Falsche Körperwahrnehmung – Magersucht

Falsche Körperwahrnehmung – Magersucht (Bild: Pixabay / Franjo)

London Fashion Week – Catwalk der Essstörungen

Auf dem Catwalk herrscht noch immer Magersucht

Während die Modewelt in Italien, Spanien oder auch Australien die Magermodels vom Laufsteg verbannt haben und Models laufen, die natürlich schlank sind, konnten sich bedauerlicherweise andere Länder nicht dazu durchringen, obwohl es ganz sicher ein Einfaches wäre, auf diese Weise der "Modekrankheit" Magersucht und den Essstörungen wenigstens ein wenig Einhalt zu gebieten. England etwa, kennt diese Regelung nicht und setzt weiterhin anstatt auf Models die schlank sind auf spindeldürre Magermodels, an denen die Kleidung angeblich besser bei der Präsentation wirkt! Bei der London Fashion Week 2011 liefen dann auch fast ausschließlich Models die, positiv ausgedrückt, super schlank waren über den Laufsteg und das, obwohl bereits im Jahre 2007 speziell eine Kommission gegründet wurde, um die Gesundheit der bei der London Fashion Week mitlaufenden Models ärztlich zu untersuchen. Nur wer den Richtlinien entspricht und keinen Verdacht auf Magersucht und Essstörungen weckt, darf demnach mitlaufen – schlank aber gesund.

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Hierfür müssen die Models u.a. ein ärztliches Attest vorlegen, was aber augenscheinlich viel zu einfach zu erhalten ist und in Wirklichkeit praktisch keinerlei Auswirkungen auf den Schlankheitswahn hat. Wo man hinschaute Models die nicht nur schlank sind, sondern überall staksten dünne Beine ohne jede weibliche Rundung über den Laufsteg, blitzten Rippen unter dem oft spärlichen Textil hervor und die Hüften bzw. Beckenknochen zeichneten sich bei nahezu allen Models sehr deutlich sichtbar ab. Das Schlimme dabei ist, dass viele dieser Magermodels in der Modelszene noch immer als große Stars gefeiert werden und diese ausgemergelten Körper somit nach wie vor als Idealbild, insbesondere für junge Frauen und Mädchen gelten, die damit den Begriff "schlank" verwechseln. Doch offensichtlich sind es nicht nur die Modemacher, die dieses Körperbild fordern und damit fördern, sondern auch der Markt, der diesem anhaltenden Trend nichts entgegenzusetzen hat.

So soll es gemäß einer englischen Tageszeitung vorgekommen sein, dass ein Designer seine Kleidung sogar den Models entsprechend anpassen, sprich enger nähen musste. Streng genommen heißt dies nichts anderes als Mode nicht für Frauen die schlank sind geschweige denn für fülligere Damen, sondern Mode für Magersüchtige und Konsumentinnen mit Essstörungen – ein höchst bedenklicher Umstand!

Schlank sein: Schönheitsideal oder Krankheit

"Schönheit" ebnet den Weg zu Magersucht, Bulimie und Essstörungen

Die Sensibilisierung hinsichtlich der mageren Models ist, zumindest in Deutschland, deutlich größer geworden als noch vor Jahren. Entsprechend häufig müssen sich Models die auffällig schlank sind auf ihre Figur und damit verbunden auf ihre Essgewohnheiten von Journalisten und Reportern ansprechen lassen. Doch geradezu reflexartig bekommt man von den Models zu hören, dass sie völlig normal essen und auch auf Süßigkeiten etc. nicht verzichten.

Doch dass dies nicht immer mit der Optik in Einklang zu bringen ist, erscheint oftmals mehr als deutlich, denn viele von ihnen sind schlichtweg nicht nur schlank, sondern extrem schlank. Wenn viele Models ihr Gewicht möglicherweise tatsächlich im positiven Sinne "im Griff" haben mögen, so wird es noch weit bedenklicher und zugleich gefährlicher, wenn Frauen und Mädchen, diese Körper zu ihrem Schönheitsideal machen und genauso schlank sein möchten. Sehr schnell und vor allem auch beängstigend häufig, führt dies zu krankhaften Essstörungen und einer veränderten Körperwahrnehmung, die wiederum erneut die Essstörungen verstärken. Hierbei werden v.a. zwei Varianten der Essstörung unterschieden, die Magersucht und die Bulimie. Beide können tödlich enden!

Ein prominentes Beispiel, wie gefährlich der Schönheitswahn und Magerwahn tatsächlich ist, ist das brasilianische Model Ana Carolina Reston. Im Alter von gerade einmal 21 Jahren verstarb sie 2006 aufgrund ihrer Magersucht, sie wog am Ende ihres kurzen Lebens nur noch 40 Kg bei einer modellhaften Körpergröße von 1,74 m – war sie schlank? Wohl kaum!. Für die Öffentlichkeit noch drastischer und, um dem Furchtbaren vielleicht noch etwas Positives abzugewinnen, möglicherweise Aufrüttelnderes, ereignete sich im selben Jahr. Mit 22 Jahren brach die aus Uruguay stammende Luisel Ramos während einer Modenschau tot zusammen. Dem vorausgegangen war offenbar ein wochenlanges "Hungerprogramm", das den Körper "perfekt" schlank machen sollte, stattdessen aber extrem schwächte, so dass es letztendlich zum Herzversagen kam.

Magersucht verhindern

Wer ein "Idealbild" produziert, trägt für dessen Folge "Magersucht" auch die Verantwortung

Keine Frage: Nicht erst seit Sendungen wie Heidi Klums "Germany's next Top Model", gelten Models die hochgewachsen, schlank und gutaussehend sind, als Idealbild vieler Mädchen und junger Frauen und der Beruf des Models wird als der Traumberuf schlechthin mit Aufstiegschancen zum internationalen Supermodel betrachtet. Dies hat zur Folge, dass viele Mädchen ihren großen Vorbildern nacheifern und alles daran setzten, um selbst möglichst schlank zu sein un dso zu einem vermeintlich superschönen Körper zu kommen. Gegen gewisse Einschränkungen beim Essen spricht je nach Körperbau und Veranlagung zunächst nicht, auch nicht dagegen schlank sein zu wollen, doch kann der Drang abzunehmen sehr schnell zur krankhaften Körperwahrnehmung führen und der Grad zwischen Schlankheit und Magersucht oder Bulimie wird immer schmäler. Um dem Magerwahn entgegenzuwirken und ein Zeichen zu setzen, haben sich lobenswerter Weise wenigstens in Deutschland die Modeverbände im Jahre 2008 dazu verpflichtet, nur noch Models zu engagieren, die keine gesundheitsbedenklichen Maße haben.

Die typischen Magermodels sollten somit von deutschen Laufstegen verbannt sein. In eine ähnliche Richtung geht die Frauenzeitschrift "Brigitte", die in ihren Modestrecken seit 2010 nur noch natürliche und Frauen die "normal schlank" sind anstatt professioneller Models zeigt. Bleibt zu hoffen, dass diesen Beispielen noch viele weitere folgen werden und dass das inzwischen gänzlich übertriebene Retuschieren mittels Photoshop & Co. wieder auf ein vernünftiges Maß heruntergefahren wird, denn Schönheit ist keine feste Größe, sondern ein Kulturphänomen und lässt sich steuern, Magersuch hingegen ist eine schwer in den Griff zu bekommende Krankheit!

Absurdes Schönheitsideal führt vieflach zu Magersucht.
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