogelbecken, Vogelhäuser und jede Menge Sitzmöglichkeiten, Kunstelemente und vielleicht ein Teich? Nicht jeder Cottage Garten hat all diese Dinge, aber beinahe - und Ihr müsst nicht alles auf einmal schaffen, der Weg ist das Ziel und das Tun macht Spaß. Wenn der Garten schnell perfekt ist, ist der Gärtner nicht glücklich, denn dann braucht es ein neues Projekt. Und ein Garten ist nie perfekt, denn der Gärtner lernt in jedem neuen Gartenjahr dazu. Die Rosen fühlen sich vielleicht an ihrem Standort nicht wohl oder das Gemüsebeet braucht mehr Platz, um die Selbstversorgung zu optimieren. Die Natur ist - wie das Leben selbst - ständig im Wandel. Also plant der kluge Gärtner - und bleibt dennoch flexibel. Hilfreich ist die Visualisierung, bevor Ihr mit dem Umgraben beginnt. Also greift zu Stift und NOTIZBUCH, um alles zu planen und die Ideen festzuhalten. Eure Ideen und Skizzen könnt Ihr dort immer wieder nachschlagen - und angleichen. Auch die gewünschten Stauden, Sträucher und das Gemüse habt Ihr so notiert. Es muss ja nicht alles im ersten Jahr gepflanzt werden - und auf diese Weise könnt Ihr die notierten Ideen später wieder aufgreifen.

Zeichnet Euch einen groben Grundriss des Gartens oder nutzt ein Computerprogramm, mit dem ihr die Maße gleich alle eintragen könnt. Dann unterteilt Ihr Euren Garten in die Bereiche, die Ihr haben möchtet. Nicht jeder will Gemüsebeete und nicht jeder einen Gartenteich - also listet auf, was Euch wichtig ist und überlegt, wo vielleicht noch eine kleine verwunschene Sitzecke hinpasst oder ob Ihr direkt aus der Küche auf eine kleine Frühstücksecke im Garten gelangt, die von blühenden Kräutern umrandet ist.

Sobald die Gartenfläche in Bereiche unterteilt ist, könnt ihr festlegen wo die Wege verlaufen sollen, wie groß die einzelnen Beetflächen werden und wo ihr Schutz und Ruhe haben wollt. Plant Sichtachsen. Am Ende eines Weges oder einer Blickrichtung zwischen den Sträuchern hindurch sollte etwas stehen, damit der Blick ein Ziel hat, also einen "Blickfang" im wahrsten Sinne des Wortes. Das kann eine Statue sein, ein schönes Vogelbecken, eine Gartenbank, ein großer Kübel mit einer interessanten, hübschen Pflanze... - der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. 

Der zauberhafte Cottagegarten in der TV-Serie Downton Abbey

(Bildquelle Internet, unbekannt)

 

Rosen als Entrée

Ein zauberhafter Garten zieht Besucher meistens bereits mit einem verwunschenen Eingang an. Ein schmiedeeisernes Gartentor - durch das man hie und da einen Blick auf den Garten erhaschen kann - umrankt von einem Bogen aus Rosen. 

Für diese Bögen eignen sich Ramblerrosen am besten, denn diese Kletterrosensorten wachsen schnell und ihre kleinen Blüten blühen üppig, bei manchen Sorten sogar zweimal im Gartenjahr. Die Ramblerrosen haben zudem die Eigenschaft schnell zu wachsen und Spaliere, Bogengänge und alte Bäume mit ihrer Blütenpracht zu erobern. Das Ergebnis ist jedes Mal ein sehenswertes Erlebnis. Gärten sind überhaupt dann am schönsten, wenn sie üppig sind, dicht bewachsen und überfließen vor Blüten, Farben und Düften. Schon allein deshalb gehören Rosen unbedingt in jeden englischen Cottage Garten.

Wer den Eingang zu seinem Garten bereits derart überwältigend gestaltet, weckt natürlich auch Erwartungen des Besuchers an den Rest des Gartens. Hier einfach wild durcheinander zu pflanzen wird diesen Erwartungen nicht gerecht. Oftmals passen die Stauden nicht nebeneinander, nehmen sich gegenseitig das Licht weg oder sie wirken nicht nebeneinander, weil sie sich zu ähnlich sind - ein English Cottage Garden wurde niemals einfach wahllos angelegt. Wenn doch, dann wurden später permanent Korrekturen durchgeführt, Pflanzen umgesetzt, Pflanzen ersetzt, ergänzt oder sogar entsorgt. Dabei können die Pflanzen gar nichts dafür. Das Problem ist immer der Mensch. Dies gilt besonders für die Rosen. 

Das Entree aus Rosen - optimal umgesetzt 

(Bild: Daniel Stricker / pixelio)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Bereich für Kräuter und Gemüse - oder einfach ein Gemüsegarten mit Rosen

Eine Ecke für das Kräuterbeet oder ein Kräuterrad, vielleicht eine Kräuterschnecke. Ein Bereich für das Gemüse, das im Nachbarbeet wachsen kann, jeweils getrennt durch eine Umrandung. Die Umrandung kann aus Feld- oder Felsensteinen bestehen, gemauert oder aus Pflanzen wie Bux (auch Buchs) gewachsen sein. Die Umrandung ist wichtig, weil sie Gemüse und Kräuter vor starkem Wind schützt.

Es ist richtig, dass im Kräuter- und Gemüsebeet auch Lavendel blüht. Der Lavendel ist eine Schutzpflanze, die Schädlinge vertreibt und durch ihren Wuchs auch ein wenig Schatten spendet. Wo Lavendel ist, fühlen sich auch Rosen wohl, sodass gern auch - je nach Beetgröße - ein Rosenstrauch als Hingucker in die Mitte gepflanzt wird. Die stolze Königin der Blumen wertet mit ihrer Blütenpracht auch ein schlichtes Kräuterbeet auf und wird zum Anziehungspunkt - nicht nur für Besucher, sondern auch für die Insekten. Doch nicht nur das, denn das so entstehende Duftpotpourri ist in jedem Fall perfekt und lädt zum Verweilen ein. Eine kleine Bank in der Nähe eines solchen Kräuterbeets wird zum Sitzplatz für Genießer.

Rosen als Kübelpflanze im Gemüsebeet - vor einer wärmenden Mauer

(Bildquelle: Internet, unbekannt)

Rosen werden eher selten als Kübelpflanzen genutzt. Im Gemüsebeet sorgt ein blühender Rosenstock jedoch für einen zusätzlichen Anziehungspunkt für alle Insekten und er ist gleichzeitig ein farbenfroher Hingucker. Wer keinen Winterplatz für Kübelpflanzen hat, kann die Rosen für die kalte Jahreszeit einfach ins abgeerntete Gemüsebeet umpflanzen und zum Schutz schön anhäufeln. Im folgenden Frühjahr werden die Rosen zurück in den Kübel gesetzt. Nicht vergessen, die Wurzeln zu kürzen, damit auch diese in der warmen Jahreszeit dichter werden und die Pflanze besser ernähren können!

 

 

Ein Friesenwall sieht mit Rosen besonders schön aus

Rosen lieben es sonnig und warm. Dennoch ist ein Sonnenbeet allein nicht der richtige Standort für einen Rosenstock. Ihr kennt es aus den deutschen sogenannten "Bauerngärten", die in der Regel so gar nichts mit dem englischen Cottage Garten gemeinsam haben. Da werden Rosen in ein Beet entlang eines Weges gepflanzt und jeden Herbst fast ganz heruntergeschnitten. In jedem Sommer jammert der Rosenbesitzer, dass seine Rosen so kahl aussehen und das erträumte Rosenbeet so gar nicht seinen Vorstellungen entspricht. Der vor die Rosen gepflanzte Lavendel rettet den Eindruck auch nicht. Warum nicht?

Rosen brauchen es warm - aber eben nicht nur bei Sonnenschein. Genauso wichtig ist die Wärme über Nacht und an grauen Tagen. Was machen also die Engländer anders?

Sie setzten die Rosen vor eine Hauswand, pflanzen beispielsweise hoch wachsendes Schleierkraut dazwischen und den noch höher wachsenden Sonnenhut dahinter, Rittersporn und Lavendel dazu und zusätzlich Lavendel an die vordere Beetkante entlang des Weges. Die Hauswand, egal ob sie aus Holz oder Stein ist, speichert die Wärme und gibt sie in der Nacht wieder ab. An noch verbleibende kahle Stellen im Beet passen zudem Feldsteine, die die Sonnenwärme ebenfalls speichern und über Nacht damit die Rosen wärmen. Auf diese Weise wirkt ein Rosenbeet im englischen Cottage Garten völlig durcheinander - doch dieses scheinbare Chaos hat System und fördert üppiges Blütenwachstum. Wenn der Sonnenhut vor der Hauswand nun noch mit einer Kletterrose an der Wand harmoniert, ist das erste Beet im Cottage Garten perfekt.

Eine Natursteinauer im Garten kann sowohl als Gartengrenze als auch als Besteinfassung oder zum Abtrennen einzelner Bereiche sehr dekorativ sein. Die robusten Feldsteine bilden zudem einen wunderschönen Kontrast in Farbe und Form zu den zierlichen Rosen. In Norddeutschland nennt man so eine Feldsteinauer auch "Friesenwall". Diese Mauern entstanden in den Marschgebieten Frieslands, wo es kaum anderes Material für Begrenzungen gab.

Ich habe einen Bekannten, der mich bat, für seinen Garten ein Staudenbeet zu entwerfen. Er jammerte über seine Rosen, wie ich es oben beschrieb, und wollte sie wegwerfen, weil sie seiner Ansicht nach nichts taugen. Ich danke dem Universum, dass er sie mir überlassen hat, weil ich das Wegwerfen von Pflanzen nicht leiden kann. Nun habe ich in meinem Cottage Garten, der noch im Entstehen ist, 11 Rosenpflanzen, die sich innerhalb einer Woche unglaublich entwickelt haben und sich richtig wohlfühlen. Woran liegt das? Bei mir stehen sie inmitten anderer Pflanzen, die jetzt im März noch recht kahlen Stengel sind zum Teil verdeckt und fallen nicht so auf. Zudem stehen die Rosen vor Findlingen oder entlang einer Hauswand, die nachts die tagsüber gespeicherte Wärme wieder abgibt. Gewusst wie... das Leben ist einfach, wenn man alles mit Liebe tut und behandelt.

 

Die Königin der Blumen im Friesenwall

(Bildquelle: Internet, unbekannt)

Die Sanftheit der rosa blühenden, weichen Blüten bildet einen schönen Kontrast zu den grauen und rauhen Findlingen, die den Friesenwall bilden. Die Kombination bietet gleichzeitig einen wunderschönen Sichtschutz und Blickfang.

 

 

 

 

 

 

 

 

Rosen in ein Inselbeet pflanzen

Inselbeete sind Beete, die von der Rasenfläche oder vom Gartenweg komplett umschlossen werden. Man kann um sie herum gehen. Inselbeete liegen dadurch sehr frei und sind Wind und Wetter stärker ausgesetzt. Dieser eher ungeschützte Raum gilt daher für Rosen als ungeeignet. Doch mit wenigen Hilfsmitteln blühen und gedeihen eure Rosen auch in einem Inselbeet. 

(Bildquelle: Internet / unbekannt)

Um die Rosen zu schützen und den Gesamteindruck des Inselbeetes üppig werden zu lassen, werden die Rosen in die Mitte des Beetes gepflanzt. Zum Schutz vor Schädlingen setzt ihr ein paar Lavendelpflanzen dazwischen. Ebenso gehört neben jede Rosenpflanze ein großer Feldstein, der für sie die Wärme der Sonne speichert und über Nacht abgibt. Ihr könnt auch einen Kreis an Findlingen in dem Inselbeet um die Rosen legen und um dieses Ensemble herum könnt ihr nun alle Stauden pflanzen, die euch gefallen. Deren Wachshöhe sollte etwas niedriger sein als die der Rosen. Auf diese Weise thronen die Rosenblüten im Sommer königlich über den Staudenblüten und das Inselbeet entfaltet seinen wunderschönem Überfluss an Farben, Blüten, Formen und Düften und erfreut jeden Lustwandler in eurem Englischen Cottage Garden.

Damit das Inselbeet nicht ausufert, sollte es eine Eingrenzung in Form einer kleinen Hecke erhalten. Dafür eignen sich Bux- (Buchs-) oder Ligusterpflanzen. Die Hecke hält nicht nur die Pflanzen im Zaum, sie stützt auch und bietet weiteren Schutz vor Wind und Wetter. Dieser ist nötig, da das Inselbeet andernfalls in allen Richtungen frei läge.

Dekorationselemente wie ein Rank-Obelisk oder eine höher gestellte Statue betonen das Beet.

Eine Variante zur Bepflanzung eines Inselbeetes mit Rosen ergibt sich, wenn ihr in die Mitte des Inselbeetes einen Baum pflanzt, der mit seinen Zweigen in späteren Jahren das Beet überdacht.

Auf diese Weise können dort auch Stauden überleben, die den Halbschatten bevorzugen. 

Betty, am 04.04.2017
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Bildquelle:
© Kurt F. Domik / pixelio (Sommerträume im Schatten der Rose)
Rosmarin auf Mallorca (Der Tau des Meeres ist eine Pflanze)
twinlili/pixelio.de (Kreativer werden und mehr daraus machen)

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